27.08.2015, 09:33 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Kevin de Bruyne geht nach Manchester Rekordtransfer de Bruyne: Auch Werder Bremen kassiert

Einst für Werder Bremen am Ball: Kevin de Bruyne. Foto: dpaEinst für Werder Bremen am Ball: Kevin de Bruyne. Foto: dpa

Osnabrück. Kolportierte 75 Millionen Euro: Der wohl in diesen Tagen auch offiziell über die Bühne gehende Transfer von Fußballprofi Kevin de Bruyne vom VfL Wolfsburg zu Manchester City nach England wird der mit Abstand teuerste Transfer der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Mitverdienen wird auch der SV Werder Bremen – in geringerem, aber nicht unerheblichem Maße.

Erst Ende Juni hatte der FC Liverpool mit dem 41-Millionen-Kauf des Hoffenheimers Roberto Firmino für den bisherigen Bundesliga-Rekord gesorgt und einen Vorgeschmack auf die englische Transferoffensive gegeben: Die Clubs der Premier League können künftig mehr als drei Milliarden Euro an TV-Geldern pro Saison investieren. Das bringt den Markt gewaltig durcheinander – der Verein Manchester City, sowieso schon gut unterstützt durch Besitzer Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, hat mit kolportierten 75 Millionen Euro Ablösesumme die Wolfsburger nun offensichtlich kleingekriegt. Der VfL wollte zuvor den sowieso noch bis 2019 laufenden Vertrag mit de Bruyne deutlich aufwerten, hatte laut Medienberichten aber „nur“ 11,5 Millionen Euro jährlich an Gehalt für den belgischen Spielmacher geboten. In England soll der 24-Jährige jährlich bis zu umgerechnet 20 Millionen Euro Gehalt verdienen können.

Irre Summen, die da im Raum stehen – wer zudem weiß, dass de Bruynes Berater Patrick De Koster an dem Deal mitverdient, braucht sich nicht mehr zu fragen, warum de Bruyne das ruhige Umfeld in Wolfsburg, indem er zuletzt aufblühte, nun hinter sich lässt, um es ein zweites Mal in England zu versuchen nach seiner Station beim FC Chelsea, wo er aber alles andere als glücklich wurde und überzeugen konnte.

Werder kassiert mindestens 375000 Euro

Gedankenspiele, die dem SV Werder Bremen herzlich egal sein können. Beim Klub von der Weser stand der Belgier auch schon einmal unter Vertrag – und zwar in der Saison 2012/2013, als Leihspieler vom FC Chelsea. Und deshalb kassiert Werder an dem Rekordtransfer mit: Das regelt der sogenannte Solidaritätsbeitrag, den die FIFA für alle internationalen Transfers in seinen Regularien stehen hat.

Dieser regelt in Artikel 21 des Reglements bezüglich Status und Transfer von Spielern (hier der Text des Statuts) , dass bei internationalen Transfers fünf Prozent der Ablösesumme vom aufnehmenden Klub einbehalten werden – und nach einem speziellen Schlüssel an alle Vereine zu zahlen sind, die in früheren Jahren zum Training und zur Ausbildung des Spielers beigetragen haben: Konkret in jenem Zeitraum, als der Spieler zwischen 12 und 23 Jahre alt war. Fünf Prozent der kolportierten Ablösesumme macht einen stolzen Millionen-Betrag von 3.750.000 Euro, um den es hier insgesamt geht.

Als de Bruyne bei Werder spielte, feierte er seinen 22. Geburtstag: für jenes Spieljahr regelt der FIFA-Passus, dass Werder 10 Prozent dieser Solidaritäts-Summe (oder 0,5 Prozent der Gesamt-Ablösesumme) zustehen. Somit kann Werder davon ausgehen, aus dem de Bruyne-Transfer mindestens 375000 Euro zu erhalten. Eine Summe, die sich sogar noch erhöhen könnte, da in den Ablösemodalitäten zwischen Wolfsburg und Manchester zusätzlich zu den 75 Millionen Euro weitere Prämien enthalten sein sollen für den Fall, dass die Engländer sportliche Erfolge feiern – auch diese werden dann an Werder anteilig durchgereicht (0,5%), wie übrigens auch an Chelsea und den KRC Genk, wo de Bruyne in der Jugend ausgebildet wurde. Da de Bruyne dort viele Jahre spielte, erhält der belgische Klub noch weit mehr Geld als Werder.

Diese Solidaritätsregel, die auch für Leihspieler Anwendung findet, hat übrigens nichts zu tun mit der viel zitierten Ausbildungsentschädigung (§20 FIFA-Statut) : Diese erhalten frühere Vereine, die einen Spieler ausgebildet haben, wenn jener seinen ersten Profivertrag unterzeichnet und wenn er bis zum 23. Lebensjahr weiterverkauft wird. Die Höhe dieser Zahlungen sind aber meist deutlich niedriger.

Ein bekanntes Beispiel für das Greifen des Solidaritätsbeitrags ist der Verkauf von Mesut Özil von Werder Bremen an Real Madrid. Damals erhielten die ausbildenden Klubs RW Essen (270000 Euro) und Schalke 04 (180000 Euro) anteilig Geld.


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