17.04.2017, 09:30 Uhr

Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Was tun, wenn das Kind an der Supermarktkasse quengelt?

Die gute Stimmung beim Einkaufen mit dem Kind gerät spätestens an der Kasse in Gefahr, weil dort Massen an Süßigkeiten locken. Foto: colourbox.deDie gute Stimmung beim Einkaufen mit dem Kind gerät spätestens an der Kasse in Gefahr, weil dort Massen an Süßigkeiten locken. Foto: colourbox.de

Osnabrück. Die gute Stimmung beim Einkaufen mit dem Kind gerät spätestens an der Kasse in Gefahr, weil dort „Quengelware“ lockt. Was tun außer kaufen oder keifen, fragt sich dann unsere Elternkolumnistin.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict über latent versaute Bezeichnungen für Süßigkeiten geschimpft – und unsere Elternkolumnistin dann gefragt: Wie schleust Du Deine Kinder an der Quengelware vor der Supermarktkasse vorbei? Dies ist ihre Antwort:

Lieber Daniel,

Du fragst die Richtige, nämlich eine Expertin im „Vor Wut auf den Boden werfen, weil man den Kinderriegel an der Kasse nicht bekommt“. Zwar ist meine Erfahrung etwa 30 Jahre her, aber ich werde es nie vergessen, wie ich mich im neu eröffneten Plus-Markt (für die jüngeren Leser: So hießen früher die Netto-Märkte) auf den weiß-schwarz gekachelten Boden schmiss, weil meine große Schwester mir nix kaufen wollte. Auch meine Schwester hat diese Episode nie vergessen, was ich daran merke, dass sie sie mir mindestens viermal im Jahr nacherzählt.

Ich wusste also früh, zu welchem Terror kleine Kinder fähig sein können – und wie man richtig damit umgeht. Nämlich so wie meine genervte Schwester damals: Sie hat mich liegen lassen – aber draußen gewartet, bis ich mich beruhigt hatte. Was nach einer Weile auch passiert ist, denn auf einen kalten Boden hauen und dabei brüllen macht selbst Vierjährigen nur eine gewisse Zeit lang Spaß. Heute nennt man das „tough love“, früher war es einfach liebevolle Konsequenz.

Keine Fisimatenten an der Supermarktkasse

Seitdem ich Mutter bin, habe ich selbst versucht, derlei Fisimatenten (für die jüngeren Leser: So nannte man früher Faxen) im Kern zu ersticken.

Aus mehreren Gründen: Süßigkeiten sind nicht gesund. Sie an der Kasse anzubieten ist ein perfider Plan der Supermarkt und Lebensmittelindustrie, um Eltern und Kindern Einkauf und Zähne zu verderben. Allein dass es für diese Art Süßigkeiten mit „Quengelware“ einen eigenen, vom Duden abgesegneten Begriff gibt, spricht doch schon Bände.

Auch nicht schön: Unbeteiligte, die plötzlich von hinten in die Diskussionen mit den Kindern einmischen: „Ach, einen kleinen Riegel darf das Kind doch.“ Nein, darf es nicht. Obwohl die Grenzüberschreitung von Dritten kam, fühlt man sich plötzlich noch mehr als spaßbremsende Keife-Mama. Und das nur, weil die Lebensmittelindustrie böse ist.

Es gibt Regeln...

Bei uns gibt es also Regeln: Kind 1 darf sich beim Einkaufen etwas aussuchen, aber an der Kasse dann nichts mehr. Klingt paradox, weil es das Süße ja dann doch gibt, aber wenigstens umgehen wir dem Impuls von „Ich sehe – ich will“, den die Quengelware an der Kasse so oft auslöst.

Was nicht geduldet wird: Quengeleien an der Kasse. Die nerven, also gibt es gar nichts, sobald sie anfangen. Das ist dann zwar wieder nur die öde „Wenn, dann“-Erziehung, aber genau die funktioniert am besten. (Weiterlesen: 14 Dinge, die alle Eltern schon mal gesagt haben)

Meine Hoffnung ist, dass Kind 1, und später auch Kind 2, die Marktstrategien der Konzerne auch an diesen kleinen Dingen irgendwann verstehen werden – und nicht drauf reinfallen.

... manchmal jedenfalls

Es gibt bei all dem nur ein Problem: Diese Regeln gelten anscheinend nur, wenn die Kinder mit mir einkaufen gehen. Mein Mann hingegen musste sich als Kind nie auf den Boden werfen und hat andere Ansichten über Kaufimpulse. Vielleicht liegt hier auch der Grund, warum Kind 1 so viel lieber mit ihm als mit mir einkaufen geht ...

Deine Corinna

P.S.: Haben deine Kinder auch irgendwelche Allergien gegen Gräser oder Gluten?

Das Buch zur Kolumne gibt es jetzt auch:

Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist erhältlich in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung, online unter noz.de/shop sowie telefonisch unter 05 41/310-10 44 (Mo.–Fr. 9–16 Uhr).


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kenne das: Corinna Berghahn, gerade wieder Mutter geworden, hat ihrer vierjährigen Tochter schon den Adventskalender geplündert. Daniel Benedict, Vater eines Zweijährigen und eines Babys, intrigiert bei den Großeltern, damit seine Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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