10.12.2016, 12:33 Uhr

Xbox One, PC und Playstation 4 Rückblick auf das Spielejahr 2016: Das waren unsere Tops und Flops

Egal ob Virtual Reality, Sportspiele, Pokémon Go oder Action Rollenspiele: Das Jahr 2016 hat viele interessante Games geboten. Collage: dpa/EA Sports/Namco BandaiEgal ob Virtual Reality, Sportspiele, Pokémon Go oder Action Rollenspiele: Das Jahr 2016 hat viele interessante Games geboten. Collage: dpa/EA Sports/Namco Bandai

Osnabrück. Das Spielejahr 2016 ist fast vorbei und unsere Redaktion wagt einen Blick zurück. Welche Videogames haben sich 2016 besonders gelohnt, welche Spiele enttäuschten und was sind die Geheimtipps? Ein Überblick über die Top- und Flop-Videospiele für Xbox One, PC und Playstation 4 aus dem Jahr 2016.

1. Das Top-Spiel: The Division

Schon im März erschien mit The Division für uns der Spieletitel des Jahres 2016. Auch wenn es unserer Meinung nach nicht viel ernsthafte Konkurrenz gab, lag der Open World-Shooter letztlich knapp vorne. Und das hat viele Gründe: Technisch präsentiert sich das Spiel absolut auf der Höhe der Zeit und erfüllt damit ein wichtiges Kriterium. Ein weiterer Grund ist die dichte und glaubwürdige Atmosphäre des Szenarios in einem dystopischen New York, das von einer tödlichen Seuche heimgesucht und jetzt von Gesetzlosen regiert wird.

Das Crafting-System ist durchschaubar und fair, die implementieren Loot-Elemente nehmen nicht überhand und sind ausgewogen. Als besonders gutes Multiplayer-Element hat sich die sogenannte Darkzone erwiesen, bei der das Looten nur mit expliziter Teamarbeit möglich ist. Ubisoft hat mit The Division einen bestens durchdachten Blockbuster geliefert, der nicht nur durch die bisher erschienenen Erweiterungen auch langfristig Spaß macht. Und: Zwischenzeitliche Schwächen wurden durch Patches behoben, die Spielerzahl steigt nach einem kleinen Tief wieder an.

2. Das Flop-Spiel: No Mans Sky

Die Erwartungen waren ziemlich hoch – und letztendlich konnte sie No Mans Sky auch gar nicht erfüllen. Von Mini-Entwickler Hello Games konzipiert, versprach das Spiel ein quasi unendliches Universum mit Milliarden von Planeten, die der Spieler nach Lust und Laune erforschen kann. Dass das Universum natürlich computergeneriert sein muss, wird dem Spiel letztlich zum Verhängnis: Die Planeten sind lieblos, leer und ungemütlich, die wenigen Kämpfe auf dem Erdboden langweilig und jene im Weltraum im Grunde nicht zu gewinnen.

Das Spielprinzip, das letztlich nur aus dem Sammeln verschiedener Rohstoffe besteht, ist nach wenigen Stunden redundant – und No Mans Sky damit ein großer Langweiler. Am Ende steht die Erkenntnis: Manchmal ist weniger (Bewegungs-)Freiheit und mehr gestaltete Welt mit rotem Faden doch besser.

3. Der Geheimtipp: NHL 17

Wie kann ein Spiel von EA Sports Geheimtipp sein? Ganz einfach: Weil NHL 17 hierzulande – leider – immer noch im Schatten von Blockbustern wie FIFA oder NBA2K von 2K Sports steht. Der genaue Blick auf die Eishockeysimulation zeigt aber, dass das Game nahezu an der Perfektion kratzt und sich in der Breite noch besser aufgestellt hat.

Ein Beispiel für eine konsequente Weiterentwicklung ist – ganz im Gegensatz zu FIFA 17 – der ausgebaute Karriere- und vor allem der neue und bemerkenswerte Franchisemodus. Neben des wirklich hervorragenden Spiels an sich, sind es vor allem diese Managerelemente, die NHL 17 zu einem Topspiel des Jahres machen. Grafisch und vor allem inhaltlich kann sich FIFA mehr als nur eine Scheibe abschneiden.

4. Der größte Hype: Pokémon Go

Und plötzlich war es da: Pokémon Go. Das Augmented-Reality-Spiel von Nintendo sorgte im Juli 2016 für einen regelrechten Hype. Nintendo machte damit seine Ankündigung wahr, Spiele für das Handy zu produzieren. Mit (vorübergehend) riesigem Erfolg. Die Aktie der Japaner schoss nach der Veröffentlichung in die Höhe. Nahezu jeder Jugendliche und spielebegeisterte Erwachsene installierte das Spiel und begab sich auf die Jagd nach den Taschenmonstern. Doch schnell, wie es da war, verschwand Pokémon Go von vielen Smartphones wieder. Nintendo und Hersteller Niantic bemühen sich zwar, durch neue Updates wieder Nutzer zu gewinnen. Geblieben sind zumeist jedoch nur die eingefleischten Fans. Trotzdem: Pokémon Go machte die erweiterte Realität serienreif und bleibt eines der wichtigsten Spiele im Jahr 2016. Weiterlesen: Warum Pokémon Go die Zukunft der Smartphone-Spiele ist

5. Die größte Enttäuschung: FIFA 17

Eigentlich ist es jeder Jahr dasselbe: EA Sports veröffentlicht im September eine neue FIFA-Version, die mehr einem Update, als eigenständigem Spiel ähnelt – für mindestens 50 Euro versteht sich. In diesem Jahr war es dann doch anders. Neue Engine, neuer Modus, neues Gameplay: FIFA sollte mit vielen Innovationen aufwarten. Dabei überzeugte der Journey-Modus zwar, die Spielmechanik wurde hingegen verschlimmbessert. Auch optisch tritt FIFA gefühlt seit Jahren auf der Stelle. Epische Einlaufszenen wie bei PES gibt es nicht, ein begeisterndes Publikum wie in NHL auch nicht und einen konsequent zu Ende programmierten Karrieremodus auch nicht. Daher scheint das Jahr 2017 für FIFA ein Übergangsjahr, bis 2018 die neue Version auf den Markt kommt. FIFA-Veteranen kennen das. Und es ist ihnen auch egal. Sie haben sich schon durch schlechtere Versionen gedribbelt.

6. Das beste Mulitplayer-Spiel: Gears of War 4

Gears of War 4 ist ein echtes Pfund. Die Fortsetzung des Shooters stammt dieses Mal aus dem Hause „The Coalition“. Und die Kanadier beweisen eindrucksvoll, wie man eine Spieleserie mit einer Fortsetzung noch einmal auf eine höhere Stufe heben kann. Im Einzelspieler-Modus ist Gears 4 eine Augenweide und ein hervorragendes Actionspiel. Im Coop-Modus entwickelt es sein ganzes Potenzial. Egal ob auf der Couch mit einem Kumpel oder via Internet zu viert gegen den „Schwarm“: Gears of War 4 überzeugt vollends.

7. Das beste Game für Einzelspieler: Dishonored 2

Ja, es gibt sie noch: Die Spiele, die ohne Multiplayermodus auskommen oder den Fokus auf das Einzelspielervergnügen legen. Das hervorragende Witcher 3 gehört dazu, für das 2016 zwei außerordentlich gute Erweiterungen erschienen. Die Skyrim Special Edition ist ein ähnlicher Fall, wenn auch mit Abstrichen. Der zweite Dishonored-Teil fasziniert durch ein fantastisches Leveldesign, viel Freiheit für den Spieler und ein tolles Design, das irgendwo zwischen dem frühindustriellen England und einer Steampunk-Fantasiewelt spielt. Jedenfalls sorgt Dishonored 2 mit seinen vielfältigen Möglichkeiten für nachhaltigen Spielspaß.

8. Für den schnellen Spaß zwischendurch: Doom

Doom. Diese vier Buchstaben sorgten schon in den 90er Jahren für reichlich Kontroversen rund um den Brutalinski-Shooter. Knapp 20 Jahre später lässt Bethesda Spiel und Thema wieder aufleben – und das technisch einwandfrei. Wer auf der Suche nach einem schnellen Gemetzel ohne viel Anspruch ist, egal ob Single- oder Multiplayer, liegt bei Doom absolut richtig. Schnell, kompromisslos, brutal: Mehr muss man zu diesem Game nicht sagen. Feuer frei!

9. Sebastian Philipps Tipp: Everybodys Gone to the Rapture

Entschleunigung hatte No Mans Sky versprochen, aber Entschleunigung mit Spaß gibt es nur bei Everybodys Gone to the Rapture. Das Spiel erinnert entfernt an den Klassiker Myst und kommt mit minimalen Interaktionsmöglichkeiten aus. Hauptsächlich genießt der Spieler die exzellente Grafik und muss zwischendurch ein wenig rätseln und dabei mysteriöse Zusammenhänge aufklären, wegen denen die Bewohner eines Dorfes verschwunden zu sein scheinen. Leider ist das Spiel viel zu kurz – aber dennoch wegen der Atmosphäre auf seine Art herausragend.

10. Christian Ströhls Tipp: Dark Souls 3

Atmosphäre ist auch der Trumpf bei Dark Souls 3. Das Mittelalter-Fantasy-Setting, das perfekte Kampfsystem, die Neugier weckende Unwissenheit und die Angst vor dem hinter jeder Ecke lauernden Ableben des Spieleravatars sorgt für solch eine Dichte, dass Dark Souls 3 schlicht in jedes Spieleregal gehört. Zugegeben: Es ist kein Spiel für Casual-Gamer. Für Dark Souls 3 braucht man Durchhaltevermögen, Timing und – ganz wichtig – eine hohe Frustrationsschwelle. Doch es gibt nichts Erfüllenderes (in Videospielen wohlgemerkt), als nach unzähligen Anläufen das Ableben eines der hartnäckigen Bossgegner in DS3 mit den eigenen Schwerthieben herbeigeführt zu haben.

Sebastian Philipps Fazit zum Spielejahr 2016:

Für mich war es ein klassisches Übergangsjahr. Abgesehen von einigen Ausnahmen gab es eher wenige Blockbustertitel, die in Zukunft als Klassiker durchgehen könnten. Dafür gibt es berechtigte Hoffnung auf die kommenden Jahre, wenn die VR-Technologie endgültig in den Spielemarkt durchdringt und die schon jetzt aufgerüsteten Next-Gen-Konsolen wie die PS4 Pro tolle Spieletitel versprechen.

Christian Ströhls Fazit zum Spielejahr 2016:

Bei der Technik haben Microsoft und Sony durch Xbox One S und PS4 Pro einen Schritt nach vorne gemacht. Doch zu welchem Preis – im übertragenen Sinne sowie wörtlich gemeint? Droht uns bei den Konsolen nun so eine Aufweichung, wie etwa Apple es vor Jahren mit der S-Version der iPhone-Modelle eingeführt hat? Bitte nicht! Ich wünsche mir daher, dass die Spielehersteller endlich wieder den Fokus auf die Inhalte der Games legen. Denn mal ehrlich: Den einen Kracher – wie es etwa The Witcher 3 2015 war – gab es im letzten Jahr nicht. Ein neues Call of Duty, ein neues Battlefield, Fortsetzung hier, neue Grafik da. Ich finde das schade und zocke lieber noch einmal GTA 5, Red Dead Redemption oder Skyrim (nein, nicht die Neuauflage) durch. Das sind Games mit inhaltlicher und erzählerischer Tiefe. Komplettpakete eben. Davon erhoffe ich mir im kommenden Spieljahr mehr.


0 Kommentare