18.04.2016, 10:42 Uhr

Apple iPad Pro 9,7 Test iPad Pro 9,7 oder iPad Air – was lohnt sich?


Osnabrück. Das iPad Pro 9,7 ist ein enorm gutes iPad – aber immer noch kein echter PC-Ersatz. Ob die mindestens 689 Euro trotzdem gut investiert sind, hängt vor allem von einer Frage ab. Das iPad Pro im Test.

Apple iPad Pro 9,7 – das ist neu:

  • Viel Leistung dank A9X-Prozessor
  • hervorragender Bildschirm, kaum Spiegelungen
  • „True Tone“-Bildschirm passt sich dem Umgebungslicht an
  • vier statt zwei Lautsprecher
  • verbesserte Kamera mit Blitz und 4K-Videos
  • verbesserte Frontkamera für Selfies
  • erstmals in Rosé Gold erhältlich
  • 32 Gigabyte (GB) Speicher Minimum, 256 GB Maximum
  • unterstützt Apple Pencil und Smart Keyboard
  • Preise ab 689 Euro, bis 1199 Euro.

    „True Tone“ macht einen Unterschied

Das wichtigste bei einem Tablet ist der Bildschirm – und der ist beim iPad Pro wirklich hervorragend. Gefühlt ist er noch ein Stück besser als der des großen iPad Pro. Er ist vor allem deutlich heller und kontrastreicher als der des iPad Air 2 und spiegelt noch weniger.

Eine clevere Innovation gibt es auf der Software-Seite: Die von Apple als „True Tone“ bezeichnete Funktion sorgt dafür, dass das Display sich dem Umgebungslicht anpasst, wie ein Blatt Papier, dass das es umgebende Licht reflektiert. Liegt das iPad Pro mit „True Tone“ neben einem iPad ohne die Funktion, fällt dort der unangenehme Blaustich auf.

iPad Pro 9,7 bringt Leistung satt

Apple sagt über das iPad Pro 9,7 das Selbe wie über das iPad Pro mit 12,9 Zoll großen Bildschirm: Es sei ein Laptop-Ersatz. Wie schon beim großen Bruder gilt, dass sich das iPad Pro in Sachen Leistung nicht vor günstigen Laptops verstecken muss. Apples A9X-Prozessor sorgt durchgehend für flüssiges Arbeiten, Spielen und Surfen. (Im Test: Das riesige iPad Pro)

Arbeitsspeicher unverändert?

Wie im iPad Air 2 verbaut Apple im kleinen iPad Pro zwei GB Arbeitsspeicher. Das überrascht, da im großen iPad Pro vier GB zum Einsatz kommen. Vor allem bei vielen geöffneten Browserfenstern und häufigen App-Wechseln macht sich der Unterschied bemerkbar: Auf dem 12,9-Zoll-Pro läuft alles noch eine Spur flüssiger. Immerhin ist die Anzahl der Lautsprecher auch beim kleinen Bruder von zwei auf vier angestiegen. Die sind wirklich laut und sorgen für mehr Spaß beim Netflix-Gucken.

Kamera nimmt 4K-Videos auf

Offensichtlich verwenden so viele Menschen ein iPad zum Fotografieren und Filmen, dass Apple auch an dieser Front nachgelegt hat. Im iPad Pro kommt die gleiche 12-Megapixel-Kamera zum Einsatz wie im iPhone 6S. Leider ist beim iPad neben einem Blitz auch der Kamerahubbel auf der Rückseite dazugekommen, den Apple-Nutzer seit dem iPhone 6 hinnehmen müssen. (Testduell: iPhone 6S gegen iPhone 6)

Die Kamera nimmt Videos in 4K auf und unterstützt Apples Harry-Potter-Fotofunktion „Live Fotos“; dabei handelt es sich quasi um sehr kurze Videoclips. Positiv betrachtet müssen Nutzer für vernünftige Fotos nun nicht mehr das Smartphone aus der Tasche holen. Neutral betrachtet sehen iPad-Fotografen weiterhin etwas komisch aus.

Pro dank Apple Pencil und Smart Keyboard?

Bei allen Neuerungen und Vorzügen bleibt eine entscheidende Frage: Was macht aus dem neuen iPad ein iPad Pro? Abgesehen von der Leistung führt Apple dafür zwei Argumente ins Feld: den digitalen Stift Apple Pencil und die Anstecktastatur Smart Keyboard.

Der Apple Pencil ist enorm präzise und sensibel. Das Schreib- und Zeichengefühl ist sehr nah an dem eines echten Stifts. Das wird Architekten, Designer oder grafische Zeichner sehr freuen. Alle anderen Nutzer und talentfreien Maler sollten sich fragen, wann sie den Stift im Alltag tatsächlich benutzen würden – und ob ihnen die gefundenen Einsatzgebiete zusätzliche 109 Euro wert sind.

Das 169 Euro teure Smart Keyboard macht seine Sache grundsätzlich gut, hat aber ein großes Problem: Es funktioniert nur in einem Winkel. Vor allem beim Einsatz auf dem Schoß ist das unpraktisch – das macht Microsoft mit seinem Surface Pro deutlich besser. Außerdem zeigt der Arbeitsalltag immer wieder, dass Apples Betriebssystem iOS nicht für eine Tastatur ausgelegt. Das Smart Keyboard hat zum Beispiel keine iOS-spezifischen Tasten.

Urteil: Vor dem Kauf eine Frage stellen

Fehlende Anschlüsse, verbesserungswürdige Tastatur, keine Datei-Struktur – für einen echten Laptop-Ersatz sind die Einschränkungen beim iPad Pro noch zu groß; zumindest für die meisten Nutzer. Außerdem kostet das günstigste iPad Pro 9,7 im Paket mit dem Apple Pencil und dem Smart Keyboard 967 Euro – für 32 Euro mehr gibt es ein MacBook Air mit elf Zoll großem Bildschirm.

Als iPad betrachtet ist das kleine iPad Pro dagegen sehr gut. Der Bildschirm ist herausragend, der Leistungszuwachs deutlich spürbar und die Verarbeitung ist tadellos. Die für Interessenten entscheidende Frage vor dem Kauf: Brauche und nutze ich Apple Pencil und Smart Keyboard?

Wenn ja, ist das iPad Pro eine klare Empfehlung. Wer das Zubehör aber nicht braucht, sollte sich genau überlegen, ob er nicht zum iPad Air 2 greift. Das ist in der 16-GB-Variante 250 Euro günstiger, mit 64 Gigabyte Speicher sind es immer noch 150 Euro weniger. Zwar müssen Nutzer beim iPad Air 2 im Vergleich Abstriche beim Bildschirm und der Leistung hinnehmen, doch im Alltag schlägt sich das Air 2 immer noch tadellos. (Hier geht es zum iPad Air 2 Test)


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