18.04.2017, 17:28 Uhr

Kleines Teil, große Wirkung Bremen: Repair-Cafés erwecken „Totalschäden“ zu zweitem Leben

Rettung einer hochwertigen Kaffee-Maschine: Marco Schöling prüft im Repair-Café Findorff, ob der neue Thermostat sitzt. Foto: Martin KowalewskiRettung einer hochwertigen Kaffee-Maschine: Marco Schöling prüft im Repair-Café Findorff, ob der neue Thermostat sitzt. Foto: Martin Kowalewski

Bremen. Karin Schilke freut sich sichtlich. Das Wasser blubbert wieder in ihrer wertvollen Kaffee-Maschine mit angebautem Aufschäumer. 140 Euro teuer und nicht alt, war das Gerät auf dem Weg zum Sperrmüll, denn es erzeugte nur noch kalten Kaffee. Schilke hat die Maschine von Bekannten übernommen und ist zum „Repair-Café Findorff“ in der „Leuchtturmfabrik Findorff“ gegangen.

Vor gut zwei Wochen gab es die Diagnose: „Thermostat kaputt“, dafür waren einige Messungen nötig. Für zwölf Euro hat Schilke das Ersatzteil besorgt. Jetzt ist es drin. Fünf Schrauben mussten gelockert werden, um einen neuen Thermostat einzusetzen. Die Kabel ließen sich mit Klammern befestigen. Der Lötkolben ist kaltgeblieben. Alles nicht wild, wenn man weiß, wie es geht. Schilke weiß es jetzt auch. Eineinhalb Stunden haben Marco Schöling und Vitalij Kochno vom „Repair-Café“ bei der Reparatur geholfen, wohlgemerkt: geholfen. „Wir reparieren nicht für andere. Wir erklären und wir bieten unsere Hilfe an“, sagt Schöling.

Repair-Café gibt Spendenvorschläge

Das ist auch nicht ganz gratis. Der Spendenvorschlag im Repair-Café Findorff: fünf Euro für eine Viertelstunde Hilfe. Das Geld fließt in die Raummiete. Die beiden Helfer bekommen eine kleine Aufwandsentschädigung. „Wir schauen bei unserer Spendenempfehlung auch darauf, ob das Gerät das hergibt.“ Kürzlich habe er eine halbe Stunde die Reparatur einer 50 Jahre alten Kaffeemühle begleitet und nur fünf Euro Spende vorgeschlagen.

Keine Konkurrenz für Findorffer-Betriebe

„Die Findorffer Geschäftsleute haben uns natürlich auch gesagt, macht es nicht zu billig“, sagt Schöling. „Wir wollen keine Konkurrenz für die Betriebe sein.“ Beim Fachhändler kostet eine Arbeitsstunde 60 Euro. Keine Option für Schilkes schöne Kaffee-Maschine, die jetzt wohl noch lange laufen wird. „Eigentlich ist das ein wirtschaftlicher Totalschaden, zumindest, wenn man es rein monetär betrachtet“, sagt Marco Schöling.

„Wir wollen erreichen, dass Menschen aktiv sind“

In dem Repair-Café gibt es übrigens auch Kaffee. Dafür steht ein üppiger Automat bereit, der das Wasser mit Hochdruck durch das Pulver pumpt. Die „Leuchtturmfabrik“ ist gemütlich. Schöling erklärt, dass es um weit mehr geht als die Reparatur von Geräten, die sonst auf dem Müll landen. „Wir wollen erreichen, dass Menschen aktiv sind. Sie sollen überlegen, was kann ich selber tun“, sagt Schöling. „Jeder kann Grundtechniken lernen, etwa einen Schraubendreher zu bedienen. Man muss natürlich wissen, was Strom ist. Man braucht ein Grundverständnis, dann ist es nichts anderes, als etwa seine Decke zu streichen.“

Kaputter Entsafter für 30 Cent repariert

Die Tür geht auf. Der nächste Fall ist ein kaputter Entsafter, etwa zwei Jahre alt. „Er geht nicht mehr an“, sagt die Besitzerin Frederike Schulte. „Vielleicht habe ich da zu grobe Stücke reingetan.“ Das Gerät hat immerhin einen Neupreis von 120 Euro. Schöling drückt ihr einen Schraubendreher in die Hand. Schnell hat sie das Gehäuse geöffnet. Doch wo sitzt das Problem? Schöling zeigt, wo der Strom langläuft. Er gibt der Besucherin einen Spannungstester. Schnell findet diese heraus: Eine Sicherung ist durchgebrannt. Das Ersatzteil ist für 30 Cent zu haben und kann dann einfach aufgesteckt werden.

Erst den Stecker rausziehen, dann das Gerät aufmachen

Ein kleiner Eingriff mit großer Wirkung, wie so oft. „Handys müssen meist nur auf die Werkeinstellung zurückgesetzt werden. Bei CD-Playern hilft oft eine Reinigung der Linse“, sagt Kochno. Schöling und Kochno wissen, viele Menschen haben Angst vor dem Strom. „Wir wollen ab Sommer einen ,Elektroführerschein‘ anbieten. Da geht es die elementaren Grundlagen und um Sicherheit“, sagt Schöling. Ein ganz elementarer Sicherheitstipp gelte immer: erst den Stecker rausziehen, dann das Gerät aufmachen.

Verschiedene Repair-Cafés in Bremen

Das Repair-Café Findorff öffnet am zweiten und vierten Sonnabend im Monat von 10 bis 15 Uhr. Adresse: Münchener Straße 58. Es gibt mehrere weitere Repair-Cafés in Bremen, die in sehr unterschiedlichen Abständen öffnen. Einen Überblick gibt es unter: www.repaircafe-bremen.de und unter www.bremer-umwelt-beratung.de im Unterpunkt Veranstaltungen. Am Mittwoch, findet in der „Markthalle Acht“, Domshof 8, von 10 bis 19 Uhr ein Repair-Café statt.


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