30.11.2016, 18:48 Uhr

Prozess am Bremer Landgericht Nach Unfall mit Schüler: Zeuge könnte Bewegung in den Fall bringen

Der Angeklagte (rechts) und sein Verteidiger Martin Stucke kurz vor Eröffnung des Prozesses wegen versuchten Totschlags vor dem Bremer Landgericht. Foto: Martin KowalewskiDer Angeklagte (rechts) und sein Verteidiger Martin Stucke kurz vor Eröffnung des Prozesses wegen versuchten Totschlags vor dem Bremer Landgericht. Foto: Martin Kowalewski

Bremen. Für einen 13-Jährigen endete ein Sommertag im Juni fast tödlich, als er von einem Auto erfasst und durch die Luft geschleudert wird. Lange war ungewiss, ob er überleben wird. Sicher ist hingegen, dass der Fahrer des Wagens den Schüler einfach liegen ließ und davonfuhr. Vor dem Landgericht Bremen muss sich nun ein 27-Jähriger wegen versuchten Totschlags verantworten. Er soll es gewesen sein, der den Tod des Jungen billigend in Kauf nahm.

Reifen quietschen, ein Motor heult auf. Wenige Augenblicke später liegt der 13-jährige Schüler auf der Straße an der Kreuzung Julius-Brecht-Allee/Konrad-Adenauer-Allee. Menschen eilen herbei und legen dem Schwerverletzen eine Jacke unter den Kopf. Sie sei eine dieser Ersthelfer gewesen, so erzählt es die Zeugin am Mittwoch vor Gericht. Die gelernte Krankenschwester steht noch heute unter den Eindrücken des schrecklichen Unfalls. Ihre Stimme wird brüchig, sie muss abbrechen, als sie berichtet, wie Blut aus dem Kopf des regungslosen Jungen läuft. Die Frau handelte, wie viele andere auch, vorbildlich. Nur einer tat das nicht: der Unfallverursacher selbst.

Vorwurf eines bedingten Tötungsdeliktes bezieht auf die „innere Haltung“ des Angeklagten

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft war es der Angeklagte, der auf der Linksabbiegerspur wartende Autos überholte und dann über eine rote Ampel fuhr. Er erfasste den Schüler, hielt wenige Meter weiter an, ging zum Unfallort, schaute zum Verletzten – und floh. Habe es das Gericht bei Verkehrsdelikten in der Regel mit Fahrlässigkeit zu tun, so der Vorsitzende Richter Manfred Kelle zum Prozessauftakt , beziehe sich der Vorwurf eines bedingten Tötungsdeliktes in diesem Fall auf die „innere Haltung“ des 27-Jährigen. Diese „innere Haltung“, so sieht es zumindest die Anklagevertretung, zeige, dass es dem Mann trotz der offenkundig schweren Verletzung gleichgültig war, was mit dem Jungen passiert.

Ein 15-jähriger Zeuge könnte Bewegung in den Fall bringen

Vier weitere Zeugen werden am Mittwoch gehört, doch keiner kann den Angeklagten eindeutig identifizieren. Trotzdem könnte bald Bewegung in den Fall kommen. Ein Schüler (15), der den Unfall selbst nicht gesehen hat, berichtet von einem Freund, der angeblich kurz nach dem Unfall mit dem Fahrer gesprochen hat. Was besprochen wurde, sei ihm nicht bekannt, sagt der 15-Jährige.

Die Kammer benötigt eindeutige Aussagen zum Täter

Doch diese Aussage stützt die Hoffnung des Opfers und seiner Angehörigen, dass der Angeklagte doch als Fahrer identifiziert werden könnte. Weil es sich bei dem Tatfahrzeug um einen Mietwagen handelte und angeblich alle Angehörigen des Angeklagten Zugriff auf das Fahrzeug hatten, wird es für die Staatsanwaltschaft in erster Linie darauf ankommen zu beweisen, ob der Angeklagte –  der das Fahrzeug angemietet hatte – auch tatsächlich der Fahrer war oder nicht. Dazu benötigt die Kammer aber eindeutige Aussagen, wie Nebenklägervertreter Felix Deutscher bestätigt. „Nur Ähnlichkeiten bringen uns nicht weiter.“ Der 27-Jährige selbst schweigt bislang.

Unfallopfer „versucht stark zu sein“

Der Junge schwebte mehrere Tage in Lebensgefahr, verbrachte nach zehntägigem Krankenhausaufenthalt weitere drei Monate in einem neurologischen Reha-Zentrum. Mittlerweile gehe er wieder zur Schule, sagt ein Freund. Der Junge habe zwar noch mit Gehproblemen zu kämpfen, sei aber auf dem Weg der Besserung, berichtet der Zeuge. „Er versucht stark zu sein.“


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