19.10.2016, 16:27 Uhr

In den kalten Monaten Bremer Auffangstation versorgt Eichhörnchen im Winter

Fellpuschel an Ohren und Schwanz wachsen bei Eichhörnchen erst ab der sechsten Lebenswoche. „Nepomuk“ ist auf dem Foto etwa zehn Wochen alt und wird von Jürgen Conrad in der Bremer Eichhörnchen-Auffangstation betreut. Foto: Ilka LangkowskiFellpuschel an Ohren und Schwanz wachsen bei Eichhörnchen erst ab der sechsten Lebenswoche. „Nepomuk“ ist auf dem Foto etwa zehn Wochen alt und wird von Jürgen Conrad in der Bremer Eichhörnchen-Auffangstation betreut. Foto: Ilka Langkowski

Bremen. Nicht jedes Eichhörnchen übersteht den Winter eigenständig. Hilflose Tiere werden in der Eichhörnchen-Auffangstation von Jürgen Conrad in Bremen gepflegt.

Der lange Spätsommer hat bei den Eichhörnchen für einen zusätzlichen Wurf Nachwuchs gesorgt und Jürgen Conrad in seiner Eichhörnchen-Auffangstation in Strom mehr Wintergäste beschert. „Nepomuk“ beispielsweise. Er kann dieses Jahr nicht mehr ausgewildert werden. Das Eichhörnchen muss mit den bislang 14 anderen bis zum Frühjahr durchgefüttert werden.

Rund vier bis fünf Euro kosten die Nüsse, die Jürgen Conrads (53) kleine Sorgenkinder pro Tag verspeisen. Sie wurden bei ihm abgegeben, weil sie schwer verletzt oder aus dem Nest gefallen und verlassen waren. „Solange aus dem Nest gefallene Baby-Eichhörnchen noch warm sind, nimmt die Mutter sie wieder auf“, erklärt Conrad. „Sind sie bereits unterkühlt, bekommen sie keine Hilfe mehr.“

Schicksal des Tieres liegt in Händen des Finders

Deswegen sei wärmen das erste Gebot, wenn man ein kleines Eichhörnchen ohne Mutter auf dem Boden sieht. Danach könne man es auf einer isolierenden Unterlage an den Fundplatz zurücksetzen und gucken, ob die Mutter auftaucht. Dabei sollte man auch aufpassen, dass nicht Katzen oder Vögel schneller sind. Taucht die Mutter auf, entscheide sie anhand der Körpertemperatur, ob sie das Junge wieder ins Nest bringt. Der fremde Geruch durch den Kontakt mit Menschen störe sie dabei nicht, weiß der Experte.

Ohne Muttertier allerdings liegt das Schicksal des Tieres in den Händen des Finders. Man sollte den Findling wärmen und nach Geschwistertieren schauen, sagt Conrad. Im Haus sei ein ruhiger warmer Platz das Richtige. Eichhörnchen vertragen keine Kuhmilch. Deswegen sollte man ihnen etwas Wasser geben. Wie es dann weitergehen kann, sagt Betroffenen das Eichhörnchen-Notfallteam.

Gäste mit begrenztem Aufenthalt

Das wurde auch für „Nepomuk“ kontaktiert. Das wenige Wochen alte Eichhörnchen-Baby war aus zwölf Metern Höhe auf Asphalt gefallen und hatte Glück. Mit kaputter Nase und blutüberströmt wurde das Tierchen von seinem erschrockenen Finder per Taxi in die Auffangstation nach Strom gebracht.

Ein anderes Eichhörnchen schleppte Conrads eigener Hund an. Auf der Suche nach Wärme war es in das dicke Fell des Leonberger Rüden gekrochen. „Huch, was ist das denn?“, dachte Conrad. Und schon hatte er einen Pflegefall mehr. In großzügigen Volieren sind die Gäste untergebracht. Wenn sie alt und stark genug sind, dürfen sie wieder in die Freiheit. Vorher wird der Kontakt zu den Tieren auf die Futtergabe beschränkt. „Nach einer Woche werden sie so wieder scheu“, erklärt der Eichhörnchen-Fachmann. Der 53-Jährige, von Beruf Pfleger, sieht die Eichhörnchen als Gäste mit begrenztem Aufenthalt. Nur ein paar behinderte Exemplare wohnen in einer Außenvoliere auf Lebenszeit.

Auf Spenden angewiesen

Seit fast acht Jahren betreibt Conrad die Auffangstation. Damit er aus Tierliebe nicht Gefahr läuft, alles und jeden aufnehmen zu müssen, hat er sich bewusst auf die Eichhörnchen spezialisiert, auch wenn es ein paar Katzen gibt, die er aufgenommen hat. Ein kleiner rot-getigerter Kater kommt pünktlich zum Pressebesuch von einer Notoperation zurück. Mehr als 1 000 Euro stehen auf der Rechnung.

Und Conrads Gesicht ist gezeichnet von einer schlaflosen Nacht – zusätzlich zu seinem Wochenenddienst. „Das tut doppelt weh“, meint Conrad. Denn die vielen Wintergäste dieses Jahr schlügen mächtig zu Buche. Die Spendeneinnahmen seien für so viele Langzeitgäste nicht ausreichend. Deswegen nimmt er gerne Haselnüsse, ungeschwefelte Walnüsse und süße Äpfel an.

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Die Auffangstation ist unter 0179/7424479 und auf www.eichhoernchen-notruf-bremen.de erreichbar. Wer Bares spenden möchte, kann das entweder über den Kauf von Eichhörnchen-Kalendern, -Büchern und -Postkarten tun oder direkt auf das Konto des Eichhörnchen-Notrufs Bremen überweisen (IBAN DE20 29050101 3401 8574 81, Sparkasse Bremen).

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