02.05.2016, 19:04 Uhr

Reservierungen für Bundeswehr Studienplätze für Truppe sorgen in Bremen für Ärger

Studienplätze sind begehrt - dass an der Hochschule Bremen einige für Bundeswehrangehörige reserviert sind, sorgt für Unmut.  Foto: dpaStudienplätze sind begehrt - dass an der Hochschule Bremen einige für Bundeswehrangehörige reserviert sind, sorgt für Unmut. Foto: dpa

Bremen. Die Bundeswehr reserviert sich Studienplätze an Fachhochschulen - und stößt damit in Bremen auf Widerstand. Kritiker sehen die Zivilklausel verletzt.

In der Hochschule Bremen tanzten kürzlich einige Studierende während einer Gremiumssitzung auf den Tischen – nicht vor Freude, sondern aus Protest: Sie kritisieren, dass ihre Fachhochschule zum Wintersemester 2016/17 eine Kooperation mit der Bundeswehr eingeht. Im „Internationalen Frauenstudiengang Informatik“ werden künftig bis zu neun oder zehn der 38 Studienplätze für angehende Wehrtechnikerinnen reserviert. Für jeden tatsächlich genutzten Platz zahlt die Bundeswehr einen Betrag in unbekannter Höhe an die Hochschule.

Bremen ist kein Einzelfall. In fast allen Bundesländern einschließlich Niedersachsen lässt das Militär seine Zivilbeschäftigten oder Offiziere auch an öffentlichen Hochschulen ausbilden, wie jetzt ein Bundeswehrsprecher auf Nachfrage unserer Zeitung erläuterte. Wer bisher dachte, nur die beiden Bundeswehr-Universitäten in Hamburg und München seien dafür zuständig, liegt also falsch.

Dass die Hochschule Bremen dabei mitmacht, stört nicht nur die tanzenden Studenten, sondern auch die Linke, die Gewerkschaft GEW und die Jusos. Sie werfen der Hochschulleitung einen Verstoß gegen ihre eigene „Zivilklausel“ vor. Darin heißt es nämlich: „Studium, Lehre und Forschung an der Hochschule Bremen dienen ausschließlich friedlichen Zwecken.“ Eine fast wortgleiche Klausel steht seit 2015 im Bremer Landeshochschulgesetz.

Doch Rektorin Karin Luckey sieht die Zivilklausel nicht verletzt. Die Bundeswehr, so Luckey zu unserer Zeitung, könne auf keinen Fall Einfluss auf die Inhalte nehmen. „Wir machen weiterhin das, was wir in diesem Frauenstudiengang schon seit 16 Jahren machen.“Der Bund werde genauso behandelt wie Privatfirmen, die sich in solchen dualen Studiengängen ebenfalls Plätze für ihre Beschäftigten reservieren ließen und dafür den organisatorischen Mehraufwand einen finanziellen Beitrag leisteten.

Laufbahn ohne Dienst an der Waffe

Außerdem kämen keine Soldatinnen, sondern nur angehende Beamtinnen der Bundeswehrverwaltung. Zu der zählt allerdings auch das „Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung“, und genau dort können die Informatikerinnen später als verbeamtete Ingenieurinnen in der Wehrtechnik arbeiten. Ihr Berufsbild laut Bundeswehr: „Lenken Sie die Entwicklung des Wehrmaterials, erproben Sie Prototypen und überwachen Sie die Realisierung!“ Vorausgesetzt wird „die Bereitschaft zur freiwilligen Teilnahme an Auslandseinsätzen der Bundeswehr“ – wenn auch nicht an der Waffe. Außerdem muss man die nötige Hochschulreife mitbringen und Deutscher sein.

Neben der Informatik in Bremen nutzt die Bundeswehr noch drei Fachrichtungen in ihrer Münchener Universität und zehn Studiengänge an zivilen Fachhochschulen für ihre Wehrtechnikerausbildung, darunter Elektro-, Kommunikations- und Informationstechnik an der Jade-Hochschule Wilhelmshaven.

Wer einen der Plätze ergattert, erhält als Beamtenanwärter ein Monatssalär von 1539 Euro brutto. Unterrichtet wird je nach Hochschule gemeinsam mit normalen Bafög-Empfängern oder in separaten Klassen.

Mit der gerade angekündigten neuen Cyber-Abteilung der Bundeswehr habe das Wehrtechniker-Studium nichts zu tun, sagt der Bundeswehrsprecher. Allerdings will er „nicht ausschließen“, dass die Absolventen irgendwann auch in diesem Bereich arbeiten werden. Für die Ausbildung von Soldaten bedient sich der Bund schon länger ziviler Hochschulen, zum Beispiel in den Fächern Medizin oder Zahnmedizin. Nehmen die Bundeswehrangehörigen nicht anderen Bewerbern die Studienplätze weg? Zumindest in Bremen nicht, sagt die Rektorin, denn dort gebe es noch genug freie Kapazitäten.

Luckeys einziges Zugeständnis an ihre Kritiker: „Wenn man Informatik studiert, kommt in jedem Fall irgendwann die Frage des Dual Use“ – also der Nutzbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke.


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