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Bundesregierung bringt Dachdecker auf die Palme
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Autor: Klaus Jongebloed 26. August 2011 06:00 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Verband hält Energie-Strategie bei Altbauten für unausgegoren – „Ohne steuerliche Anreize wird Sanierungsquote nicht erreicht“

Bundesregierung bringt Dachdecker auf die Palme

Osnabrück. Erst vor wenigen Tagen hat die Bundesumweltstiftung (DBU) voller Elan die Fortsetzung ihres Haussanierungs-Projekts bis Ende 2016 angekündigt – immerhin garniert mit weiteren 1,3 Millionen Euro Förderung, nach fünf Millionen Euro in der ersten Phase. Und wenigstens ein kleiner Beitrag, damit endlich Fahrt aufnimmt, was die Bundesregierung Energiewende nennt.

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Sie stützt sich bekanntlich nicht nur auf das Aus für Atomkraft bis 2022, sondern vor allem auch auf das Sparen von Strom und Wärme sowie auf mehr Energieeffizienz. Ein Schlüssel zum Erfolg: die Sanierung von Millionen Altbauten in Deutschland. Doch DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde geht das nicht schnell genug. Er spricht gar von „Schneckentempo“. Wenn das so weitergehe wie bisher, „brauchen wir noch 100 Jahre, bis alles saniert ist“, poltert er.

Hoffnung für Klimaschützer, aber auch für Handwerker, war der Plan der Bundesregierung zu einem Steueranreiz: Wer saniert, sollte zehn Prozent der Kosten von der Steuer absetzen können. Doch daraus wird nun wohl nichts. Aus Regierungskreisen war zu erfahren, dass weder Bundesfinanzministerium noch viele Bundesländer angesichts leerer Kassen auf derartige Steuerausfälle in Höhe von etwa 1,5 Milliarden Euro erpicht sind. Eine Sprecherin des Finanzministeriums sagte unserer Zeitung, die Zeichen verfestigten sich, dass auch der Vermittlungsausschuss des Bundestages nicht eingreifen werde. Das Thema wäre vom Tisch.

SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber wies in unserer Zeitung die Kritik der FDP an der Blockade von SPD-geführten Ländern gegen einen Steueranreiz zurück. Eine steuerliche Förderung von Sanierungsvorhaben laufe ins Leere, so Kelber. Effektiver sei eine auf Ortsteile oder Quartiere gerichtete Unterstützung. Und es könne ja wohl nicht sein, dass von 1,5 Milliarden Euro Steuerausfällen „die Länder 900 Millionen Euro tragen sollten und der Bund lediglich den Rest“.

Ganz anders sehen das die Dachdecker in Deutschland. Sie werfen der Bundesregierung vor, die Energiewende und selbst gesteckte Klimaziele aufs Spiel zu setzen. Der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), Ulrich Marx: „Ohne steuerliche Anreize wird die von der Bundesregierung gewünschte Sanierungsquote nicht erreicht werden.“ Marx hielt es für unverantwortlich, dass anders als von der Koalition geplant der Steueranreiz für Haus- und Wohnungsbesitzer womöglich kippt.

Marx sagte, der entfallende Steueranreiz wäre „auf jeden Fall“ ein neues Hemmnis für die in Deutschland dringend notwendige Altbau-Sanierung. Das von der Bundesregierung geplante Ziel, den Kohlendioxidausstoß um 80 Prozent bis 2050 zu senken, sei aber nur machbar, wenn pro Jahr jeweils mindestens zwei Prozent des Gebäudebestandes energetisch saniert werden. Zurzeit seien es jährlich jedoch etwas weniger als ein Prozent des gesamten Gebäudebestandes. „Um ein nur 15 Jahre altes Wohnhaus umfassend energetisch zu sanieren, muss der Besitzer aber rund 70000 Euro aufbringen“, sagte der ZVDH-Hauptgeschäftsführer. Bei solchen Summen sei eine steuerliche Absetzbarkeit eines Teils der Kosten „schon ein beträchtlicher Anreiz für eine Sanierung“.

Nach Marx’ Angaben sind bundesweit etwa 26 Millionen Wohneinheiten energetisch sanierungsbedürftig. Teilweise sei der „Sanierungsdruck wirklich hoch“. Ursachen dafür seien unter anderem steigende Heizkosten, die Verschärfung der Energieeinsparverordnung sowie die Verpflichtung zur Erstellung eines Gebäudeenergieausweises.

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