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Fußball-Tippspiel
„Ich bin die Einzige, die sich zurückzieht“
„Beim Personal ändert sich nichts. Die Einzige, die sich zurückzieht, bin ich.“ Felicitas Egerland, bisher Hauptgesellschafterin und Geschäftsführerin beim gleichnamigen Osnabrücker Automobillogistikunternehmen, bevorzugt die klare Sprache. Und mit ihren Worten müsste man sagen: Die Egerland-Gruppe ist seit gestern nicht mehr im Familienbesitz, sondern gehört größtenteils einem Pariser Unternehmen, das seinerseits in der Hand der französischen Staatsbahn ist.
STVA nennt sich dieser Konzern, dem Felicitas Egerland schon vor acht Jahren 20 und nunmehr weitere 54 Prozent der Anteile an der Werner Egerland Automobillogistik GmbH & Co. KG verkauft hat. Die Frau des verstorbenen Firmengründers Werner Egerland hält somit noch 26 Prozent an der Egerland-Gruppe.
„Eigentlich müsste ich schon seit 16 Jahren im Ruhestand sein, war aber noch bis Ende Januar als Geschäftsführerin aktiv. Ich bin froh, dass die Unternehmensgruppe nun in jüngere und weiterhin wirtschaftlich stabile Hände gelegt wird“, sagte Felicitas Egerland unserer Zeitung gestern auf die Frage, warum sie jetzt ausgestiegen sei. Und die bisherige Firmenchefin ist sich sicher, „damit für das Unternehmen eine Zukunftssicherung erreicht“ zu haben.
Das Kürzel STVA steht für Société de Transports de Véhicules Automobiles, die Fahrzeuglogistiksparte der französischen Staatsbahn SNCF. STVA hat den Manager Jean-Michel Floret in die Geschäftsführung von Egerland entsandt; dieser nimmt nun den Platz von Felicitas Egerland ein. An den übrigen Führungskräften hält das Unternehmen ebenso fest wie an seinen bundesweit rund 800 Mitarbeitern.
In Osnabrück beschäftigt Egerland rund 250 Männer und Frauen. 40 von ihnen arbeiten laut Geschäftsführer Dirk Freese kurz, weil es im Bereich Neufahrzeuglogistik nach dem Aus für die Abwrackprämie einen Auftragseinbruch gab. Auf Dauer sieht Felicitas Egerland aber für den Standort Osnabrück wegen des Engagements von VW eine stabile Zukunft. Die enge Zusammenarbeit von VW mit Karmann hatte 1955/56 zur Verlegung des Egerland-Firmensitzes von Wolfsburg nach Osnabrück geführt.
Über den Preis, den Felicitas Egerland für den Verkauf ihrer Mehrheitsbeteiligung erhalten hat, wurde Stillschweigen vereinbart. Sie habe STVA stets als fairen Partner erlebt, der die „normale Stärke“ der Egerland-Gruppe kenne, sagte die bisherige Firmeninhaberin. Laut Geschäftsführer Freese hat das Unternehmen mit bundesweit neun Standorten im vorigen Jahr trotz eines massiven Umsatzrückgangs ein „deutlich besseres Ergebnis erzielt als 2008“.
Der Betriebsrat bewertete die Mehrheitsübernahme durch die Franzosen ebenfalls positiv. Zwischen Egerland und STVA gebe es auf dem deutschen Markt kaum Überschneidungen. Vielmehr könne Egerland nun verstärkt in neue Bereiche wie Autotransporte auf der Schiene vordringen, die aus ökologischen Gründen zukunftsträchtig seien, erklärten der Vorsitzende Olaf Wasielewski und sein Stellvertreter Wolfgang Schelosky.
Felicitas Egerland will einen Teil des Verkaufserlöses zur Aufstockung des Kapitals der nach ihrem Ehemann benannten Stiftung verwenden. Diese fördert junge Menschen in Kunst, Kultur und Wissenschaft.
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