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Twiggy macht wieder von sich reden
Es gibt Menschen, die hatten einmal ihren ganz großen Auftritt, ihren «moment of fame», und eigentlich müsste man annehmen, dass sie allmählich in Vergessenheit geraten, doch eben das geschieht nicht. So ist es mit Twiggy, die wohl für immer das Gesicht der Swinging Sixties bleiben wird.
«Über all die Jahre habe ich immer die meiste Fanpost aus England, den USA und Deutschland bekommen - immer! Ich bekomme wunderbare Fanbriefe aus Deutschland. Nur kann ich sie nicht immer lesen, weil sie manchmal auf Deutsch sind. Leider spreche ich kein Deutsch, obwohl ich es auf der Schule hatte, aber ich erinnere mich an nichts. Ich kann auf Deutsch zählen, aber das ist es dann auch.»
Twiggy hat ihren festen Platz im Geschichtsbuch, obwohl sie gerade einmal vier Jahre als Model aktiv war, von 1966 bis 1970. Eine Mode-Redakteurin entdeckte das Arbeiterkind mit 16 Jahren in einem Friseursalon. Dann ging alles ganz schnell: Mit Stoppelschnitt und schwer verschatteten Augen wurde sie zum «Gesicht von 1966» ausgerufen - obwohl sie für ein Model eigentlich zu klein und zu formlos war. «Ich denke nicht, dass ich selbst ein politisches Symbol gewesen bin, aber ich war sicherlich Teil dessen, was in den 60er Jahren in England geschehen ist», überlegt sie im dpa-Gespräch. «Es war doch im Grunde das erste Mal, dass die Jugend eine Stimme hatte.»
Sie wisse, dass das auch für Deutschland eine wichtige Zeit gewesen sei. «Die 60er waren einfach ein tiefer Einschnitt. So vieles hat sich damals geändert - die Revolution der 60er eben. Die Modedesigner entwarfen plötzlich sehr junge Kleidung, und deshalb brauchten sie sehr junge Models, und da passte ich irgendwie rein. Ich war genauso überrascht wie alle anderen.»
Twiggy stand damals für das Recht, anders sein zu dürfen. Sie verweigerte lange Haare, Kurven und schmachtenden Blick. Auf Schönheitsköniginnen wie Marilyn Monroe, Sophia Loren und Brigitte Bardot folgte die Kindfrau mit 41 Kilo Lebendgewicht. Das «Time»-Magazin ätzte: «Ihr Gesicht muss ihr Kapital sein, denn ihr Körper ist es sicher nicht.»
Was damals als befreiend erlebt wurde, erscheint im Rückblick als Geburtsstunde von Mager-Models und Heroin-Look. Twiggy versichert, dass sie gegessen habe wie ein Scheunendrescher - «ich war einfach so spindeldürr. Wirklich, ganz ehrlich!» Deshalb habe ihr erster Freund sie ja auch Twiggy - Zweiglein - genannt. Wenn sie heute die alten Bilder betrachte, finde sie sich selbst etwas klapprig. «Ich liebe Kochen und Essen!»
Der linksliberale «Guardian» hat vor einiger Zeit geschrieben, dass Twiggy heute wieder ein Vorbild für ihre Generation sei: Sie zeige, wie man in Würde altern könne. Zwar sieht sie immer noch blendend aus und deutlich jünger als 62, doch die Lachfältchen und die Krähenfüße rund um die Augen lässt sie auch dann nicht ganz überpinseln, wenn sie vor der Kamera steht - so wie am Donnerstagabend bei Thomas Gottschalk («Gottschalk live»/ARD).
Jede Frau müsse selbst wissen, was sie tue, betont die als bodenständig geltende Twiggy, die seit 23 Jahren mit dem Schauspieler Leigh Lawson verheiratet ist. Einige ihrer Freundinnen hätten sich auch schon unters Messer gelegt. «Ich würde mir niemals Botox spritzen lassen. Es ist giftig und friert das Gesicht ein. Ich fühle mich so wohl, wie ich bin, und ich glaube, jeder sollte einfach auf sich selbst hören und sich von Moden nicht unter Druck setzen lassen.»
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