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Prominente und ihr Umgang mit Alzheimer
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Autor: Beate Tenfelde 31. Juli 2011 16:46 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Reise in den Sonnenuntergang des Lebens

Prominente und ihr Umgang mit Alzheimer

Osnabrück. Acht Jahre lang hat Ronald Reagan Amerika angeführt – selbstbewusst und gern auch mit Cowboyhut. Der Präsident und Ex-Schauspieler teilte die Welt klar auf in Gut und Böse. Als er am 5. Juni 2004 im Alter von 93 Jahren starb, hatte er alles vergessen.

 
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Ronald Reagan Helmut Schön Ernst Albrecht Peter Falk Gunter Sachs Bubi Scholz Maria Schell Rita Hayworth

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Auch, dass er einmal der mächtigste Mann der Vereinigten Staaten war. Dass er 1987 in Berlin den damaligen sowjetischen Staatschef direkt anging: „Mister Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein!“ Die Alzheimer- Krankheit löschte seit Anfang der Neunzigerjahre Stück für Stück sein Bewusstsein aus.

Dass man weltweit anfing, Alzheimer öffentlich überhaupt wahrzunehmen, ist ganz entschieden sein Verdienst. 1994 wandte sich Reagan ein letztes Mal an die Nation mit einem bewegenden Brief. Er teilte mit, dass er an Alzheimer leide – und brach damit ein Tabu. „Dadurch, dass wir unsere Herzen öffnen, hoffen wir, die öffentliche Aufmerksamkeit für diese Krankheit zu verstärken“, begründeten Reagan und seine Frau Nancy ihren Schritt. Ein Abschied mit Reagan-Pathos. „Ich beginne jetzt die Reise, die mich in den Sonnenuntergang meines Lebens führen wird.“

Was es bedeutet, einen Menschen mit Demenz oder Alzheimer zu betreuen, weiß auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Ohne Aufopferungsbereitschaft gehe es nicht, sagt sie. Als ihr Vater Ernst Albrecht, in den Jahren 1976 bis 1990 Ministerpräsident von Niedersachsen, Betreuung benötigte, ist die Familie zu ihm gezogen. Gemeinsam helfen sie ihm, die innere Abgeschiedenheit zu überwinden.

Sehr genau erinnert sich die heute 52-jährige Ministerin daran, wie es 2005 anfing: „Wir saßen im Auto und fuhren von Hannover nach Braunschweig zum gemeinsamen Termin. Und dann sagte er mir: Ich habe Alzheimer.“ In diesem Moment sei sie „völlig konsterniert“ gewesen, berichtet von der Leyen, „weil sich in meinem Kopf erst das Vorurteil gegen eine Demenz, gegen Alzheimer abspulte: nämlich das Endstadium.“

Albrecht wäre 1980 fast Kanzlerkandidat geworden. Jetzt drohte er, wieder hilflos wie ein Kind zu werden. „Ich konnte gar nicht fassen, wie das zusammengeht“, berichtet von der Leyen, eine Ärztin. Auch sie vollzog einen Tabubruch und sprach von der Krankheit. Die Entscheidung, 2008 in der Talkshow „Beckmann“ damit an die Öffentlichkeit zu gehen, sei eine Befreiung gewesen – für den Vater und für die Familie. Es habe Druck auf den Angehörigen gelastet, auch Scham wegen der zuweilen eigenwilligen Reden des Vaters.

Gunter Sachs wollte einer Krankheit im Rampenlicht entgehen. Er beging Selbstmord – es war ein bewusster Schritt aus Furcht vor Alzheimer und der Schlusspunkt eines bewegten Lebens. Der Industriellensohn studierte in Lausanne Mathematik und Wirtschaft und absolvierte eine Feinmechaniker- und eine Banklehre sowie ein französisches Dolmetscherdiplom. Er war Bobfahrer, Fotograf, Dokumentarfilmer und Kunstsammler.

Für die anderen war Gunter Sachs stets der Lebemann, der die Ikone Brigitte Bardot eroberte. Für ihn selbst jedoch war der Begriff schon längst zu einer leeren Hülle geworden. Sein Sohn fand ihn am 7. Mai 2011 an seinem Schreibtisch in seinem Chalet in Gstaad. In einer Erklärung hieß es, der 78-Jährige habe erkannt, dass er „an der ausweglosen Krankheit A.“ erkrankt sei. „Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten“, habe Sachs geschrieben.

Er ist nicht der erste Prominente, der nach einem schnellen und lauten Leben einsam endet. Traurig der Abschied des US-Schauspielers Peter Falk (78) am 23. Juni dieses Jahres. Nur noch seine Fans erinnern sich an den verrutschten Trench des knautschigen Inspektors Columbo, den Falk kauzig-komisch verkörperte. Auch als der US-Mime Charles Bronson am 30. August 2003 mit 81 Jahren starb, konnte er seinem weltberühmten Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ nicht einmal mehr die Melodie zuordnen.

Wenn Alzheimer festgestellt wird, ist, laut Zahlen der Alzheimer-Gesellschaft, in 60 Prozent der Fälle die Erkrankung an einer Demenz die Folge. Bundesweit sind etwa 1,2 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Jährlich kommen derzeit laut Statistik 220000 neu Erkrankte hinzu. Bubi Scholz, einer der besten Boxer der 60er-Jahre, oder Fußball-Nationaltrainer Helmut Schön – auch sie durchlitten, dass Namen, Orte und Begriffe verloren gingen. Scholz erkannte an seinem Siebzigsten nicht einmal mehr Fernsehschauspieler Gunther Pfitzmann, seinen besten Freund.

Zu jenen, die am Ende nicht mehr die waren, die sie einmal waren, gehört auch die als „Seelchen“ berühmte deutsche Filmschauspielerin Maria Schell, die am 26. April 2005 mit 78 Jahren in Kärnten starb. Keinen Zugang mehr zu dieser Welt fand auch Hollywood-Star Rita Hayworth, die einst als Tänzerin Gilda betörte. Entmündigt wurde sie. Sie starb 69-jährig am 14. Mai 1987. Gepflegt bis zum Tod wurde sie von ihrer Tochter, die heute noch für Alzheimer-Kranke sammelt und darüber aufklärt, dass auch Demente Freude am Leben haben können und sollen. Fotos: dpa

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