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Spezialgeräte bringen jetzt den Beweis

Beute lockt Schweinswale auch in die Ems

Osnabrück. Schweinswale in Weser und Ems. Es klingt wie ein verspäteter Aprilscherz, ist aber Wirklichkeit. Nach vielen Einzelsichtungen haben Spezialgeräte jetzt den Beweis für das Vorkommen der Tiere geliefert. Gründe für die ungewöhnlichen Wanderwege der Schweinswale könnten eine bessere Wasserqualität oder auch eine Überfischung der Nordsee sein.

 
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Es klingt wie ein verspäteter Aprilscherz, ist aber Wirklichkeit. Nach vielen Einzelsichtungen haben Spezialgeräte jetzt den Beweis für das Vorkommen der Tiere in Ems und Weser geliefert. Foto: dpa Scheu und dennoch mutig: Schweinswale wagen sich immer häufiger auch in Ems, Weser und ihre Nebenflüsse. So wie in dieser Aufzuchtstation bekommen Beobachter die Tiere aber fast nie zu sehen. Foto: S. Koschinski, Fjord&Baelt Der Nordatlantische Glattwal gehört zu den am meisten bedrohten Walarten der Welt, daher sind solche Bilder eher die Ausnahme. Foto: dpa An der Küste Mexicos wurde 2009 ein gestrandeter Blau-Wal entdeckt, der 15 Meter lang war. Foto: dpa Orcas werden oft in Shows gesehn, obwohl sie friedlich aussehn sind sie Raubitere und deswegen auch für Menschen nicht ganz ungefährlich. Foto: dpa Buckelwale wie dieses Prachtexemplar können bis zu 18 Meter lang werden und wurden bei einer Tagung der Walfangkomission zu den geschützen Arten gezählt. Foto: dpa Der steigende Walfang sorgt dafür, dass schon viele Walarten als ausgestorben gelten. Obwohl viele Arten als geschützt bezeichnet werden, sterben sie aus aufgrund von Walfängern ohne Lizenz. Foto: dpa In London hat sich ein Wal sogar in die Themse verirrt und musste anschließend von Helfern wieder hinausgeführt werden. Foto: dpa Auch in die Nordsee verirren sich immer wieder Wale, so wie dieser 14 Meter lange Pottwal, der auf einer Sandbank vor Norderney gestrandet ist. Foto: dpa

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Jahrzehntelang waren Schweinswale nicht mehr in der Weser gesichtet worden – „jetzt sind sie wieder da“, freut sich Denise Wenger, Biologin bei der „Gesellschaft zur Rettung der Delfine“. In den vergangenen fünf Jahren habe man gezielt Segler, Fischer und die Wasserschutzpolizei gebeten, Schweinswale zu melden. Immer wieder kam es dabei in den Flüssen zu vereinzelten Beobachtungen, die bei der Organisation „Nationalpark Wattenmeer“ protokolliert sind.

Zwei sogenannte Klick-Detektoren lieferten schließlich auch den technischen Nachweis. Die Spezialgeräte wurden in der Fahrrinne der Weser installiert und haben mehrfach „zweifelsfrei die Verständigungslaute der Schweinswale empfangen“, sagt die Biologin. Diese Geräte seien darauf programmiert, die Signale der Schweinswale aus den Geräuschen unter Wasser herauszufiltern.

Im Hafen von Bremen wurden Schweinswale gesichtet, auch in Bremerhaven, in Norden und nahe Hamm. Und zunehmend würden die Tiere auch in der Ems gemeldet. Eine dieser Sichtungen stammt sogar von der Wasserschutzpolizei. Die Beamten hatten vor einigen Jahren einen Schweinswal bei Papenburg gesichtet, sagt Richard Czeck von der Nationalpark-Verwaltung Wattenmeer. Schweinswale wurden demnach auch in der Hunte, einem Nebenfluss der Weser, gesichtet.

Sie werden auch Braunfisch genannt und sind die häufigsten Wale in der Nord- und Ostsee, der Bestand ist jedoch rückläufig. Die Tiere werden bis zu 1,90 Meter groß und bringen rund 60 Kilo auf die Waage. Sie sehen aus wie Delfine, unterscheiden sich aber in Schnauzenform und Gebiss von ihren Verwandten. Der Schweinswal lebt normalerweise in den Küstengewässern des Nordatlantiks vor Europa, Nordwestafrika und dem Osten Nordamerikas, im Schwarzen Meer sowie in den amerikanischen und asiatischen Küstengewässern des Nordpazifiks. „Das sind im Grunde Einzelgänger“, sagt Richard Czeck. Deshalb würden sie meist auch nur allein gesichtet. Es sei äußerst ungewöhnlich, dass man Schweinswale auch mal in Kleingruppen von vier bis fünf Tieren zu Gesicht bekomme. Das Zählen der Schweinswale sei sehr kompliziert, sagt Richard Czeck. Zuletzt habe man zwei Erfassungen gemacht, indem man Flüsse und das Wattenmeer mit dem Flugzeug überflogen habe. Dabei sei man ausschließlich auf Sichtkontakt angewiesen. Das Wattenmeer erschwere diese Arbeit noch, weil die Trübung des Wassers ausgesprochen stark sei.

Die Fachleute rätseln allerdings über die Gründe der veränderten Wanderwege der Schweinswale. Sehr wahrscheinlich sei, so Denise Wenger, dass sie einfach ihrer bevorzugten Beute folgen. Schweinswale fressen gerne Finte, eine Heringsart – neben Fischen aber auch Tintenfische und Krebstiere. In den vergangenen Jahren habe sich die Wasserqualität der Weser deutlich verbessert, sagt Denise Wegner. Das führe dazu, dass sich im Fluss immer mehr Tierarten ansiedeln. Für Richard Czeck könnte aber auch die Überfischung der Nordsee ein Grund sein, weshalb sich die Braunfische ihr Futter tief in den Flüssen suchen.

Guter Zeitpunkt

Gerade jetzt sei eine gute Zeit für die Schweinswalbeobachtungen in Weser und Ems. Von April bis Juni seien die Tiere gut zu beobachten, weil in dieser Zeit viele Fische zum Laichen in die Flüsse kommen, sagt Imke Zwoch vom Nationalpark Wattenmeer. Dass Schweinswale zu großen Wanderungen neigen, haben die Tiere öfter unter Beweis gestellt. So wurden die eleganten Schwimmer sogar schon in der Pariser Seine gesichtet, erklärt Denise Wenger. Lärm mögen die Schweinswale aber gar nicht. Insbesondere während Bauarbeiten am Fluss machen sie einen Bogen um die Krachmacher. In diesem Jahr seien aber entlang der Weser keine größere Baustelle geplant. „Wir erwarten deshalb ein super Waljahr.“


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