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"Ich habe einen Teil von meinem Ich wieder"
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 02. November 2006 00:00 Uhr


"Ich habe einen Teil von meinem Ich wieder"

Kämpft weiter: Alexander Izett. vergrößern

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Dort, wo Manchester United schon manchen glorreichen Sieg errungen hat, ganz in der Nähe vom Old Trafford Stadion, befindet sich das Berufungsgericht für Kriegsrenten in Manchester. Und dieses War Pensions Appeal Tribunal hat dem britischen Ex-Soldaten Alexander Izett (36), der im Landkreis Osnabrück lebt, den größten Erfolg seines Lebens beschert.
Izett ist nach eigenen Angaben der erste Soldat, der nun auch per Gerichtsbeschluss die Bestätigung hat, dass er am Golfkriegssyndrom leidet - obwohl er nie am Golfkrieg teilgenommen hat. Die Entscheidung von Ende September könnte Rechtsgeschichte machen, weil nun möglicherweise Dutzende andere Golfkriegsveteranen von Regierung und Verteidigungsministerium Wiedergutmachung für Erlittenes fordern könnten.

Die Entscheidung bringt für Izett zwar keine finanziellen Verbesserungen. '"'Aber es gibt mir eine innere Zufriedenheit'"', sagt der 36-Jährige. '"'Ich habe einen Teil von meinem Ich wieder - im Wissen, dass ich die ganze Zeit doch Recht hatte.'"' Es sei der Beweis, '"'dass Verteidigungsministerium und Politiker uns auf dem Gewissen haben'"'.

Hinter Izett liegt ein zehn Jahre langer Kampf für Gerechtigkeit. Unzählige Erkrankungen haben den zweifachen Familienvater zermürbt, die Ehe mit seiner Frau Gina (39) zeitweise an den Rand des Scheiterns gebracht. Depressionen, Magengeschwüre, Osteoporose und Karies: Das Gericht in Manchester bestätigt, dass all diese Leiden durch eine Serie von Impfungen verursacht worden sind, die Izett Anfang 1991 zur Vorbereitung auf seinen Einsatz im Golfkrieg verabreicht wurden.

Binnen 24 Stunden erhielt Izett Injektionen. Mittel gegen Milzbrand, Keuchhusten, Hepatitis, Gelbfieber, Cholera. Die Dosis und die Kombination der Impfstoffe waren aber offensichtlich verhängnisvoll, ließen Izett krank werden. '"'Und von einer Impfung X weiß ich bis heute nicht, was sich dahinter verbirgt'"', sagt Izett, der mit seiner Familie in Bersenbrück lebt. Sein harscher Vorwurf: '"'Man hat mit den Soldaten experimentiert.'"' Ab 1987 war er als Unteroffizier des britischen Pionierkorps in Osnabrück stationiert. 1991 sollte er am Golfkrieg teilnehmen. Dazu kam es aber nicht: Zwei Tage vor seinem Abflug war der Krieg zu Ende.

'"'Die vergangenen Jahre waren eine schwierige Zeit'"', sagt Izetts Ehefrau Gina. '"'Aber wir haben durchgehalten. Man liebt sich ja schließlich'"', sagt Gina. Alex erinnert sich: '"'Je mehr ich über das Golfkriegssyndrom geforscht habe, je schlimmer Erkrankungen wurden, desto mehr habe ich mich verraten gefühlt.'"' Die Situation heute ist für die Eheleute immer noch kritisch. Alex: '"'Manchmal bleibe ich die ganze Nacht auf, schlafe tagsüber, ziehe mich aus meiner Umwelt zurück, versuche zu fliehen.'"'

Zu Ende ist für ihn der Kampf noch nicht. Izett will erreichen, dass das Verteidigungsministerium ihm nicht wie bislang nur 70 Prozent Kriegsrente, sondern mindestens 80 Prozent zugesteht. '"'Nur dann bekäme Gina einen Anteil an Witwenrente'"', sagt Alex. Und es bleibt noch ein Ziel: '"'Ich habe immer noch keine Entschuldigung von der Regierung. Aber die werde ich kriegen. Selbst wenn es noch 20 Jahre dauert.'"'

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