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Musiker aus Bremerhaven seit Monaten in der Hand mexikanischer Drogenkartelle
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Autor: Klaus Ehringfeld 07. Februar 2012 17:38 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Der entführte Dirigent

Musiker aus Bremerhaven seit Monaten in der Hand mexikanischer Drogenkartelle

Mexiko-Stadt/Bremerhaven. Der mexikanische Musiker Rodolfo Cázares war im Juli 2011 gerade auf Heimaturlaub, als ihn das Schicksal ereilte, das jährlich Tausende Mexikaner trifft. Vermutlich Pistoleros eines mexikanischen Drogenkartells verschleppten den 35 Jahre alten Dirigenten des Bremerhavener Stadttheater-Orchesters in der mexikanischen Grenzstadt Matamoros.

 
Im Heimaturlaub verschleppt: Dirigent Rodolfo Cázares wurde in Mexiko entführt. Mitarbeiter haben im Zuschauerraum des Bremerhavener Stadttheaters ein Porträtbild des Musikers aufgestellt. Foto: dapd  Vergrößern

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Gemeinsam mit ihm wurden 17 weitere Menschen entführt, darunter seine französische Frau Ludivine, seine Eltern und die Schwester. Die Entführer, die nach Aussagen der Ehefrau Polizeiuniformen trugen, überfielen die Familie Cázares am frühen Morgen.

Wenige Tage später wurden bis auf Rodolfo Cázares und die anderen Männer alle Familienmitglieder auf einem Supermarkt-Parkplatz wieder freigelassen. Aber von dem hochbegabten Pianisten fehlt seither jede Spur.

Vergangene Woche war Ludivine Barbier de Cázares aus ihrer Heimat Frankreich nach Bremerhaven gereist, um anlässlich einer Aufführung im Stadttheater an das Schicksal ihres Mannes zu erinnern. „Ich mache derzeit viel Druck, wende mich an Politiker und will auch an den Papst schreiben“, erklärte die verzweifelte Frau. Unterstützt wird sie dabei von einem französischen Verein, der sich weltweit um Geiseln kümmert.

Cázares, der aus einer Unternehmerfamilie in Matamoros stammt, gilt als eine der großen Dirigentenhoffnungen. Er kam vor rund drei Jahren nach seinem Studium in Mexiko und Wien als Kapellmeister nach Bremerhaven. Die Hintergründe der Entführung sind völlig unklar, zumal keine Lösegeldforderung gestellt wurde. Zwar ist nicht auszuschließen, dass es tatsächlich Sicherheitskräfte waren, die den Musiker und seine Familie verschleppten, vermutlich haben sich aber Schergen der Drogenkartelle nur als solche verkleidet.

Matamoros liegt im äußersten Nordosten Mexikos im Bundesstaat Tamaulipas und ist Grenzstadt zu Texas. Die Stadt, ungefähr so groß wie Bremen, ist ein Handels- und Transportzentrum. Täglich gehen hier Hunderte Lkw über die Grenze zwischen den USA und Mexiko. Diese Lage macht die Matamoros interessant für die Drogenmafias des Landes. Der Bundesstaat Tamaulipas ist traditionell Hoheitsgebiet des Golf-Kartells. Seit einigen Jahren bekämpft aber die extrem blutrünstige und skrupellose Mafiabande „Zetas“ das Golf-Kartell in Tamaulipas. Die „Zetas“ wurden von ehemaligen Elitesoldaten des mexikanischen Heeres gegründet. Sie sind heute eines der einflussreichsten Kartelle des Landes.

Entführung als Geschäft

Entführungen gehören besonders bei den „Zetas“ zum Geschäftsmodell. Sie verdienen heute nicht mehr nur mit Rauschgift, sondern auch mit Entführung, Menschenhandel und anderen illegalen Geschäften Millionen. Gerade die „Zetas“ entführen wahllos Menschen, oft Migranten aus Zentralamerika auf ihrer Durchreise in die USA, um von ihnen Lösegeld zu erpressen oder sie als Pistoleros zu rekrutieren. Oftmals werden sie auch einfach aus Spaß am Töten ermordet. Erst vor wenigen Tagen nahmen die Sicherheitskräfte einen Auftragskiller der „Zetas“ fest, der in drei Jahren für die Mafia mindestens 75 Menschen umgebracht haben soll, unter ihnen auch Kinder.

Im Fall des entführten Dirigenten keimt Hoffnung bei seiner Familie. Der Gouverneur des US-Bundesstaates Texas habe seine Hilfe zugesagt, auch auf inoffiziellen diplomatischen Wegen aus Deutschland und Frankreich werde versucht, dem 35-Jährigen zu helfen, sagte Ehefrau Ludivine Cázares. Sie bestätigte erstmals Lösegeldzahlungen in nicht genannter Höhe. Zudem sollen die Täter identifiziert und teils inhaftiert worden sein. Mit dapd

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