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Ex-Karmann-Chefs droht Millionenklage
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Insolvenzverwalter will Schadenersatz

Ex-Karmann-Chefs droht Millionenklage

Osnabrück. Dem insolventen Osnabrücker Autobauer Karmann droht ein neuer Millionen-Streit: Insolvenzverwalter Ottmar Hermann plant nach Informationen unserer Zeitung, den letzten Sprecher der Geschäftsführung, Peter Harbig, und seinen Finanzchef, Wilhelm Dietrich Karmann, auf rund 20 Millionen Euro Schadenersatz zu verklagen.

 
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Wilhelm Dietrich Karmann harbig

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Der drohende Rechtsstreit dreht sich um die Gehaltszahlungen an mehr als 4000 Karmann-Mitarbeiter. Nach Auffassung Hermanns hätte die Geschäftsführung in der Phase der drohenden Insolvenz, also Anfang des Jahres 2009, wegen der kritischen Finanzsituation der Traditionsfirma keine Gehälter mehr überweisen dürfen.

Diese aus Hermanns Sicht ungerechtfertigt gezahlten Millionen fordert er nun von den Verantwortlichen der letzten Geschäftsführung zurück. Das ist neben Peter Harbig auch der Gesellschafter und Enkel des Firmengründers Wilhelm Dietrich Karmann, der seinerzeit für die Finanzen im Unternehmen verantwortlich gewesen ist. Karmann hatte Ende Juni 2009 die Firma verlassen, Harbig zwei Wochen später. Aus informierten Kreisen heißt es, dass die Ursache für die Trennung Kompetenzstreitigkeiten mit dem Insolvenzverwalter gewesen seien, der Wochen zuvor im Betrieb das Ruder übernommen hatte.

Um die Millionen-Klage einreichen zu können, braucht Hermann allerdings die Zustimmung des Gläubigerausschusses. Voraussichtlich in der nächsten Woche wird der Frankfurter Jurist dem Gremium das Vorhaben zur Entscheidung vorlegen.

Hermann prüft bereits seit Monaten gemeinsam mit Spezialisten seiner Kanzlei, ob er den Klageweg gegen Harbig und Karmann beschreiten soll. Bis zuletzt zögerte er: Fast zwei Jahre nach der Insolvenz des Autobauers im April 2009 dürften weder der Insolvenzverwalter noch die beiden Beklagten ein Interesse an einem weiteren Streit haben. Hermann hüllt sich in Schweigen. Sein Sprecher Pietro Nuvoloni erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung lediglich, dass man sich „vorerst nicht zu diesem Thema äußern wird“. Hermann fürchtet aber offensichtlich, selbst von den Gläubigern haftbar gemacht zu werden, wenn er nicht alle Möglichkeiten nutzt, um Geld in die Insolvenzkasse zu bekommen. Denn noch immer haben mehr als 7000 Gläubiger Ansprüche aus unbezahlten Rechnungen gegen die Firma Karmann. Diese Forderungen summieren sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Die Gläubiger können aber darauf hoffen, zumindest einen respektablen Teil erstattet zu bekommen. Nach unbestätigten Informationen ist die Kasse mittlerweile ordentlich gefüllt. Das dürfte insbesondere dann der Fall sein, wenn sich Hermann auch die mehr als 150 Millionen Euro zu viel gezahlter Steuern sichern kann, die dem Unternehmen im Herbst vom Osnabrücker Landgericht zugesprochen wurden. Diese Summe hat das Finanzamt zum Teil bereits zurücküberwiesen. Um dieses Geld streiten sich jedoch immer noch die Gesellschafter-Familien mit dem Insolvenzverwalter. Der Löwenanteil der ursprünglich insgesamt 166 Millionen Euro plus Zinsen geht laut erstinstanzlichem Urteil an Hermann. Die Gesellschafter hatten allerdings Berufung eingelegt. Das bedeutet, dass sich demnächst das Oberlandesgericht Oldenburg noch einmal mit dem Fall beschäftigen muss. Ein Streit, der noch Jahre dauern kann.

Aber auch ohne diesen Betrag hat sich laut informierten Kreisen die Karmann-Kasse mittlerweile gefüllt – zum Beispiel durch Verkäufe und durch die Abarbeitung letzter Aufträge.

Das Osnabrücker Werksgelände ist inzwischen im Eigentum von Volkswagen. Der Wolfsburger Konzern produziert dort seit dem vergangenen Jahr das Golf-Cabrio. Die auf rund 2000 Beschäftigte angewachsene Belegschaft des jungen VW-Werkes wird im Laufe dieses Jahres in den Produktionshallen auch mit dem Bau der Porsche-Modelle Boxster und Cayman beginnen. Im nächsten Jahr soll außerdem noch ein weiteres, bisher noch unbekanntes Modell in Osnabrück gefertigt werden.


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