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Nur auf dem Papier läuft’s rund: Offshore-Windpark Nummer 28 genehmigt, aber die Probleme bleiben
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Quelle: df,kj/Neue Osnabrücker Zeitung 29. Dezember 2011 20:59 Uhr

Albers: „Taktische Manöver“

Nur auf dem Papier läuft’s rund: Offshore-Windpark Nummer 28 genehmigt, aber die Probleme bleiben

Osnabrück/Hamburg. Wer vor Deutschlands Küsten einen Offshore-Windpark plant, der kommt an Christian Dahlke nicht vorbei. Als Referatsleiter beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erteilt er die nötigen Baugenehmigungen. Für mehr als 2000 Windräder vor Deutschlands Küsten hat er bislang grünes Licht gegeben. Doch bis die sich wirklich drehen, dauert es noch.

 
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Foto: dpa

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Von Dirk Fisser und Klaus Jongebloed

Zuletzt war es der Windpark „Riffgrund 2“, den Dahlke abgesegnet hat. Insgesamt 97 Windräder sollen nach den Plänen des Betreibers etwa 37 Kilometer nordöstlich von Borkum Strom produzieren. Genau 111 Vorhaben befinden sich bei ihm in der Bearbeitung. „Davon sind 28 Windparks mittlerweile genehmigt, zwei im Bau und mit der Testanlage alpha ventus einer vollständig am Netz“, berichtet Dahlke unserer Zeitung.

Doch auch wenn weiter fleißig geplant und genehmigt wird, bleiben die Zweifel an der Offshore-Technologie. Zuletzt hatte der Energieversorger RWE einen Brandbrief an die Bundesregierung geschickt und vor Verzögerungen beim Anschluss der Windparks ans deutsche Hochspannungsnetz gewarnt.

Der Grund: Netzbetreiber Tennet hatte mitgeteilt, dass man mit dem Anschluss-Ausbau nicht nachkomme. „Es gibt eine exponentielle Zunahme bei den Windparks. Da stoßen wir an Grenzen, personell und technisch“, erklärte Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens auf Nachfrage. Die Zulieferer der notwendigen Technik kämen nicht hinterher. Ihr Unternehmen fordere eine bessere Synchronisation von Offshore-Baumaßnahmen und Netzausbau.

Auch wenn die noch nicht gegeben ist, will RWE im Frühjahr kommenden Jahres mit den Arbeiten an seinem Windpark „Nordsee Ost“ beginnen. Das erklärte Sprecherin Barbara Woydtke. Die Großkomponenten lägen bereits fertig am Kai in Bremerhaven.

Was dem Energieriesen bislang aber noch fehlte, waren die nötigen Bauschiffe. Zwei Stück davon hatte man in Südkorea für zusammen 200 Millionen Euro in Auftrag gegeben. Jetzt sind sie fertig. „Beide Schiffe sind gerade auf dem Weg nach Europa, Ende Januar kommen sie an, müssen aber noch einmal in eine Werft“, so Woydtke. Im Frühjahr soll dann der Startschuss für den RWE-Windpark fallen. Ein weiterer befinde sich gerade beim BSH im Genehmigungsverfahren.

Also auf dem Schreibtisch von Christian Dahlke. Der rechnet nach Gesprächen mit Betreibern damit, dass 2012 bei „fünf bis sechs“ Windparks in Nord- und Ostsee mit dem Bau begonnen werden könnte.

Verbände und Politik verfolgen die Entwicklungen gespannt bis kritisch. So hält beispielsweise Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE), die Warnungen der Netzbetreiber, dass der Offshore-Fahrplan nicht einzuhalten sei und die derzeit geplanten Renditen nicht ausreichten, für ein taktisches Manöver.

Den Netzbetreibern sei bei der Übernahme der Netze vor wenigen Jahren durchaus bekannt gewesen, welche Ausbauverpflichtungen und Ausbauziele die Bundesregierung für Offshore-Anlagen vorgesehen habe, sagt Albers unserer Zeitung.

Möglicherweise solle die Kritik dazu beitragen, die Renditeziele im Netzausbau generell zu verbessern. Nach der jüngsten EEG-Novelle beträgt die Vergütung für Offshore-Strom über einen Zeitraum von acht Jahren derzeit 19 Cent pro Kilowattstunde.

Ein Grund für die Umsetzungsschwierigkeiten der Offshore-Technologie sind Albers zufolge „die völlig unterschätzten Wartungskosten“. Sie sind in der Tat erheblich: Für Windkraftanlagen auf hoher See betragen sie etwa drei bis vier Cent pro Kilowattstunde. Albers: „An Land ist es nur ein Cent.“ Diese Differenz wird nach seinen Worten auch nicht dadurch abgefedert, dass es auf dem Meer kräftiger wehe und die Windkraftanlagen von mehr sogenannten Volllaststunden profitierten.

Katherina Reiche (CDU), parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, hält die Offshore-Technologie hingegen für unverzichtbar, um den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben. Unserer Zeitung sagt Reiche: „Im Energiekonzept der Bundesregierung hat Offshore einen fast so großen Anteil wie die Onshore-Windenergie.“

Reiche räumt zugleich allerdings einige Hürden beim Ausbau der Offshore-Windkraft ein. „Das reicht von den Anschlüssen an die Stromnetze über die Geschwindigkeit der Installation bis hin zur Finanzierung“, sagt sie.

Die Staatssekretärin fordert die Bundesnetzagentur auf, stärker auf die Bedürfnisse der Offshore-Windenergie einzugehen. Reiche: „Die Bundesnetzagentur verstand sich bislang vor allem als Reguliererin und Preisdämpferin. Künftig wäre es notwendig, zur Beschleunigung des Netzausbaus wieder stärker mit Anreizen beizutragen. Denn wer investiert, muss auch davon profitieren.“

Die CDU-Politikerin bringt eine Öko-Dividende ins Spiel, die einen Netzausbau für die erneuerbaren Energien vorantreiben könne. Eines sei aber auch klar: „Letztlich werden die Stromkunden an den Mehrkosten über die Stromrechnung beteiligt.“ Auch die Energiewirtschaft nimmt Reiche in die Pflicht. Sie müsse, etwa bei Netzen und Anschlüssen, ihre Hausaufgaben machen. „Ein Schwarzer-Peter-Spiel wie derzeit zwischen Unternehmen und Behörden führt dagegen zu nichts“, sagt die Staatssekretärin.

Übrigens: Nicht nur mit dem Offshore-Strom soll Geld gemacht werden. Neben den großen Energieversorgern haben auch vergleichsweise kleine Planungsfirmen Anträge bei BSH-Referatsleiter Christian Dahlke gestellt. Werden die Bauvorhaben abgesegnet, dann suchen die Büros dafür Käufer. Gestern wurde bekannt, dass wieder ein kompletter Windpark den Besitzer gewechselt hat: in diesem Fall „Godewind 2“ vor der Küste Norderneys. Der Windparkentwickler PNE Wind AG aus Cuxhaven verkaufte die Genehmigung für 84 Anlagen an Investoren aus Dänemark.

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