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Sprossen aus Niedersachsen wohl Ursache für EHEC-Epidemie
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Betroffener Betrieb gesperrt

Sprossen aus Niedersachsen wohl Ursache für EHEC-Epidemie

Hannover. Die Experten sind sich ziemlich sicher. Auch wenn der letzte Beweis fehlt: Sprossengemüse aus Niedersachsen ist wohl dafür verantwortlich, dass EHEC grassiert. Ob alle gefährlichen Sprossen bereits verzehrt sind, ist unbekannt. Die Fahndung läuft.

 
 
Sprossen sind wohl Auslöser der EHEC-Epidemie. Foto: dpa  Vergrößern

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Das Gemüse stammt aus einem inzwischen geschlossenen Betrieb in Bienenbüttel im Kreis Uelzen, wie das niedersächsische Landwirtschaftsministerium am Sonntag mitteilte. Unklar blieb, ob noch EHEC-verseuchte Ware im Handel ist: 18 Sprossenmischungen seien verdächtig. Einige der Sprossensamen stammten aus dem Ausland; Länder wurden nicht genannt.

Nach Informationen unserer Zeitung handelt es bei dem betroffenen Betrieb um den Gärtnerhof Bienenbüttel im Kreis Uelzen. Der Geschäftsführer des Gärtnerhofs, Klaus Verbeck, sagte unserer Zeitung, er könne sich keinen Reim auf die Vorgänge und Vorwürfe machen. Die Salatsprossen wüchsen nur aus Saatgut und Wasser. Sie würden überhaupt nicht gedüngt. Auch in anderen Geschäftsbereichen des Hofes werde kein tierischer Dünger verwendet.  „Nicht einmal Hornmehl“, wie Verbeck unserer Zeitung sagte.

Es gebe zwar noch keinen definitiven Beweis, verlautete demgegenüber aus Hannover. Mit gesicherten Erkenntnissen sei an diesem Montag zu rechnen, sagte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU). „Die Indizienlage ist jedoch so eindeutig, dass das Ministerium empfiehlt, derzeit auf den Verzehr von Sprossen zu verzichten." Sprossen waren vor Jahren in Asien Ursache für eine schwere EHEC-Epidemie.

Die Sprossen seien direkt oder über Zwischenhändler geliefert worden. Die Behörden machten Abnehmer in Klein Meckelsen im Kreis Rotenburg (Niedersachsen), Lübeck, im Kreis Lüneburg und Bochum aus.

Die Zahl der Todesfälle infolge einer EHEC-Infektion stieg am Wochenende nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) auf 21. Bundesweit sind inzwischen 1526 EHEC-Fälle bekannt, bei 627 Patienten wurde das gefährliche hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) diagnostiziert. Zahlreiche Patienten schwebten in Lebensgefahr.

Bundesweit stieg die Zahl der EHEC-Infektionen am Wochenende weiter - allerdings etwas langsamer als zuvor, wie etwa die Behörden der schwer betroffenen Länder Hamburg und Niedersachsen mitteilten.

Einige Sprossenmischungen, die als EHEC-Quelle im Verdacht stehen, kommen auch aus dem Ausland. Aus welchem Land genau Sprossenkeimlinge nach Niedersachsen importiert wurden, sagte Lindemann nicht.

„Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die mit dem EHEC-Erreger kontaminierte Ware bereits vollständig verarbeitet und und verkauft wurde", teilte das Ministerium in Hannover weiter mit.

Nach Angaben Landwirtschaftsminister Gert Lindemann erkrankte eine Mitarbeiterin aus dem betroffenen Betrieb nachweislich an EHEC. „Das ist für uns die plausibelste Erkrankungsursache", sagte er und nahm den Betrieb in Schutz. „Wir können nicht erkennen, dass der Betriebsinhaber ein Verschulden an der Entwicklung trägt."

Kliniken in Norddeutschland arbeiten angesichts der EHEC-Fälle am Rande ihrer Möglichkeiten. Das sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) der „Bild am Sonntag". In der Versorgung gebe es Engpässe. Fehlende Kapazitäten etwa in Hamburg und Bremen könnten bisher von umliegenden Krankenhäuser bereitgestellt werden.

Die Erkenntnisse aus Hannover passen zu den Erkrankungsfällen in Lübeck, wo sich bis zu 17 Patienten in einem Restaurant angesteckt haben könnten. Der Wirt des Restaurants erwartet an diesem Montag noch ausstehende Befunde. Der dpa erklärte Joachim Berger, er habe Stuhlproben seiner Mitarbeiter, die in der Küche arbeiten, testen lassen. Dem ZDF hatte er erklärt, bei Untersuchungen seiner Gaststätte sei nichts gefunden worden. Offizielle Angaben etwa vom zuständigen RKI gab es zunächst nicht.

Nach ZDF-Informationen handelt es sich bei den Erkrankten um eine dänische Reisegruppe, eine Gewerkschaftsgruppe sowie eine Familie. Von den Gewerkschaftern sei eine Frau gestorben, zwei seien schwer erkrankt. Berger schloss im ZDF nicht aus, dass er eine verseuchte Lieferung Lebensmittel erhalten habe.

Angesichts wachsender Kritik an Instituten, Behörden und Politik treffen sich in der kommenden Woche Bundes- und Landesminister. Vertreten sind unter anderen Bahr, Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sowie die EHEC-betroffen Länder.

EU-Gesundheitskommissar John Dalli bot an, Experten nach Deutschland zu schicken. Außerdem soll eine EHEC-Internetplattform rasch auf die Beine gestellt werden, über die Behörden gezielt Informationen austauschen können. Unter anderem sollen zudem Hinweise auf Behandlungsformen vom RKI ins Englische übersetzt und den EU-Staaten bereitgestellt werden.

Der EHEC-Ausbruch hat es kurzfristig auch auf die Agenda des EU-Gesundheitsministertreffens an diesem Montag in Luxemburg geschafft. Entscheidungen über konkrete Hilfen für die betroffenen Landwirte stehen bei den Beratungen aber nicht an, sagte der Sprecher von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos.

Für die Hamburger Gesundheitsbehörden droht ein juristisches Nachspiel der Gurken-Warnung: Der erste spanische Obst- und Gemüsehändler will möglichst bald vor Gericht ziehen, wie Rechtsanwältin Sabine Pellens ankündigte. Sie vertritt die Firma Frunet, einen großen Öko-Produzenten und Händler in der Provinz Málaga.


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  Leserkommentare

 
Jan-Hendrik P., Montag, Juni 6, 2011 um 09:46 Uhr Warum werden Tomaten abgebildet??? Nachwievor finde ich den gewissenlosen Umgang der Medien mit dem Thema schlimm!
Warum ist auf dem Bild zu diesem Artikel eine Tomate abgebildet? Das kannes doch echt nicht sein!!!
Sehen Sprossen für einen Online-Auftritt nicht spektakulär genug aus?

 
Martin S., Montag, Juni 6, 2011 um 02:13 Uhr Ergänzung und Korrektur Ja,
eine Mitarbeiterin des Betriebes ist erkrankt, aber ich ghe davon aus, dass dieses Unternehmen nicht das einzige ist, welches in Europa diese Sprossen oder die entsprechenden Keimlinge erhalten hat.
Wie geht das zusammen damit, dass es keine weiteren Fälle ausserhalb Norddeutschlands gegeben hat?
Es sei denn, dass sich der Erreger dort entwickelt hat.

Hoffen wir das.

 
Martin S., Montag, Juni 6, 2011 um 01:53 Uhr EHEC Vorab:
Ich bin kein Mediziner oder Wissenschaftler im Bereich der betreffenden Gebiete, aber durchaus wissenschaftlich gebildet.

Fakt ist, dass ein neuer Erreger gefunden wurde, der sehr aggressiv ist.

Frage:
Wo kommt der her?

Möglichkeit 1:
Zufällige Mutation im Bereich der Lebensmittelproduktion
OK
Dann also Quelle in einem Bereich, der viele Menschen erreicht. Daher die Vermutung, dass es sich um "Zuchtbetriebe" handeln muss. Also "Spanien" oder was auch immer.
Es stellt sich dan die Frage, warum der Ausbruch nur in Norddeutschland zu beobachten ist. Solch zentrale Produktionsanlagen verbreiten die Produkte mindestens auch lokal über die Mitarbeiter, aber sicher nicht ausschliesslich in Norddeutschland.
Scheint mir nicht sonderlich logisch.
Das Ganze gilt für jedes Unternehemen, was irgendetwas produziert, denn fast jedes Produkt wird irgendwie überregional vertrieben.
Frage: Zufällige Mutation in eine deutsche Betrieb der nur regional (in Norddeutschland) vertreibt.
Kann sein, ist eine Spur, halte ich persönlich für die beruhigenste Möglichkeit, aber sehr unwahrscheinlich.
Sollten das die Sprossen sein, müssten mindestens bei den Mitarbeitern im Betrieb, die sicher selber auch diese Produkte verzehren, gehäuft Krankheitsfälle auftreten. Sind sie aber nicht.
Irgendwie geht das also nicht faktisch zusammen.

Also:
Möglichkeit 2:
Das Auftreten dieser Krankheit ist schon länger irgendwo bekannt.
Schwierig, wenn man bedenkt, wie aggressiv der Verlauf ist.
Da wäre nur eine wahnsinnige Vertuschung der Gefahr möglich. Das halte ich daher auch nicht für wahrscheinlich.

Möglichkeit 3:
Die Mutation ist Zufall ausserhalb der Lebensmittelproduktion.
Es ist Vorstellbar, dass eine zufällige Mutation eine Bakteriums im "günstigen Fall" Kreise zieht. Ich wehre mich persönlich eigentlich gegen den Gedanken, dass so ein Ding dann auch gleich so gefährlich sein kann, aber denkbar ist es.

Möglichkeit 4:
Terror-Anschlag. Da sag ich mal: Wenn ich so ein Ding hätte und ich wollte was reissen, dann hätte ich das an x Stellen der Welt verbreitet. Der Umstand, dass die Fälle alle regional und/oder kausal auf ein Gebiet zurückgeführrt werden können, würden die "Terroristen" äusserst alt aussehen lassen.

Ich würde daher zu 3 tendieren.

Meiner Meinung nach ist das Ganze echt kompliziert und ich möchte hier alllen Stellen, die derzeit versuchen herauszufinden, wie diesem Krankheitsherd beizukommen ist, Erfolg wünschen.

18 Menschen sind schon gestorben, Viele Menschen sind schwer krank. Ich hoffe, dass sie alle wieder gesund werden.

Wichtig ist, dass konzentriert geforscht wird. Da hilft es nur, dass auf der forschenden Seite die Ruhe bewahrt wird.

Medialer Druck scheint mir hier unangebracht, denn ich denke, dass die Experten sich selber schon einen eigenen imensen Druck auferlegen, weil sie sich ihrer Rolle bewusst sind.

Lasst sie in Ruhe machen!
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