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„Fangt an zu bloggen!“ - Sechste Bloggerkonferenz re:publica ein großer Erfolg
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„Fangt an zu bloggen!“ - Sechste Bloggerkonferenz re:publica ein großer Erfolg
„Fangt an zu bloggen!“ - Sechste Bloggerkonferenz re:publica ein großer Erfolg
mgr Osnabrück/Berlin. Die wohl wichtigste Internetkonferenz Deutschlands war in ihrer sechsten Auflage noch größer, noch bunter als im vergangenen Jahr. Von Mittwoch bis Freitag waren 4000 Mitglieder der Netzgemeinde oder solche, die es werden wollten, bei der re:publica in Berlin versammelt.
Was lauschig im Jahr 2007 mit etwa 700 Teilnehmern begann, ist heute groß und wird immer größer. Die re:publica ist nicht nur eine Konferenz, die das Internet thematisiert, sie ist auch ein Spiegel der Gesellschaft, die immer mehr mit diesem Medium verschmilzt. Online ist schon lange kein Nischenprodukt mehr.
Dass wir inzwischen doch alle irgendwie real und digital sind, zeigte auch der Vortrag der Profilberaterin Kixka Nebraska. Wer sind die Menschen, die im Internet aktiv sind? Wer verbirgt sich hinter dem Facebookprofil? Ist im Internet alles nur Fassade? Die Antwort von Kixka ist simpel. „Nein!“ Es ist schon fast etwas langweilig, aber auch überraschend. Kixka belegt mit Studien und ihren eigenen Erfahrungen, dass die meisten Leute offline und online ein und dieselbe Person sind. „Eine starke Abweichung würde dauerhaft Stress bedeuten“, erklärt sie. Und klar, es gebe auch unehrliche Menschen, doch diese seien im wahren Leben eben auch eher unehrlich.
Das Internet bewegt sich, Deutschland bewegt sich, die Netzgemeinde bewegt sich. Start-Ups schießen aus dem Boden, Acta, die Piratenpartei, die Occupy-Bewegung - die Menschen verabreden, diskutieren, planen im Netz und gehen auf die Straße. Analoges wird digital und Digitales wieder analog. Und trotzdem ist nicht alles gut und vor allem nicht genug.
Die amerikanische Blogsphäre ist ausgeprägt, sie hat eine sehr laute – oft politische – Stimme in den USA. In Deutschland sieht die Lage anders aus, Blogs und der klassische Journalismus finden nur in wenigen Fällen zusammen. Sie mögen sich gegenseitig eigentlich nicht, sind sich suspekt, trauen sich nicht, dabei könnten sie voneinander profitieren, denkt der Blogger Sascha Pallenberg. Denn gerade unter den Bloggern finde man Experten, der Blogger sei der Fachmann. Er bemängelt, dass die deutsche Blogosphäre nach und nach amerikanisiert werde, weil Blogs wie die „Huffington Post“ auch deutsche Ableger planten. Er glaubt, die deutsche Bloggerszene hänge Jahre hinterher und müsse sich dringend mit den klassischen Medien anfreunden, um Gehör zu finden.
Was viele deutsche Blogger nicht schaffen, gelang einigen wenigen durch eine Idee oder vielleicht auch ein bisschen Glück sehr schnell. Sie fanden Gehör - und zwar gewaltig. So zum Beispiel Raúl Aguayo-Krauthausen, der unter der Glasknochenkrankheit leidet und im Rollstuhl sitzt. Er setzte die Idee eines Freundes um, der keine Lust mehr darauf hatte, sich immer wieder in dem gleichen Café mit Raúl treffen zu müssen, da es das einzige barrierefreie war, das sie kannten. So entstand der Gedanke an die Wheelmap - eine Karte, auf der Nutzer barrierefreie Orte eintragen und empfehlen können. Es ist möglich, auch als einzelner aufzufallen und dafür braucht es nicht unbedingt eine Behinderung oder einen lustigen Haarschnitt, auch wenn das vielleicht manchmal hilfreich ist.
Sogar die Politik traut sich immer mehr ins Netz und man höre und staune – begeistert sogar an der einen oder anderen Stelle die Netzgemeinde. Am Freitag schaffte es Steffen Seibert noch einmal, den Saal zum Lachen, Beben, Klatschen zu bringen. Für ihn sei es selbstverständlich zu twittern und man sollte schließlich nicht hinter dem Vatikan zurückstehen, der ja schließlich auch bei Twitter vertreten ist. Dieser Witz reichte, und er hatte das Publikum auf seiner Seite. Auf charmante und auch lustige Art und Weise sprach er über seinen Twitteralltag. Da vergaß selbst die Moderatorin, kritische Fragen zu stellen.
Im vergangenen Jahr beschimpfte Blogger Sascha Lobo die Netzgemeinde noch: „Ihr sollt die digitale Gesellschaft prägen - und ihr habt versagt“, sagte er. Am Mittwochabend dürften dann doch einige der sogenannten Netzgemeinde überrascht gewesen sein, denn Lobo setzte statt zur Attacke zum Flauschplausch an. „Ihr habt Euch verändert“, erklärt der Mann mit dem roten Irokesen-Schnitt. Lobo lobt die Unterstützung der Piratenpartei, das Aufbegehren gegen Acta und, und, und.
Aber ein Sascha Lobo kommt eben auch nicht ganz ohne Kritik aus und die ist auch berechtigt. Der digitale Graben zwischen Internetnutzern und Nichtnutzern sei zu tief. „Wir müssen uns überlegen, wie wir ihn zuschütten können“, appelliert er an seine Zuhörer. Es gebe immer noch 30 Millionen Menschen in Deutschland, die nicht erreicht würden, deshalb rief Lobo direkt zum nächsten Projekt auf. „Denkt bitte zukünftig für die 30 Millionen Nichtnutzer und nicht für Eure zwölf Twitter-Follower. Und fangt an zu bloggen!“
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