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Kein leichter Lebensabschnitt
Osnabrück. Was ist eigentlich die schönste Zeit im Leben? Die Jugend? Wenn es nach dem Cover von Johano Strassers neuem Roman geht, muss die Frage eindeutig bejaht werden. Ganz entspannt liegen da zwei junge Männer in der Sonne und lassen sich mit geschlossenen Augen von irgendetwas aus ihren Kopfhörern berieseln.
Im Buchinneren sieht die Antwort anders aus. Denn für Robert ist das Jungsein nicht gerade ein einfacher Lebensabschnitt. Er ist 18, hat vor Kurzem sein Abitur gemacht und ist nun im Zivildienst. Vor allem aber ist Robert ein eher nachdenklicher junger Mann, der in einem ungemütlichen Elternhaus lebt. Dort macht der cholerische Vater, der nach einem Arbeitsunfall frühpensioniert wurde, seiner Familie das Leben schwer. Robert würde eigentlich gern ausziehen. Doch er spürt auch, dass seine Harmonie liebende Mutter ihn nicht gern ziehen lässt. Aber es läuft nicht alles schlecht in Roberts Leben. Er verliebt sich in Fari und lernt die alte Frau Sternheim kennen, die ihn in die Literatur einführt, eine Welt, die Robert in dem Arbeiterhaushalt, aus dem er stammt, bisher verschlossen blieb. Frau Sternheim ist es auch, die ihn fragt, was er in seinem Leben machen will. Das bringt Robert ins Grübeln.
In „Die schönste Zeit des Lebens“, das sehr ruhig und undramatisch daherkommt, macht Johano Strasser das, was er schon in seinem letzten Roman „Bossa Nova“ getan hat: Er beschreibt das Leben von Durchschnittsmenschen. Dabei bleibt auch die Sozialkritik im neuen Buch des derzeitigen Generalsekretärs des deutschen PEN-Clubs nicht aus, wenn Mutter Edith sich für fünf Euro die Stunde als Putzfrau abrackert, um ein bisschen Geld in die Haushaltskasse zu bringen.
Doch es fällt schwer, Strassers Buch so richtig lieb zu gewinnen. So schafft der 1939 geborene Autor Objektivität, wenn er hin und wieder statt aus Roberts aus der Perspektive von Vater oder Mutter schreibt. Aber wozu soll die hier gut sein? Das Buch bekommt so den Geschmack einer nicht sonderlich spannenden Sozialstudie, in der die Figuren den Anschein von Modellcharakteren bekommen. Ein bisschen mehr Subjektivität hätte diesem Roman gutgetan.
Johano Strasser: „Die schönste Zeit des Lebens.“ Roman. Verlag Langen Müller, 256 S, 17,99 Euro.
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