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Chaos und Gewalt nach Freitagsgebet in Ägypten
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Quelle: dpa 03. Februar 2012 17:09 Uhr


Chaos und Gewalt nach Freitagsgebet in Ägypten

Kairo/al-arisch. Chaos und Gewalt in Ägypten: Nach den tödlichen Ausschreitungen bei einem Fußballspiel spitzt sich die Lage in Kairo und anderen Städten dramatisch zu. Bei Protesten gegen den regierenden Militärrat kam es nach dem Freitagsgebet erneut zu heftigen Ausschreitungen.

 
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Ein Demonstrant prügelt sich mit einem Mitglied der Sicherheitskräfte. Foto: Mohamend Omar Demonstranten ergreifen nach einer Tränengasattacke in Kairo die Flucht. Foto: Mohamed Omar Jugendliche Demonstranten fliehen vor den anrückenden Sicherheitskräften in Kairo. Foto: Mohamed Omar In Kairo herrscht Chaos in den Straßen. Foto: Mohamend Omar Demonstranten und Sicherheitskräfte liefern sich vor dem Innenministerium in Kairo Straßenschlachten. Foto: Mohamed Omar Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften wurden in Kairo nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 600 Menschen verletzt. Foto: Ahmed Khaled Fast 10 000 Menschen haben sich vor dem Innenministerium in Kairo versammelt, um gegen die Untätigkeit der Sicherheitskräfte bei den tödlichen Fußball-Krawallen zu protestieren. Foto: Ines Della Valle Krawalle in Kairo nach den blutigen Zusammenstößen im Fußballstadion. Foto: Mohamed Omar In Kairo kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Foto: Mohamed Omar

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In Kairo stürmte ein wütender Mob ein Gebäude der Steuerbehörde. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen flogen Brandbomben. Auch in Alexandria und Suez, wo in der Nacht zwei Menschen getötet worden waren, gab es erneut Proteste. Vier Menschen kamen bei den Krawallen ums Leben.

Blutige Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gab es insbesondere in der Nähe des Innenministeriums in Kairo. Hunderte Menschen versammelten sich dort und forderten den Rücktritt des Militärrats und Gerechtigkeit für die Menschen, die bei den Gewaltexzessen nach dem Fußballspiel in der Stadt Port Said am Mittwoch getötet worden waren.

Nach Angaben von Staatsmedien wurde bei Krawallen am Freitagmorgen ein Demonstrant von einem Gummigeschoss tödlich getroffen. Ein Soldat starb demnach, als ein Militärfahrzeug ihn überrollte. Mehr als 1500 Menschen seien verletzt worden, darunter auch 16 Soldaten, die mit Schrotkugeln attackiert worden seien. Beim Angriff auf das Gebäude der Steuerbehörde zerstörten die Angreifer nach dpa-Informationen Möbel und Akten.

Aktivisten und Menschenrechtler machen die Militärs, die nach der Entmachtung von Präsident Husni Mubarak vor einem Jahr die Kontrolle übernommen hatten, für den Tod von 74 Menschen im Fußballstadion verantwortlich. Sie vermuten, dass die Krawalle auf dem Spielfeld von bezahlten Schlägertrupps provoziert wurden, um Chaos zu stiften. Der Polizei, die bei dem Spiel für Ordnung hätte sorgen sollen, werfen sie Untätigkeit vor.

In der rund 140 Kilometer entfernten Stadt Suez gab es ebenfalls erneut Krawalle. Nach Angaben der Zeitung «Al-Ahram» wurden bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften mindestens 15 Menschen verletzt. An mehreren Orten sei Feuer ausgebrochen. In der Nacht war die Lage dort bereits einmal eskaliert: Zwei Menschen starben, etwa 30 wurden verletzt.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hatten Unbekannte in der Nacht ferner auf der Sinai-Halbinsel eine Polizeiwache mit Panzerfäusten, automatischen Waffen und schultergestützten Flugabwehrraketen angegriffen. Bewohner der Region vermuteten, dass es sich um einen Racheakt handelte. Am vergangenen Mittwoch waren an einer Straßensperre in dem Bezirk Nachel, in dem die Polizeistation liegt, zwei junge Männer erschossen worden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich besorgt über die jüngsten Gewaltausbrüche. «Wir rufen in aller Form Ägypten dazu auf, die Umstände und die Hintergründe dieser Welle von Gewalt aufzuklären und auch die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen», sagte er in München. Der Fahrplan für den Demokratisierungsprozess in Ägypten, der Präsidentschaftswahlen Ende Juni vorsieht, müsse eingehalten werden.

Nach dem Drama von Port Said hatte die Polizei 53 Verdächtige festgenommen. Menschenrechtler sprachen am Freitag von «willkürlichen Festnahmen». Viele der angeblichen Aufrührer seien unschuldige Jugendliche. Die Menschenrechtler forderten die Staatsanwaltschaft zudem auf, in dem gleichen Verfahren gegen den Vorsitzenden des Obersten Militärrates, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, Innenminister Muhammed Ibrahim und Ministerpräsident Kamal al-Gansuri sowie fünf weitere Funktionäre zu ermitteln.
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