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900 Tonnen Antibiotika im Jahr 2010
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Autor: Klaus Jongebloed 11. Januar 2012 06:00 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Aigner macht Druck auf Tierärzte

900 Tonnen Antibiotika im Jahr 2010

Osnabrück. Im Jahr 2010 sind in den Tierställen in Deutschland rund 900 Tonnen Antibiotika eingesetzt worden – nach 784 Tonnen im Jahr 2005.

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Der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) bestätigte Recherchen unserer Zeitung. Laut BfT-Geschäftsführer Martin Schneidereit ist das jedoch „keine mächtige Steigerung“. Denn Hauptgrund sei, „dass die Produktion von Schweine- und Geflügelfleisch enorm zugenommen hat“. Schneidereit widersprach zugleich Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Dieser hatte gesagt, „die Hälfte der Antibiotika, die bei Tieren eingesetzt werden, gehen in die Haustiere – Hund, Katze, Hamster“. Dazu der BfT-Geschäftsführer: „Mehr als 90 Prozent der eingesetzten Antibiotika wird für Nutztiere verwendet.“ Richtig sei, dass die Hälfte des Gesamtumsatzes an Antibiotika, Impfstoffen, Schmerz- und Wurmmitteln auf Haustiere entfalle.

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) legte gestern den Entwurf zur Änderung des Arzneimittelgesetzes vor. Ihr Ziel ist, das Entstehen von Resistenzen gegen Antibiotika in der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu verhindern. Aigner will zudem die Anwendung solcher Arznei auf das „absolut notwendige Maß“ beschränken. Schneidereit betrachtet das kritisch: „Ich glaube nicht, dass man reduzieren kann.“

Antibiotika gelten als wichtigstes Instrument zur Behandlung von Infektionskrankheiten. Das Problem: In Deutschland treten zunehmend Fälle von Antibiotika-Resistenzen auf. Medikamente für erkrankte Menschen oder Tiere können ihre Wirkung verlieren.

Aigner will künftig Tierärzte verpflichten, alle Daten über Antibiotika-Einsatz zusammengefasst zu übermitteln, um eine Überwachung zu erleichtern. Zudem soll Veterinären untersagt werden, von Anwendungsbestimmungen abzuweichen. Überdies kommt auf die Tierärzte ein Labortest zu, falls sie einen Wirkstoff wechseln wollen. Aigner plant ebenfalls, Arzneimittel-Einsätze vor einem Schlachttermin für einen längeren Zeitraum als bisher zu dokumentieren.

Thomas große Beilage, Vorsitzender des Arzneimittel-Ausschusses der Bundestierärztekammer (BTK), warnte davor, eine Berufsgruppe unter Generalverdacht zu stellen, „erst recht nicht, weil wir Tierärzte die Vordenker bei dem Thema sind“. So richte sich die BTK nach Antibiotika-Leitlinien.

Schneidereit sagte, mehr staatliche Kontrollen seien nicht notwendig. „Die Instrumente sind längst vorhanden. Weitere gesetzliche Regelungen sind nicht not-wendig.“ Der BfT-Geschäfts-führer warnte vor „blankem Aktionismus“.

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