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Viele Afrikaner hoffen auf Umbrüche nach arabischem Vorbild
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Quelle: dpa/Neue Osnabrücker Zeitung 10. Januar 2012 16:29 Uhr

Arbeitslose Jugendliche, korrupte Eliten und Langzeit-Despoten: In vielen afrikanischen Staaten gärt das Gemisch, das den arabischen Frühling auslöste

Viele Afrikaner hoffen auf Umbrüche nach arabischem Vorbild

Addis Abeba. Im Norden Afrikas fegten 2011 demokratische Stürme drei Regime – in Tunis, Kairo und Tripolis – hinweg. Nach dem arabischen Frühling hoffen viele Afrikaner nun auf einen Umbruch in ihren Ländern. Tatsächlich müssen sich 2012 einige der Machthaber in rund zwei Dutzend autoritär geführten, meist tief korrupten Staaten südlich der Sahara Sorgen machen.

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Vieles deutet auf ein unruhiges Jahr in Afrika hin. Schließlich soll in etwa 30 Wahlen über neue Parlamente und Präsidenten entschieden werden. In Ländern wie Kenia, Simbabwe, Angola oder Madagaskar drohen dann erfahrungsgemäß heftige, oft blutige Auseinandersetzungen.

Vor allem in Simbabwe, wo eine Wahl die jahrzehntelange Herrschaft des 87-jährigen Robert Mugabe gefährden könnte, brodelt es. Fast täglich kommt es zu Gewaltübergriffen. Mugabes Gegenspieler Morgan Tsvangirai klagt über „ständige Verletzungen der Menschenrechte“. Das gilt für viele Länder auf dem Kontinent.

Kaum jemand in Afrika glaubt daran, dass in den Krisenregionen Sudan, Somalia oder Kongo bald Frieden einkehrt. Zudem agieren weiterhin islamistische Terrororganisationen wie der Al-Kaida-Ableger Aqim in den Maghreb-Staaten oder Boko Haram in Nigeria.

Kriegsgefahr besteht vor allem zwischen dem Kernland Sudan mit der Hauptstadt Khartoum und dem seit Juli unabhängigen Südsudan. Beide beanspruchen die Rechte auf ölreiche Grenzregionen. „Die Situation steht an einem gefährlichen Punkt“, sagte die Afrika-Direktorin der International Crisis Group (ICG), Comfort Ero. Auch der blutige Konflikt in der sudanesischen Region Darfur sei „von einer Befriedung weit entfernt“, so die Afrika-Expertin Natalie Hoffmann vom Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung.

Auch Somalia wird kaum zur Ruhe kommen. Seit mehr als 20 Jahren gibt es hier keine funktionierende Zentralregierung außerhalb der Hauptstadt Mogadischu. Bürgerkrieg und Hungersnot peinigen die Bevölkerung. An der Dominanz der radikalislamischen Al-Schabaab-Miliz in vielen Teilen Somalias hat auch der Einmarsch kenianischer Truppen in den Süden nichts geändert – vielmehr droht eine Eskalation der Auseinandersetzungen.

Eine Zuspitzung der Lage befürchtet die ICG auch in Burundi. Die Regierung in Bujumbura gehe gnadenlos gegen Oppositionelle vor. Ein Ende der Unruhen sei auch in der Demokratischen Republik Kongo kaum absehbar. Der umstrittene Wahlsieg von Präsident Joseph Kabila hat das Land kaum befriedet. Im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas, Nigeria, brodelt es angesichts der enormen sozialen Probleme, der ethnischen und religiösen Spannungen und eines desolaten Staatsapparats.

Manche Politikinstitute wie Risk Control (London) sagen auch unruhige Entwicklungen für Länder voraus, die bisher noch als relativ stabil galten – beispielsweise Burkina Faso oder Kamerun, wo die Präsidenten Blaise Compaoré und Paul Biya seit Jahrzehnten herrschen. Dort wachsen die sozialen Probleme, und die Ungeduld der Jugend nimmt zu. Vor allem in Ländern mit hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten, die aber nur einigen kleinen Gruppen und Cliquen zugute kommen, droht ein politisch explosives Gemisch zu entstehen – dazu zählen Angola, Nigeria oder Äquatorial-Guinea.

Es braucht oft nicht viel, damit sich der Unmut in den Slums der rasch wachsenden Städte Afrikas entlädt: Afrikas Gesellschaften verfügen über die gleichen Ingredienzien wie die unruhigen arabischen Nachbarn. Bevölkerungsexplosion und ökonomische Rückständigkeit haben Heerscharen junger, arbeitsloser Männer hervorgebracht. Eine Flut von Fernsehbildern präsentiert täglich Wohlstands-Wirklichkeiten, von denen die Menschen nur träumen können.

Die Kommunikationsmöglichkeiten sind rasant gewachsen, die Afrikaner verfügen über 600 Millionen Handys. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter sind weit verbreitet. Vor allem aber leben Millionen in bitterer Armut, während an der Spitze der Staaten korrupte Eliten mit zum Teil greisen Führern herrschen.

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