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Media Tenor: Fernsehinterview hat nicht geholfen
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Bundespräsident bis November 2011 kaum wahrgenommen

Media Tenor: Fernsehinterview hat nicht geholfen

Osnabrück. Das Interview in ARD und ZDF hat Bundespräsident Christian Wulff nach einer Analyse des Forschungsinstituts Media Tenor nicht geholfen. Die Kritik hat demnach in ihrer Intensität kaum nachgelassen: „Mit den Werten, die er seit Dezember in den Medien erhält, liegt Wulff in einer Kategorie wie der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) oder der ehemalige FDP-Chef Guido Westerwelle kurz vor deren Rücktritten“, schreibt der Gründer und geschäftsführende Chefredakteur von Media Tenor, Roland Schatz.

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Zwar sei Wulff mit seiner Rede zum 3. Oktober 2010 mit erheblicher Aufmerksamkeit in seine Amtszeit als Bundespräsident gestartet, dann aber in den Hintergrund getreten: Von Juli 2010 bis zum Januar 2012 stammte laut Forschungsinstitut nur jede fünfte Aussage über Wulff von ihm selbst. Dies sei zu wenig, um das Medienbild zu prägen.

Media-Tenor-Chef Schatz meint, wenn Wulff mindestens einmal pro Quartal dafür gesorgt hätte, dass seine Projekte öffentlich bekannt geworden wären, dann wären Fragen zu seiner Haus-Finanzierung oder den Urlaubsreisen anders wahrgenommen worden: Als „relevante Details, die aber nicht das große Ganze wie z.B. die Wiederbelebung der Demokratie oder die Verbesserung der Integration von Ausländern [...] überschatten können“.

Von Januar bis November 2011 wurde der Bundespräsident nach der Langzeitanalyse von Media Tenor kaum wahrgenommen. Das Forschungsinstitut registrierte in diesem Zeitraum jeweils monatlich weniger als 350 Aussagen über den Bundespräsidenten in der „Bild“-Zeitung, in TV-Nachrichten und -Magazinen, in „Focus“, „Spiegel“, „ Bild am Sonntag“, „Capital“, „Manager Magazin“ und „Deutschlandfunk“. Im Dezember 2011 schnellte die Zahl aller Aussagen in diesen Medien über Wulff auf 3593 hoch. Bereits in den ersten Tagen des neuen Jahres sei der Bundespräsident sichtbarer gewesen als in 15 von 19 Monaten, heißt es bei Media Tenor: Demnach gab es vom 1. bis 6. Januar in den genannten Medien zusammen 2281 Aussagen über Wulff. Der Anteil der negativen Bewertung habe stark zugenommen (siehe Grafik).

Seit Anfang Dezember bekomme Wulff in keinem Themenfeld nennenswerte Unterstützung in den Medien. „Seine Themenhoheit liegt in Trümmern“, stellt Media Tenor fest. Rund 60 Prozent aller Aussagen befassten sich mit dem Auftritt des Bundespräsidenten, gefolgt von Aussagen zu persönlichen Handlungen und zur Regierungsarbeit. Inhaltliche Äußerungen zu allen anderen Themen lägen unter fünf Prozent.

„Auch sachpolitisch erfährt Wulff Gegenwind“, schreibt Media Tenor: „Das Thema, mit dem er anfangs Aufmerksamkeit gewinnen konnte, die Rolle des Islam, ist schnell in den Hintergrund getreten“, heißt es in der Analyse.

Zwar gerieten auch die beiden vorherigen Bundespräsidenten in Kritik – Johannes Rau wegen seiner Begünstigungen durch die WestLB und Horst Köhler wegen einer missverständlichen Äußerung zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Doch bereits jetzt hat Wulfft mehr Gegenwind geerntet als seine Amtsvorgänger.


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