Noz
Kontakt

·

Digitalabo

·

Shop

·

Tippspiel

Startseite

|

Deutschland & Welt

|

Politik

|

Jetzt auch Ermittlungen wegen Nagelbomben-Anschlags
Politik

Schrift
 Drucken  Versenden Empfehlen auf:      

Quelle: dpa 14. November 2011 22:03 Uhr

Zuletzt hat kommentiert:
14132
Stephan M. Montag, 14. November 2011 18:50 Uhr

Neonazi-Terror in Deutschland

Jetzt auch Ermittlungen wegen Nagelbomben-Anschlags

Karlsruhe/berlin. Die Kanzlerin spricht von einer Schande für Deutschland: Jahrelang sollen Neonazis aus Thüringen geraubt, gemordet, gebombt haben. Und all die Jahre kam ihnen niemand auf die Spur. Die Taten werfen viele Fragen auf - vor allem an den Verfassungsschutz.

 
 
Uwe B. und Uwe M. (Fahndungsfoto der Polizei aus dem Jahre 1998). Foto: Ostthüringer Zeitung  Vergrößern

– Anzeige – Ihre Anzeige hier



Meistgelesene Artikel








Die Terrorgruppe «Nationalsozialistischer Untergrund» hat womöglich noch mehr Verbrechen begangen als bislang bekannt. Die Bundesanwaltschaft nahm am Montag Ermittlungen wegen eines Anschlags mit einer Nagelbombe 2004 in Köln auf. Bei dem Attentat in einer von vielen Migranten bewohnten Straße waren 22 Menschen teils schwer verletzt worden. Laut Düsseldorfer Innenministerium könnte auch ein Anschlag auf eine 19-jährige Deutsch-Iranerin im Jahr 2001 auf das Konto der Gruppe gehen. Kanzlerin Angela Merkel will nun die Erfolgsaussichten für ein neues NPD-Verbotsverfahren prüfen lassen.

«Das ist eine Schande, das ist beschämend für Deutschland», verurteilte Merkel die Verbrechen am Montag. Wie aus einem beim CDU-Bundesparteitag in Leipzig vorgelegten Initiativantrag der Parteispitze hervorging, will die CDU die Regierungen von Bund und Ländern auffordern zu prüfen, ob nach dem Vereinsrecht weitere Strukturen der rechtsextremistischen Szene verboten werden können.

Der Verfassungsschutz gerät wegen der jahrelang nicht erkannten Terrorserie mit mindestens zehn Toten immer stärker in die Kritik. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) forderte dringend Aufklärung, warum in all den Jahren zwischen der Mordserie und der rechtsextremen Szene in Thüringen kein Zusammenhang erkannt wurde. Das Bundesamt und das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz wiesen Spekulationen zurück, sie hätten Kontakte zu dem Neonazi-Trio unterhalten.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) kündigte an, als Konsequenz auch einen Umbau des Verfassungsschutzes prüfen. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) forderte ein bundesweites Terrorabwehrzentrum gegen Rechtsextremismus. «Alle Sicherheitsbehörden müssen alle Fakten auf den Tisch legen», sagte er in Hannover. Wie beim Kampf gegen islamischen Terrorismus müssten die Informationen des Verfassungsschutzes und aller anderer Behörden verknüpft werden.

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner warnte vor überstürzten Beschlüssen. «Alte Versatzstücke und der reflexhafte Ruf nach einem NPD-Verbot oder der Ruf nach einem neuen "Abwehrzentrum" sind zu kurz gegriffen.»

Das Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz erklärte, man habe keine Kenntnis über den Verbleib der drei Personen nach 1998 gehabt. In den 90er Jahren war das Trio wegen Verbindungen zum rechtsextremen «Thüringen Heimatschutz» aufgefallen. Politiker aller Parteien fragen nun, warum die Rechtsextremen, die unter Beobachtung standen und 1998 in Jena sogar als Bombenbauer aufgefallen waren, danach aus dem Blickfeld verschwinden konnten.

Auch der hessische Verfassungsschutz gerät nach einem Zeitungsbericht über einen Fall der rechtsextremen Mordserie womöglich ins Zwielicht: Während eines Mordes in Kassel soll sich nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Dienstag) ein Verfassungsschützer am Tatort, einem Internetcafé, aufgehalten haben. Die Ermittlungen dazu seien aber eingestellt worden.

Der Bundesgerichtshof erließ am späten Sonntagabend Haftbefehl gegen die Verdächtige Beate Zschäpe, die sich nach dem Tod ihrer beiden mutmaßlichen Komplizen vergangene Woche der Polizei gestellt hatte. Es bestehe der dringende Verdacht der Gründung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, erklärten die Karlsruher Ermittler.

Wegen deren Unterstützung erging am Montagabend auch Haftbefehl gegen den am Sonntag bei Hannover festgenommenen Holger G.. Er soll dem Trio 2007 seinen Führerschein und vor etwa vier Monaten seinen Reisepass zur Verfügung gestellt und mehrfach Wohnmobile für die Gruppe angemietet haben. Dem niedersächsischen Verfassungsschutz war er bislang nur als Mitläufer der rechten Szene bekanntgewesen, wie Behördenchef Hans Wargel sagte.

Die heute 36-jährige Zschäpe soll 1998 mit ihren Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos die Gruppierung «Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)» gegründet haben. Später soll sie möglicherweise unmittelbar an der Mordserie beteiligt gewesen sein, der zwischen 2000 und 2007 acht türkische und ein griechischer Kleinunternehmer sowie eine Polizistin zum Opfer fielen.

Inzwischen tauchte eine weitere Propaganda-DVD der Terrorzelle auf. Nach Angaben der Linkspartei in Sachsen erhielt eine frühere Kreisgeschäftsstelle der Partei einen solchen Datenträger. Nach Medienberichten hatte sich die NSU in Bekennervideos auch mit den Anschlägen in Köln gebrüstet. Bei dem Attentat von 2001 war eine 19-jährige Deutsch-Iranerin durch eine Sprengfalle im Lebensmittelgeschäft ihrer Eltern schwer verletzt worden.

Die Opposition warf der Bundesregierung Versäumnisse im Kampf gegen den Rechtsextremismus vor. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast vertrat die Ansicht, dass der Rechtsextremismus verharmlost worden sei: «Ich habe die Sorge, dass Deutschland auf dem rechten Auge blind ist.» Die Linke im Bundestag forderte einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss, um die Hintergründe zu durchleuchten.
Mehr zum Thema
Lesen Sie auch ...
 

Rechts-Terror: Neonazi-Trio hatte Komplizen
Nach der deutschlandweiten Mordserie an acht Türken und einem Griechen sprechen Bundesanwaltschaft und Bundesregierung erstmals ausdrücklich von... mehr

Gehen weitere Anschläge auf das Konto des Nazi-Trios?
Rechtsextremisten sollen serienweise Ausländer ermordet und weitere Anschläge geplant haben: Nach der spektakulären Wende im Fall der sogenannten... mehr

 

Bundesanwalt sieht Rechtsextreme hinter zehn Morden
Eine erschossene Polizistin in Heilbronn, neun tote Geschäftsleute in der sogenannten Döner-Mordserie, jede Menge Banküberfälle - und wohl eine... mehr

 

Rechts-Terror: Neonazi-Trio hatte Komplizen
Nach der deutschlandweiten Mordserie an acht Türken und einem Griechen sprechen Bundesanwaltschaft und Bundesregierung erstmals ausdrücklich von... mehr

Gehen weitere Anschläge auf das Konto des Nazi-Trios?
Rechtsextremisten sollen serienweise Ausländer ermordet und weitere Anschläge geplant haben: Nach der spektakulären Wende im Fall der sogenannten... mehr

 

Bundesanwalt sieht Rechtsextreme hinter zehn Morden
Eine erschossene Polizistin in Heilbronn, neun tote Geschäftsleute in der sogenannten Döner-Mordserie, jede Menge Banküberfälle - und wohl eine... mehr


 Mehr Politik

 
  Leserkommentare

 
Stephan M., Montag, November 14, 2011 um 18:50 Uhr Parteiverbot löst die Probleme nicht Durch ein Parteiverbot der NPD ändert man aber nicht die Gesinnung der Nazis, die werden dann noch mehr im Untergrund tätig, durch eine Partei sind die Nazis viel besser kontrollierbar und auch erreichbar.

 
A. L., Montag, November 14, 2011 um 07:22 Uhr Lange, zu lange war Freiheit für die üblen Nazi-Diebe ! DIE LINKE, Gesine Lötzsch:

Die neue Qualität des Nazi-Terrors erfordert schnelle und radikale Reaktionen:
Die zwielichtige Rolle des Verfassungsschutzes muss umgehend aufgeklärt werden.
Das NPD-Verbot steht auf der Tagesordnung. Sollte es sich erweisen, dass vom Staat bezahlte V-Leute in die Taten auch nur mittelbar verwickelt waren,
dann muss dies massive Konsequenzen haben.

Der Einsatz der V-Leute wurde immer als Begründung genannt, das NPD-Verbot scheitern zu lassen.
Nicht das Geheimgremium des Bundestages ist der Ort der Aufklärung,
sondern die demokratische Öffentlichkeit. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet die NPD eng mit dem Kameradschaftsspektrum zusammen, aus dem jetzt der Terror hervorging. Alle Verflechtungen zwischen NPD und rechter Terrorszene müssen
aufgedeckt werden. Auch und gerade der neue NPD-Chef Holger Apfel steht
für die Verbindung zu dieser Szene.

Während Antifaschisten, die Naziaufmärsche blockieren, juristisch verfolgt,

Programme gegen Rechtsextremismus von der Bundesregierung gekürzt und unter Extremismusverdacht gestellt werden,
hat sich ein Rechtsterrorismus entwickelt, wie ihn niemand für möglich gehalten
hätte.
Jetzt gilt es endlich, dieser Gefahr mit aller Konsequenz zu begegnen.

A.L.- Nichts anderes ist die Wahrheit!
Schreiben Sie einen Kommentar




Empfehlen auf:  Facebook  Twitter

Kundenlogo
Belm - Betreuung der Kunden von der Anfrage bis zum Fertigungsbeginn; Koordination aller Bereiche bei der Erstellung...
Kundenlogo
Sassenberg - Koordination der einzelnen Einkaufsabteilungen in der Unternehmensgruppe; Aufbau und Führung eines...
Kundenlogo
Bad Laer - Montage & Verpackung von Kunststoffartikeln; Vorbereitung der Montagezellen mit Kunststoffteilen,...






 Zeitungstitel wählen  Schließen

Wählen Sie Ihren Zeitungstitel: