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Benedikt XVI. ruft als erster Papst im Weltall an
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Quelle: dpa 22. Mai 2011 21:38 Uhr


Benedikt XVI. ruft als erster Papst im Weltall an

Rom/washington. Gespräch zwischen Himmel und Erde: 20 Minuten lang hat Benedikt XVI. als erster Papst mit Astronauten im Weltraum telefoniert.

 
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NASA-Astronaut Andrew Feustel bei einem Außeneinsatz im All. Papst Benedikt begrüßt in einer Live-Schltung die Crew des US-Shuttle «Endeavour». Papst Benedikt bei seiner 20-minütigen Plauderei mit der Crew der Raumfähre "Endeavour" im All. Die Crew an Bord der "Endeavour: «Willkommen an Bord, Eure Heiligkeit». Gespräch zwischen Himmel und Erde: Dabei ging es um die Probleme des «blauen» Planeten Erde, aber auch um Spielereien mit der Schwerelosigkeit. An der Seite des Papstes hielt sich während des Gesprächs unter anderen auch der deutsche Ex-Astronaut Thomas Reiter auf.

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«Ich bin sehr glücklich über diese außerordentliche Gelegenheit, mit Euch zu sprechen», begrüßte der deutsche Pontifex am Samstag bei der Live-Schaltung aus dem Vatikan die Raumfahrer. «Willkommen an Bord, Eure Heiligkeit», grüßten die sechsköpfige Crew der ISS und die sechs Astronauten der angedockten US-Raumfähre «Endeavour» zurück.

In dem herzlich-freundschaftlichen Gespräch ging es um die Probleme des «blauen» Planeten Erde, aber auch um Spielereien mit der Schwerelosigkeit. Der Papst konnte die Gruppe auf einem Bildschirm vor sich zusammengedrängt sehen.

Nach dem Vergnügen rief für die Astronauten dann wieder die - auch nicht gerade alltägliche - Arbeit. Am Sonntag stiegen die beiden «Endeavour»-Crewmitglieder Drew Feustel und Mike Fincke zu Reparatur- und Wartungsarbeiten an der ISS ins All aus. Bei ihrem mit rund siebeneinhalb Stunden ungewöhnlich langen «Weltraumspaziergang» füllten sie ein Kühlsystem auf und installierten eine Kamera.

Probleme gab es, als sie das Drehgelenk an einem Sonnensegel schmieren wollten. Beim Öffnen von Abdeckungen flogen plötzlich lose Schrauben in der Schwerelosigkeit umher. Mindestens eine «ist in den Himmel verschwunden», wie Fincke der Bodenkontrolle meldete. Die meisten konnte er geistesgegenwärtig auffangen.

Vor dem Gespräch mit dem Papst hatten Astronauten mit Hilfe des «Endeavour»-Kranarmes dreidimensionale Aufnahmen von einer beim Start beschädigten Stelle am Shuttle-Hitzeschild gemacht - einem 8,1 mal 6,4 Zentimeter großen Riss. Die Aufnahmen wurden zur Analyse ins Nasa-Kontrollzentrum in Houston (Texas) geschickt und dort für unbedenklich erklärt. Einem sicheren Wiedereintritt des Shuttle in die Erdatmosphäre am 1. Juni stehe nichts im Wege, hieß es.

Der Papst ließ sich zum Auftakt eine kleine Ansprache nicht nehmen, die er jedoch mit einem Augenzwinkern beendete: «Dies ist ein Gespräch, deswegen kann ich hier nicht als einziger reden.» Im Übrigen sei er «sehr neugierig» darauf, die Erfahrungen und Gedanken der Weltraum-Mannschaft zu hören.

«Euch, die ihr unseren Planeten von weitem überfliegt, muss es klar sein, dass wir alle zusammenleben und wie absurd jeder Krieg ist», sagte Benedikt im Laufe des zum größten Teil auf Englisch geführten Gesprächs. Daraus ergebe sich die Frage, wie die Raumfahrt zum Frieden auf Erden beitragen könne.

«Die Menschen kämpfen für viele Dinge, doch meistens um Ressourcen», antwortete «Endeavour»-Kommandant Mark Kelly. «Uns geben die Technik und das Wissen, das wir in der Raumstation aufwenden, um etwa Solarenergie-Kapazität zu entwickeln, fast unbegrenzt Energie.» Wenn diese Technologien auch auf der Erde mehr angewendet würden, «könnten wir die Gewalt wahrscheinlich verringern».

Die erste seiner fünf Fragen hatte das 84-jährige Kirchenoberhaupt persönlich an den Kommandanten des Space-Shuttle gerichtet und sich nach dem Befinden seiner Frau Gabrielle Giffords erkundigt. Die Kongressabgeordnete war im Januar in Arizona bei einem Attentat schwer verletzt worden. Kelly bedankte sich ausführlich für die Frage und sagte, es gehe ihr besser.

Auch auf mögliche Erkenntnisse der Raumfahrt für die Umweltprobleme und die Zukunft der Erde sprach der Pontifex die Zwölf im Weltraum an. Doch neben solchem ernsten Gesprächsstoff durften heitere Momente nicht fehlen. Zum Amüsement des Papstes ließ der mit der «Endeavour» angereiste italienische Oberst Roberto Vittori eine Silbermedaille, die er als Geschenk des Papstes mitgebracht hatte, durch die Raumstation gleiten, «um die Schwerelosigkeit vorzuführen».

An der Seite des Papstes hielt sich während des Gesprächs auch der deutsche Ex-Astronaut Thomas Reiter auf. Er war 2006 als erster Europäer zu einer ISS-Langzeitmission aufgebrochen.

«Ich danke Euch wärmstens für diese wundervolle Gelegenheit», verabschiedete sich Benedikt. «Ihr habt mir und vielen anderen Menschen geholfen, zusammen über wichtige Dinge nachzudenken, die die Zukunft der Menschheit betreffen.»
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