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Tippspiel
Mission Selbstverteidigung
Osnabrück. Hoch gelegt hat er sie, die Messlatte. Karl-Theodor zu Guttenberg, Jungpolitiker mit Welterfahrung, charmanter Diplomat, steinreicher fränkischer Adelsspross, schillernder Senkrechtstarter. Ein Minister mit Star-Image. Jemand, dem offenbar alles, was er nicht ohnehin schon von Geburt an besitzt, einfach zufällt. So einer wird verehrt – das ist angesichts von „Deutschland-sucht-den-Superstar“-Rummel und Casting-Boom fast schon ein Naturgesetz. Die Welt sehnt sich nach Stars, nach den wahren Guten und Schönen. Kaum jemand konnte diese Sehnsucht besser bedienen als zu Guttenberg, der bei allem, was er tat, über den Dingen zu schweben schien.
In umso härterem Licht erscheinen die Missgriffe des 39-Jährigen. Sie werden ihm gnadenlos vorgehalten, von politischen Kontrahenten genüsslich vorgetragen, von den Medien säuberlich aufbereitet. Ein Aufprall auf dem Boden der irdischen Tatsachen folgt dem anderen: vorschneller Rauswurf von Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert nach der Kundusaffäre, medienwirksamer Kurztrip nach Afghanistan mit Ehefrau Stephanie und Moderator Johannes B. Kerner im Schlepptau, schlechte Informationspolitik in der Angelegenheit Gorch Fock, ungerechtfertigte Entlassung des Schulschiff-Kapitäns. Die Reihe der Fettnäpfchen, in die der sonst so leichtfüßige CSU-Mann getappt ist, ist lang.
Dass der Jurist zu Guttenberg bei seiner Doktorarbeit – Note: „summa cum laude“ – geschummelt haben soll, ist nun also die letzte Fußangel. Vorerst. Guttenberg, so heißt es, habe die Arbeit mit dem Titel „Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ in Teilen abgekupfert. Das will ein Bremer Jura-Professor zufällig herausgefunden haben, als er neulich Guttenbergs Werk für eine Rezension querlas. Die Dissertation sei in mehreren Passagen ein „dreistes Plagiat“, kommentierte der Professor in der „Süddeutschen Zeitung“ und erwog dabei die Möglichkeit, Guttenberg den Doktortitel aberkennen zu lassen.
Der Minister habe Teile aus Vorträgen von Politikwissenschaftlern komplett abgeschrieben, ohne die Quellen anzugeben. Anderes habe er eins zu eins aus der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) übernommen. Die „NZZ“ äußerte sich aus der Schweiz beschwichtigend. Allerdings, so die Autorin der angeblichen Guttenberg’schen Vorlage lakonisch, hätte es dem Doktoranden auch keine Mühe gemacht, das Zitat in Anführungszeichen zu setzen. Das nennt man wohl neutral.
Neutral ist hierzulande, was Guttenberg angeht, überhaupt nichts. Die Opposition in Berlin ergeht sich in Schmährufen gegen den Unionspolitiker. Wenn man schon abschreibe, solle man sich wenigstens nicht erwischen lassen, spöttelte Grünen-Chefin Claudia Roth. Die CSU wiederum ist empört, spricht von „Angriffen von links außen“.
Tatsächlich ist der Bremer Jura-Professor Andreas Fischer-Lescano Gründungsmitglied des Instituts „Solidarische Moderne“, zu dessen Spitze Politiker von Linker und SPD gehören. Er habe erforschen wollen, wie ein konservativer Politiker wie Guttenberg zu verfassungsrechtlichen Fragen stehe, begründet Fischer-Lescano sein Interesse für Guttenbergs Werk. Das soll übrigens, schreibt dieser in seinem Vorwort, einer „ungewöhnlichen Verkettung von Glücksfällen“ entsprungen sein. Was immer dies bedeuten mag.
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