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Entschädigung für Ex-Heimkinder: Am Runden Tisch droht Krach
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Entschädigung für Ex-Heimkinder: Am Runden Tisch droht Krach
Entschädigung für Ex-Heimkinder: Am Runden Tisch droht Krach
Osnabrück/Berlin. Am Runden Tisch Heimerziehung (RTH) in Berlin droht heftiger Streit mit den Betroffenen: Opfer von Gewalt in deutschen Kinderheimen können nach Informationen unserer Zeitung wohl nicht mit pauschalen Entschädigungen rechnen. Stattdessen sollen finanzielle Maßnahmen „immer individuell“ gewährt werden, „anknüpfend an heute noch vorhandene Folgeschäden“.
Die Informationen decken sich mit einem Bericht des Magazins „Spiegel“. Eine pauschale Entschädigung oder eine Opferrente lehnen Staat und Kirchen demnach kurz vor der Abschlusssitzung des Runden Tisches in dieser Woche als „nicht realisierbar“ ab. Zahlungen seien nur im Einzelfall vorgesehen. Opfer müssten nachweisen, dass sie sich „in schwierigen Lebenssituationen befinden“.
„Das wäre ein Affront gegen die Opfer. Wenn das so bleibt, gibt es Krach“, sagte Jürgen Beverförden, Sprecher ehemaliger Heimkinder in Niedersachsen am Sonntag. Er warnte vor Bürokratie und einer Re-Traumatisierung, wenn Opfer im Einzelfall ihr Schicksal belegen müssten.
Vertreter der Heimkinder hatten eine Opferrente von 300 Euro im Monat oder eine Einmalzahlung von 54000 Euro gefordert. Dies lehnen dem Vernehmen nach vor allem die unionsregierten Bundesländer ab. Einigkeit besteht aber offenbar über die Gründung eines Renten- und eines Traumatisiertenfonds.
Der Runde Tisch war auf Beschluss des Bundestages eingesetzt worden, um das Schicksal von mehr als einer halben Million ehemaliger Heimkinder im Nachkriegsdeutschland aufzuarbeiten. Beteiligt sind Vertreter ehemaliger Heimkinder, Sozialverbände, katholische und evangelische Kirche, Bundesländer und Kommunen sowie das Bundesfamilienministerium.
Noch bis Mitte der 70er Jahre waren in Westdeutschland Kinder und Heranwachsende in Heime eingewiesen worden. Häufig waren sie Polizei oder Behörden wegen Bagatellstraftaten aufgefallen, galten als „schwer erziehbar“ oder waren unehelich geboren und stammten aus instabilen Verhältnissen. Darunter waren auch minderjährige Mütter. Zwischen ihrem 14. und 21. Lebensjahr mussten Jugendliche oft schwerste Arbeit verrichten, etwa in Werkstätten, beim Torfstechen oder in Wäschereien.
Die rund 3000 Heime befanden sich vorwiegend in kirchlicher Trägerschaft. Der Runde Tisch nahm seine Arbeit auf, bevor in diesem Jahr der massenhafte sexuelle Missbrauch von Kindern in Einrichtungen der katholischen Kirche bekannt wurde. In Irland wurden ehemalige Heimkinder laut „Spiegel“ mit durchschnittlich 76500 Euro entschädigt.
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07.04.2012
