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Spannung steigt: Beschluss zu Heimkindern erwartet
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Autor: Uwe Westdörp 17. September 2010 19:07 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Stiftungsmodell im Gespräch – „Bogen nicht überspannen“

Spannung steigt: Beschluss zu Heimkindern erwartet

Osnabrück/Hannover. Die Spannung und die Nervosität steigen: Wenn der Runde Tisch Heimerziehung (RTH) sich am Montag zum neunten und damit vorletzten Mal in Berlin trifft, geht es nach langwieriger Analyse und Bestandsaufnahme um die letztlich wichtigste Frage: Nach welchem Modell sollen ehemalige Fürsorgezöglinge der 1950er- und 1960er-Jahre entschädigt werden? Wie viel Geld dürfen sie erwarten? Eine monatliche Opferrente von 300 Euro – so lautete unlängst eine Forderung aus dem Kreis der Betroffenen, die unter anderem über Demütigungen, Gewalt, Zwangsarbeit und zum Teil zudem über sexuellen Missbrauch berichtet haben.

 
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Harter Arbeitseinsatz: Diese einst in Freistatt untergebrachten Fürsorgezöglinge mussten im Moor Torf stechen. Foto: Archiv Selber Mutter: Sozialministerin Aygül Özkan. Foto: dpa

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Auch Stiftungen sind im Gespräch. Doch entschieden ist bislang noch nichts.

Immerhin sollen aber die Vertreter der beiden großen Kirchen und des Bundes am Runden Tisch grundsätzlich Bereitschaft zu Entschädigungen signalisiert haben. Allein bei den Ländern, so ist aus gut informierten Kreisen zu hören, „hakt es noch“.

In Hannover will man das so nicht stehen lassen. „Niedersachsen hat bislang auch bundesweit ein vorbildliches Engagement bei der Aufarbeitung des in Erziehungsheimen begangenen Unrechts an den Heimkindern bewiesen“, so Sozialministerin Aygül Özkan gegenüber unserer Zeitung. „Zu erinnern ist beispielsweise an den Archivleitfaden und den Forschungsauftrag.“ Der Auftrag zur Erforschung der Vorgänge in Niedersachsen ging an die Uni Göttingen.

Im Übrigen sieht Özkan zunächst weiter die RTH-Vertreter am Zug. Bekundungen des Bundes zur Bereitstellung von Finanzmitteln in einen Stiftungsfonds sind uns bislang nicht bekannt.“ Eine Positionierung der Länder in der Jugend- und Familienministerkonferenz könne erst erfolgen, „wenn der Runde Tisch konkrete Umsetzungsvorschläge und Finanzierungskonzepte erarbeitet hat“. Die Konferenz tagt nach Angaben von Özkans Sprecher Thomas Spieker regulär erst im Juni 2011 wieder, „aber sehr wahrscheinlich würde der Beschluss vorher im schriftlichen Umlaufverfahren durchgeführt, weil es ja drängt“. Spieker legt überdies Wert auf die Feststellung, wo seiner Ansicht nach die meisten Verantwortlichen zu suchen sind: „Wir reden in Niedersachsen über ein Landeserziehungsheim in Göttingen und eine größere Anzahl von Heimen vor allem in kirchlicher Trägerschaft.“ Die Recherchen hätten bislang 138 Heime mit Fürsorgezweck in Niedersachsen ergeben, berichtet Spieker. Und er betont: „Die Einrichtungen waren in säkularer, in kommunaler und vor allem in kirchlicher Trägerschaft.“

Bundesweit haben zwischen 1949 und Mitte der 1970er-Jahre zwischen 700000 und 800000 Kinder und Jugendliche in Heimen gelebt. Tausende von ihnen haben sich in Vereinen und Betroffenen-Organisationen zu Wort gemeldet.

Der Runde Tisch in Berlin will nun bis Ende des Jahres dem Petitionsausschuss des Bundestages seinen Schlussbericht vorlegen und Vorschläge zum weiteren Umgang mit dem Thema unterbreiten. Wie schwierig das ist, zeigt sich auch an immer wieder zu hörenden Warnungen, man dürfe den Bogen nicht überspannen: „Sonst könnten alle, die jemals in einem Heim waren, Ansprüche erheben“, sagt eine Kennerin der Materie mit Blick auf weitere Gruppen mit Heimerfahrungen.

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