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Tippspiel
Wann ist ein Mensch tot?
hav Osnabrück. Wann ist ein Mensch tot? Und ist ein Hirntoter bereits ein Toter oder noch ein Sterbender? Fragen, die sich angesichts der aktuellen Diskussion um Organspenden stellen - ausgelöst durch die Organspende des SPD-Politikers Frank-Walter Steinmeier für seine Frau. Auf Einladung des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode diskutierten darüber Fachleute und rund 200 Zuhörer beim Ärzte- und Juristentag im Bistum Osnabrück. In einem waren sie sich trotz unterschiedlicher Standpunkte einig: Jeder Mensch sollte sich mit der Frage der Organspende beschäftigten.
Für den Arzt Eckhard Nagel, Mitglied im Deutschen Ethikrat, sind Organtransplantationen „ein fundamentaler Fortschritt für den Einzelnen und die Gesellschaft“. Die Lebensqualität von Patienten mit übertragenen Organen habe sich deutlich verbessert.
Organspenden nannte Nagel „einen Akt der Nächstenliebe“. Der Mediziner, seit dem 1. September 2010 Ärztlicher Direktor an der Uniklinik Essen, sprach sich dafür aus, jeden Bürger zu einer Erklärung zur Organspende zu verpflichten. Sich dieser Frage nicht zu stellen, sei „kein solidarisches Verhalten“. Der Mediziner erklärte, wegen des Mangels an Organen von Verstorbenen habe die Zahl der Lebendspenden zugenommen - auf fast 20 Prozent aller Organspenden.
Ein Hirntod ist nach Nagels Ansicht naturwissenschaftlich nur dann nachvollziehbar, wenn es sich um den unumkehrbaren Ausfall aller Funktionen des Gehirns handelt. Nagel sagte, der Hirntod gelte als Todeszeitpunkt für den Menschen. In Deutschland sei dies die Grundvoraussetzung für eine Organentnahme.
Heikle Folgefragen erspart
Ist also der Hirntod der Tod des Menschen? Der Bayreuther Juraprofessor Stephan Rixen sprach sich dafür aus, Zweifel an dieser Definition zuzulassen. Als Beispiel nannte er die hirntote Schwangere, die 1992 im Erlanger Universitätsklinikum künstlich am Leben gehalten wurde, um ihr Kind auszutragen. Es habe sich um eine Frau gehandelt, die sich von einer Leiche unterschieden habe. Der Hirntod sei daher ein Übergangszustand im Sterbeprozess. Die Politik habe sich für die Anerkennung des Hirntods als Tod entschieden, um sich heikle Folgefragen zur Organtransplantation zu ersparen.
Gegen das Wort Hirntod
„Ich finde schon das Wort Hirntod nicht glücklich“, sagte der Philosoph Jörg Splett, der an der Hochschule für Philosophie in München lehrt. Auch Splett nahm den Fall der hirntoten Schwangeren als Beispiel. Es habe sich um mehr gehandelt als nur um einen mechanischen Brutkasten. Der Philosoph kritisierte die Tendenz, die Frage nach dem Tod an die Naturwissenschaft „auszuliefern“.
Der Moraltheologe Elmar Kos sagte, in Dokumenten des Vatikan werde der Hirntod nicht thematisiert. Alle Päpste seit Pius XII. hätten sich dafür ausgesprochen, die Bestimmung des Todeszeitpunkts der Medizin zu überlassen. Auch die Deutsche Bischofskonferenz und der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hätten den Hirntod als Zeitpunkt des Todes akzeptiert und Organtransplantationen unterstützt. Die Mehrheit der deutschsprachigen Moraltheologen teile diesen Standpunkt.
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