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Textilbranche und Top-Designerin kritisieren Hungertrend
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Textilbranche und Top-Designerin kritisieren Hungertrend

Die Diskussion um magere Models geht in eine neue Runde. Mediziner haben gegenüber unserer Zeitung vor gefährlichen Effekten des Magerwahns gewarnt. Und die Textilindustrie kritisiert, der aktuelle Hungertrend gehe völlig an der Lebenswirklichkeit und am Markt vorbei.

 
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Designerin Anja Gockel mit Schauspielerin Alexandra Kamp (rechts). Sie gilt als Ikone dünner Mädchen: Das englische Topmodel Kate Moss. Auch durch ihre Eskapaden mit Rocksänger Pete Doherty machte sie den dünnen Heroinchic salonfähig. Brisante These: Anja Gockel, Designerin für Gwyneth Paltrow, macht die männlichen Designer dafür verantwortlich. Wie Wolfgang Joop... ... ist auch Giorgio Armani homosexuell. Und so würden er und seine meist homosexuellen Designerkollegen sich am Vorbild androgyner Männer orientieren. Hier im Bild Karl Lagerfeld. Die Models, die Designer wie Jean-Paul Gaultier für ihre Shows auswählen, sind dann meist auch sehr dünne Frauen. Das löse eine Hungerspirale aus, so Anja Gockel im Interview mit unserer Zeitung. Dagegen hat sich in der Wirtschaft etwas getan: So wirbt "Dove" für seine Produkte mit ganz normalen Frauen, die wie alle Menschen auch "Problemzonen" haben. Eine große Debatte löste Heidi Klum im Jahr 2006 mit ihrer Show "Germany´s next Topmodel" aus. Hier mit ihren Kandidatinnen in der TV-Show von Reinhold Beckmann. So schickte Klum reihenweise junge Mädchen nach Hause, weil sie angeblich zu dick waren. Gewonnen hat dann die sehr weibliche Barbara Meier. Auch Hollywood trägt seinen Teil zum Magertrend bei. Jeansgröße 0 ist in Hollywood der letzte Schrei. Immer am absoluten Limit bewegt sich die britische Aktrice Keira Knightley. Egal wer angeblich die Schuld trägt - Magersucht ist ein brisantes Thema in der Gesellschaft. Deswegen setzt sich auch so mancher Promi für einen gesunden Umgang mit seinem eigenen Körper ein. Hier die TV-Moderatorin Enie van de Meiklokjes als Schirmherrin der Initiative "WaageMut" in Berlin.

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„Es ist fatal, wenn extrem untergewichtige und somit ungesunde Körper als Ideale dargestellt werden“, sagte Dr. Michael Vogt vom Hartmannbund im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Hauptgeschäftsführer der Ärztevereinigung betonte, gefährlich sei vor allem der Gedanke, dass magere Körper besonders schön seien. „Von dieser falschen Schlussfolgerung muss die Werbeindustrie abkommen“, forderte der Mediziner.

Modeschöpferin Anja Gockel sieht die Ursache für das Problem beim Schönheitsideal vieler homosexueller Designer: Sie bevorzugten knabenhafte Figuren und produzierten entsprechende Mode, mutmaßte sie im Interview mit unserer Zeitung.

Gibt es eine Grenze nach unten? Heutige Models sind statistisch 23 Prozent dünner als der Durchschnitt der Frauen – vor 30 Jahren lag dieser Unterschied bei nur acht Prozent. Die Schere zwischen denen, die storchenbeinig über die Laufstege der Modemetropolen staksen, und „normalen“ Frauen wird also immer größer.

Ärzte schlagen Alarm, Eltern machen sich Sorgen, und immer wieder gibt es Versuche, den Trend zu stoppen. Bisher ohne Erfolg. Wenn Models in Madrid bei den Modeschauen aussortiert werden, weil sie zu wenig auf die Waage bringen, fahren sie eben in die Modehauptstädte Paris oder Mailand – was dort passiert, ist für sie im Zweifel ohnehin wichtiger.

Einen neuen Versuch, die Kilo-Kluft zwischen Model und normalem Leben zu schließen, hat gerade erst die Frauenzeitschrift „Brigitte“ gestartet: Bei ihr gibt es ab Januar keine Profimodels mehr. Die neuen Laien-Models der „Brigitte“ sollen auch schon mal Kleidergröße 40 tragen – auf dem Laufsteg undenkbar.

 Und das, obwohl die meisten Frauen mindestens 40er- oder noch größere Größen tragen, wie Jürgen Dachs, Geschäftsführer des Bundesverbands Textilwirtschaft, erklärt. „Weniger als zehn Prozent der Frauen passen in eine kleinere Kleidergröße als 38“, sagte Dachs im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Drittel trage 38 bis 40, und der Rest „hat eindeutig mehr“, so Dachs. Mit minimalistischen Modellen produzierten die Designer demnach „völlig am Markt vorbei“.

Der Einfluss dieser Ästhetik auf Alltagsmädchen ist enorm – darf laut Bundesgesundheitsministerium allerdings nicht als alleinige Ursache für den riskanten Hang junger Frauen zum „Immer weniger“ gesehen werden. „Magersucht hat immer mehrere Ursachen“, sagte Ministeriumssprecherin Dagmar Kaiser unserer Zeitung.

Für das Projekt „Leben hat Gewicht“, das das Ministerium im Juli 2008 initiiert hat, seien Modeverbände aber willkommene Kooperationspartner gewesen. Kaiser: „Models sind für junge Mädchen Vorbilder, umso besser ist es, wenn die Modeindustrie klar gegen den Magerwahn Stellung bezieht.“


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