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Textilbranche und Top-Designerin kritisieren Hungertrend
„Es ist fatal, wenn extrem untergewichtige und somit ungesunde Körper als Ideale dargestellt werden“, sagte Dr. Michael Vogt vom Hartmannbund im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Hauptgeschäftsführer der Ärztevereinigung betonte, gefährlich sei vor allem der Gedanke, dass magere Körper besonders schön seien. „Von dieser falschen Schlussfolgerung muss die Werbeindustrie abkommen“, forderte der Mediziner.
Modeschöpferin Anja Gockel sieht die Ursache für das Problem beim Schönheitsideal vieler homosexueller Designer: Sie bevorzugten knabenhafte Figuren und produzierten entsprechende Mode, mutmaßte sie im Interview mit unserer Zeitung.
Gibt es eine Grenze nach unten? Heutige Models sind statistisch 23 Prozent dünner als der Durchschnitt der Frauen – vor 30 Jahren lag dieser Unterschied bei nur acht Prozent. Die Schere zwischen denen, die storchenbeinig über die Laufstege der Modemetropolen staksen, und „normalen“ Frauen wird also immer größer.
Ärzte schlagen Alarm, Eltern machen sich Sorgen, und immer wieder gibt es Versuche, den Trend zu stoppen. Bisher ohne Erfolg. Wenn Models in Madrid bei den Modeschauen aussortiert werden, weil sie zu wenig auf die Waage bringen, fahren sie eben in die Modehauptstädte Paris oder Mailand – was dort passiert, ist für sie im Zweifel ohnehin wichtiger.
Einen neuen Versuch, die Kilo-Kluft zwischen Model und normalem Leben zu schließen, hat gerade erst die Frauenzeitschrift „Brigitte“ gestartet: Bei ihr gibt es ab Januar keine Profimodels mehr. Die neuen Laien-Models der „Brigitte“ sollen auch schon mal Kleidergröße 40 tragen – auf dem Laufsteg undenkbar.
Und das, obwohl die meisten Frauen mindestens 40er- oder noch größere Größen tragen, wie Jürgen Dachs, Geschäftsführer des Bundesverbands Textilwirtschaft, erklärt. „Weniger als zehn Prozent der Frauen passen in eine kleinere Kleidergröße als 38“, sagte Dachs im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Drittel trage 38 bis 40, und der Rest „hat eindeutig mehr“, so Dachs. Mit minimalistischen Modellen produzierten die Designer demnach „völlig am Markt vorbei“.
Der Einfluss dieser Ästhetik auf Alltagsmädchen ist enorm – darf laut Bundesgesundheitsministerium allerdings nicht als alleinige Ursache für den riskanten Hang junger Frauen zum „Immer weniger“ gesehen werden. „Magersucht hat immer mehrere Ursachen“, sagte Ministeriumssprecherin Dagmar Kaiser unserer Zeitung.
Für das Projekt „Leben hat Gewicht“, das das Ministerium im Juli 2008 initiiert hat, seien Modeverbände aber willkommene Kooperationspartner gewesen. Kaiser: „Models sind für junge Mädchen Vorbilder, umso besser ist es, wenn die Modeindustrie klar gegen den Magerwahn Stellung bezieht.“
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