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Tippspiel
Morgens um acht muss ich kreativ sein
Als ich in jungen Jahren von der E-Gitarre zur Querflöte wechselte, sagte mir jemand, dass mein Spiel klänge wie das von Roland Kirk. Ich fragte: Und, wer ist das? Dann habe ich mir Platten von Roland Kirk angehört und festgestellt, dass es durchaus Parallelen in der Art zu spielen gibt. Allerdings hatte sich mein Stil daraus ergeben, dass ich zuvor zum Gitarrespielen Scatgesang praktiziert habe. Diese Art, ohne Worte mit der Stimme zu experimentieren, habe ich auf die Flöte übertragen. Was Roland Kirk betrifft, habe ich mal ein Stück von ihm interpretiert: „Serenade To A Cuckoo“, eine tolle Komposition mit einer schönen Melodie. Ansonsten gibt es aber keine Berührungspunkte, denn ich bin nun mal kein Jazzer, und ich will auch nicht auf dem Grabstein stehen haben: Er war ein weißer Schwarzer!
1969 haben Sie dann ein klassisches Stück interpretiert: die „Bourée“ von Johann Sebastian Bach. Wie kam es dazu?
Im Raum unter mir lebte damals ein Musikstudent, der von morgens bis abends nur dieses Stück auf der Gitarre probte. Ich glaube, der konnte nur dieses eine Stück. Ich fand die Melodie großartig und habe sie auf die Flöte übertragen. Sehen Sie, eine elegante Einfachheit muss die Grundstruktur eines Songs auszeichnen, dann wird er gut. Daher ist es für erfahrene Musiker auch so schwierig, gute, einfache Songs zu schreiben. Oftmals dominiert die Technik das Songwriting. Also empfehle ich allen etablierten Musikern, auf einem Instrument zu komponieren, das sie nicht beherrschen – dann finden sie zu den einfachen, naiven, aber guten Resultaten zurück.
Gibt es für Sie ideale Momente, um zu komponieren?
Da auch für einen Musiker Disziplin wichtig ist, mache ich Termine: Nächsten Dienstag, morgens um acht Uhr, musst du kreativ sein und Stücke schreiben. Natürlich habe ich dann durchaus bestimmte Melodien im Kopf, auf die ich aufbaue. Ob es dann in der Situation mit dem Songwriting funktioniert, ist eine andere Frage. Im Moment übe ich viel Gitarre, weil ich mir einen Finger gebrochen habe.
Wie ist das passiert?
Ich habe nachts eine meiner Katzen rausgebracht, und auf der Treppe kam es zu dem Unfall.
Jetzt spielen Sie mit einem gebrochenen Finger?
Ja. Beim Flötespielen ist das nicht so problematisch, weil man die Finger nicht so krümmen muss wie bei der Gitarre. Daran muss ich allerdings arbeiten. Wenn ich Glück habe, bin ich zu neunzig Prozent einsatzfähig.
Gerade hatten Sie eine Tourpause. Was machen Sie denn in Ihrer Freizeit?
Ich bearbeite das Tourbudget, mache die Steuererklärungen, organisiere neue Konzerte, treffe Reisearrangements – Büroarbeit halt.
Haben Sie keinen Manager?
1974 habe ich beschlossen, alles allein zu machen. Ich kann mich nicht damit anfreunden, einen Manager 15 Prozent kassieren zu lassen für Aktivitäten, die hauptsächlich ihm nützen. Zum Beispiel nehme ich immer häufiger an Wohltätigkeitsveranstaltungen teil. Das wäre mit einem Manager nicht möglich, weil für ihn da nichts herausspringt. Mir ist es aber wichtig, etwas von dem, was ich verdiene, an arme Menschen oder Aidskranke zurückzugeben.
Aber was tun Sie, um zu entspannen?
Ich lese viel Zeitung und schaue Nachrichten im Fernsehen an. Meistens werde ich dann furchtbar sauer und rege mich darüber auf, was in der Welt passiert. Und das ist eines der letzten Vergnügen, das einem 61-jährigen Kerl wie mir noch bleibt.
Und warum haben Sie Ihre Lachsfarmen verkauft, die offenbar ganz gute Gewinne abwarfen?
2002 stand ich vor einer Entscheidung: Will ich eine Fischzucht managen mit 400 Angestellten und einem Jahresumsatz von 30 Millionen Euro, mit all der Verantwortung und all dem Risiko? Oder will ich Musiker sein? Ich entschied mich für das Musizieren. Das hatte auch ethische Gründe: Um eine Tonne Lachs großzuziehen, muss man sieben Tonnen wilden Jungfisch verfüttern, den man dem natürlichen Kreislauf des Meeres entzieht. Das ist mir zu uneffizient.
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