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Tippspiel
Fernsehserie als Erweiterung des Kinos
Osnabrück. Die Fernsehserie ist längst nicht mehr eine Schwundform, sondern die Erweiterung des Kinos. Eins der besten Beispiele ist „Boardwalk Empire“ von Martin Scorsese und dem „Soprano“-Autor Terence Winter.
Das preisgekrönte Werk erzählt die Geschichte des Gangster-Politikers Nucky Thompson, der im Atlantic City der Prohibitionszeit mittels Gewalt, Lüge und Schmeichelei ein mächtiges Imperium schmiedet. Um den Hauptdarsteller Steve Buscemi scharen die Produzenten ein Ensemble der besten Arthouse-Schauspieler Hollywoods.
In ihrem erzählerischen Bogen, den Themen, der Tiefe der Charakterschilderung und der Opulenz des Settings hat die Serie nichts mehr mit dem Fernsehen der 80er-Jahre gemein. Wenn es ein Vorbild für den Entwurf von „Boardwalk Empire“ gibt, wäre es viel eher der Kino-Klassiker „Es war einmal in Amerika“ (1984). Nur dass das heutige Fernsehen heute Dimensionen erobern kann, die Sergio Leone nicht offen standen. Mit 18 Millionen Dollar war allein Scorseses erste Episode so teuer wie der ganze Leone-Film (20 Mio.). Vor allem aber hat das Fernsehen mehr Zeit: Leones Kinofilm ist mit knapp vier Stunden schon ein Mammutwerk. Die Serie entfaltet ihren Stoff allein in der ersten von derzeit drei Staffeln über mehr als zehn Stunden.
Scorsese und Winter durchdringen den historischen Stoff mit einem ganz und gar gegenwärtigen Bewusstsein: Die „Goldenen Zwanziger“ werden als Epoche eines unhinterfragten Rassismus genauso sorgfältig geschildert wie als Umbruchphase der Frauenemanzipation. Dass der Bezahlsender HBO nicht auf die puritanische US-Werbewirtschaft angewiesen ist, erlaubt es den Produzenten außerdem, ihre Figuren auch im Sexuellen als komplexe Figuren zu zeichnen – auf eine ernsthafte Weise, die allerdings vor allem die Schauspielerinnen nicht nur als Person, sondern auch als Schauwert inszeniert.
„Boardwalk Empire“. Warner. Staffel 1, 12 Episoden, 644 Minuten, umfangreiches Bonusmaterial. Ab Freitag im Handel.
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