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Vom Porno- zum Programm-Kino
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Autor: Reinhard Westendorf 03. Februar 2012 15:12 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Osnabrücker Kinogeschichte(n), Teil 10: Filmtheater Hasetor – Zurück in die Zukunft

Vom Porno- zum Programm-Kino

Osnabrück. Am Ende dieser Reihe steht ein Kino, dass so langlebig ist wie kein anderes in der Stadt. Seit über 50 Jahren bereichert das „Filmtheater Hasetor“ in der Hasestraße 71 das Osnabrücker Kinoangebot. Das jetzige Filmkunst- und Programmkino hat nicht nur eine ereignisreiche Geschichte, sondern auch eine vielversprechende Zukunft.

 
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Teppiche zum Versinken: Das Hasetor-Kino setzte dereinst auf gediegene Wohnzimmer-Atmosphäre. Foto: Archiv Gaststätte Hasetor: Erst seit 1986 heißt die Kino-Kneipe nach Fellinis Klassiker „8 1/2“. Foto: Archiv Kahle Außenansicht: historisches Foto des Hasetors. Foto: Archiv

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Am Ende der Hasestraße, unmittelbar am Haseufer, wurde vor dem Zweiten Weltkrieg noch getanzt. Auf dem Grundstück des im Krieg zerstörten Hotels und Tanzsaals Steinhage eröffnete Kinofuchs Karl Conrady im Mai 1960 sein neu erbautes „Filmtheater am Hasetor“ mit 280 Plätzen. Als Einzelhaus-Betreiber hatte der ehemalige Mitbesitzer der „Central-Lichtspiele“ keinen leichten Stand, da Conrady nur selten attraktive Erstaufführungen wie zum Beispiel die Hollywood-Komödie „Bettgeflüster“ bekam, die in 12 Wochen über 25000 Besucher anlockte. So spezialisierte sich das „Hasetor“ als Nachspiel- und später auch als Pornokino. Lange Jahre klebte im Vorführraum der kryptische Arbeitshinweis „Beim Porno grün nach unten“.

Im Februar 1981 ließ Conrady sein Filmtheater zum Service-Kino mit jetzt 220 Plätzen und moderner Projektionstechnik umbauen. Nach dem Tod Karl Conradys 1984 übernahm „Cinema“-Besitzer Rolf Schrader den Spielbetrieb und versuchte dem „Hasetor“ unter anderem mit einem speziellen „Mitternachtskino“ und langen Filmnächten ein neues Profil zu verleihen. Dieses Vorhaben gelang allerdings erst seinen beiden ambitionierten Programmmachern Hans-Christian Saßnick und Hermann Thieken, die das traditionsreiche Filmtheater ab Februar 1986 als mittlerweile vielfach ausgezeichnetes „Filmkunst- und Programmkino“ etablierten.

Anfang Juni 1986 wurde im Haus auch die nach dem Fellini-Filmklassiker benannte Kinokneipe „ 8 1/2“ eröffnet, die nach stotterndem Start dank charmanter weiblicher Thekenkräfte alsbald zum beliebten Nachtschwärmer-Treffpunkt wurde. In der Kultkneipe versackten nicht nur diverse Stammgäste, sondern auch der ein oder andere deutsche Filmstar, nachdem er nebenan seinen neuesten Film vorgestellt hatte.

Im Frühjahr 1992 sorgte das Kino für Schlagzeilen in der lokalen Presse, als Rolf Schrader, Osnabrücks damals letzter privater Kinobesitzer, die Immobilie an Deutschlands damaligen Kinokönig Heinz Riech und dessen „Ufa“-Kette verkaufte. Die beiden „Hasetor“-Geschäftsführer Saßnick und Thieken konnten jedoch einen zufriedenstellenden Pachtvertrag aushandeln und ihr erfolgreiches Kinokonzept eigenständig fortführen. Inzwischen sind die beiden Osnabrücker Kinomacher selbst Besitzer des Gebäudes und planen deshalb umfangreiche Renovierungsmaßnahmen. Ab Anfang Juni soll insbesondere endlich die altgediente Filmkneipe „8 1/2“ inklusive marodem WC-Bereich komplett neu gestaltet werden. Im Kino wird neben der traditionellen 35-mm-Filmvorführung auch eine digitale Projektionsanlage installiert. Erneuert werden auch die Heizungs- und Lüftungsanlage sowie das Foyer. Das traditionsreiche „Filmtheater Hasetor“ bereichert also auch in Zukunft die Osnabrücker Kinoszene.

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