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Ein Zwilling kommt selten allein
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Autor: Reinhard Westendorf 27. Januar 2012 14:47 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

„Jack und Jill“: Seichte Komödie kommt nicht über das Niveau einer familiären Nummernrevue hinaus

Ein Zwilling kommt selten allein

Osnabrück. Zwillingen wird eine ganz besondere und innige Geschwisterbeziehung attestiert. Zum Beleg dieser Ansicht kommen in der US-Komödie „Jack und Jill“ noch vor dem Titelvorspann einige echte Zwillingspaare zu Wort. Die nachfolgende Inszenierung präsentiert dann aber mit dem fiktiven Zwillingspaar Jack und Jill Sadelstein (Adam Sandler in einer Doppelrolle) das vermeintlich genaue Gegenteil einer solchen Harmonie. Schon in den frühen Familienfilmen der Geschwister wird deutlich, dass Bruder und Schwester zumeist ein unglückseliges Verhältnis zueinander hatten.

 
Ein Star, zwei Rollen: Adam Sandler als Jack und zugleich als Zwillingsschwester Jill. Foto: Sony  Vergrößern

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In Horrorfilmen wurden Zwillinge oft zur Charakterisierung der Dualität von Gut und Böse genutzt, während Komödien gern mit den Möglichkeiten der vertauschten Identitäten spielen. Beide Aspekte versucht „Jack und Jill“ für sich zu nutzen. Der Werbefilmer und Familienvater Jack verkörpert den erfolgreichen und sympathischen Zwilling, während seine seit dem Tod der Mutter allein lebende Schwester Jill ein nervtötender Tollpatsch ist.

Zum Grauen für den guten Jack, besucht die schrille Jill jedes Jahr zu Thanksgiving dessen vierköpfige Familie in Los Angeles. Und es dauert nicht lange, da ist der Bruder schon schwer genervt von seiner aufdringlichen Schwester, ihrem sprechenden Kakadu, ihrem phänomenalen „Schweißschatten“ und unzähligen anderen Peinlichkeiten. Aber letztlich macht Jack aus taktischen Gründen gute Miene zum chaotischen Familienspiel, da ausgerechnet der von ihm für einen wichtigen Werbespot gewollte Hollywood-Star Al Pacino (augenzwinkernd als er selbst) ein Auge auf Jill geworfen hat. Da die dralle Dame nach einem missratenen ersten Date jedoch kein weiteres Interesse an der Schauspieler-Legende zeigt, schlüpft der Bruder notgedrungen in die Rolle seiner Schwester.

Damit wechselt nicht nur Adam Sandler doppelt die Klamotten und Rollen, sondern auch die Inszenierung von Regisseur Dennis Dugan zur typischen Travestie-Komödie.

„Jack und Jill“ ist bereits die siebte Zusammenarbeit von Dugan und Sandler. Angefangen von „Happy Gilmore“ (1995) über den herrlich unverschämten „Leg dich nicht mit Zohan an“ (2008) bis zu „Kindsköpfe“ (2010) bilden Regisseur und Darsteller ein eingespieltes Comedy-Duo. Ihre jüngster Film zählt leider nicht zu ihren besten gemeinsamen Arbeiten. Trotz einiger wirklich grotesker Szenen wie Pacinos intimes Handy-Telefonat, während er auf der Theaterbühne Shakespeare spielt, kommt die seichte Zwillings-Komödie nicht über das Niveau einer familiären Nummernrevue hinaus.

„Jack und Jill“. USA 2011,R: Dennis Dugan. D: Adam Sandler, Katie Holmes,Al Pacino. 91 Min., ohneAltersbeschränkung;Cinestar, Filmpassage

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