Noz
Kontakt

·

Digitalabo

·

Shop

·

Tippspiel

Startseite

|

Deutschland & Welt

|

Kultur

|

Kino

|

Clooneys Oscar-Film läuft an
Kino

Schrift
 Drucken  Versenden Empfehlen auf:      

1808
Autor: Daniel Benedict 26. Januar 2012 14:30 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Das komatöse Drama „The Descendants“

Clooneys Oscar-Film läuft an

Osnabrück. Mit fünf Nominierungen geht „The Descendants“ ins Oscar-Rennen – darunter sind die Hauptkategorien Bester Film und Beste Regie. George Clooney darf auf einen Oscar als bester Hauptdarsteller hoffen.

 
Gehörnt und verwitwet: George Clooney im Koma-Drama „The Descendants“. Foto: Foxfilms  Vergrößern

– Anzeige – Ihre Anzeige hier



Zuletzt kommentiert








Clooney ist zwar einer der führenden Stars Hollywoods – bislang hat er aber nur den Oscar als bester Nebendarsteller (für „Syriana“). Mit der Verfilmung von Kaui Hart Hemmings Roman „Mit deinen Augen“ macht der Schauspieler nun beinahe alles, was man für einen Oscar nur tun kann. Er spielt zwar keinen Behinderten, aber zumindest den Ehemann einer Koma-Patientin – und bricht in unübersehbarer Weise mit seinem Image: Statt des strahlenden Dr. Ross aus der Klinikserie „Emergency Room“ ist er nun der Angehörige am Krankenbett.

Nach dem Unfall seiner Frau muss Matt King (Clooney) sein bisheriges Leben überdenken und das zukünftige neu ordnen. Die zehn- und 17-jährigen Töchter müssen auf den Tod der Mutter vorbereitet werden, die in einer Patientenverfügung das Abschalten der Geräte festgelegt hat. Außerdem wird bald deutlich, dass die vermeintlich guten Tage des Paars so gut nie waren: Matts Ehefrau hatte ein Verhältnis und wollte sich trennen. Gemeinsam mit den Töchtern macht der zukünftige Witwer sich auf die Suche nach dem unbekannten anderen Mann.

Sieben Jahre hat der Regisseur Alexander Payne sich für den Nachfolger seines Oscar-Erfolgs „Sideways“ Zeit gelassen. Nach der Tragikomödie verschiebt er den Tonfall nun hin zum lakonischen Drama – und bleibt damit weit hinter seinen Möglichkeiten. Bei allen Versuchen, das Kuriose, Alltägliche und Unglamouröse an Personal und Setting herauszuarbeiten, bleibt sein Film doch verblüffend konventionell und vor allem – emotionslos.

Das beginnt mit einer Hintergrund-Geschichte um einen Immobilien-Deal – bei dem Matt zu guter Letzt gegen die Millionen und für den Schutz einer unberührten Bucht im hawaiischen Inselparadies votiert. (Ein klassischer Plot der ARD-Freitagsschmonzetten.) Es endet in der mehr gefühligen als gefühlvollen Suche nach dem guten Abschied vom sterbenden Menschen – über dessen Tod der Film von der ersten Minute an mit versöhnlicher Folklore-Musik hinwegtröstet. Je öfter sich hier Angehörige am Bett der Komatösen versammeln, um in befreienden Wutreden ihre Konflikte auszuagieren, umso weniger traut man dem Trost- Klischee vom reinigenden Gewitter in letzter Minute.

Schade, denn Paynes ungewöhnliche Regie-Handschrift bleibt immer noch in vielen Bereichen erkennbar. Besonders erfreulich ist sein Geschick, selbst einen Clooney nicht als Star, sondern als Durchschnittsmenschen zu präsentieren. (Noch ein beliebter Trick für die Oscar-Chancen.) „In Hawaii sehen einflussreiche Leute wie Penner oder Stuntmen aus“, heißt es einmal im aufdringlichen Off-Ton. Stimmt: Nie trug Clooney so scheußliche Hemden. Fast noch spektakulärer ist, dass Payne sogar Hawaii als miese Hochhaus- und Spießer-Biosphäre schildert. Leider streift aber auch die Geschichte immer wieder das Spießige. Regelmäßig inszeniert Payne die vermeintliche Ehrlichkeit des Tabubruchs: Ein Teenager lacht über eine Demente, ein Greis schlägt den Freund seiner Enkelin. Das Bekenntnis zum unangepassten Verhalten wird allerdings unglaubwürdig, wenn gleichzeitig lauter Harmlosigkeiten sanktioniert werden: die Vulgärsprache der Zehnjährigen etwa oder ihre Lust, sich denBikini mit Sand auszustopfen.

In der zweiten Hälfte gewinnt der zähe Film ein bisschen an Drive, er kann seinen sentimentalen Grundton aber nie abstreifen. Matts Abschiedsworte an die Tote klingen dann komplett nach Groschenroman: „Lebe wohl, meine Feundin, mein Schmerz, meine Freude!“

Und? Wie sind nun Clooney Chancen bei der Oscar-Verleihung am 26. Februar? Hoffentlich nicht allzu hoch. George Clooney hätte es verdient, für einen guten Film gekürt zu werden. Und die Konkurrenz ist in diesem Jahr unglaublich stark. Jean Dujardin als Stummfilm-Star („The Artist“) und Gary Oldman als stiller Spion („Dame, König, As, Spion“) wären die bessere Wahl – mit brillanten Leistungen in Superfilmen.

„The Descendants“. USA 2011. R: Alexander Payne.D: George Clooney, Shailene Woodley. 115 Minuten.Ohne Altersbeschränkung.

 Mehr Kino

 
  Leserkommentare
Schreiben Sie einen Kommentar




Empfehlen auf:  Facebook  Twitter




 Zeitungstitel wählen  Schließen

Wählen Sie Ihren Zeitungstitel: