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Rührstück: „Die Muppets“
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Autor: Ralf Döring 20. Januar 2012 16:37 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Zähne gezogen

Rührstück: „Die Muppets“

Osnabrück. Alarm, Alarm, Alarm: Das Muppets-Theater soll einem Ölbohrturm weichen. Es sei denn, Kermit und seine Truppe bringen zehn Millionen Dollar auf. Deshalb lässt Regisseur James Bobin für seinen Film mit dem schlichten Titel „Die Muppets“ die alte Truppe noch mal zusammentreten, verrührt das mit zwei Liebesgeschichten, bis der satirische Geist der Puppen mit einem leisen Puff aus dem lauen Rührstück entwichen ist.

 
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Gut eine Stunde dauert es, bis die Erkennungsmelodie das Signal gibt: zu einer neuen Ausgabe der Muppets, zu Chaos auf undhinter der Bühne, zu brillanten Musiknummern, zuausgefeilter Satire, kurz, zu all dem, was die Muppets Show ausgemacht hat. Wenn dann Jack Black an seinen Stuhl gefesselt ge-gen eine Barbershop-Version des Nirwana-Klassikers „Smells Like Teen Spirit“ protestiert, blitzt tatsächlich der alte Muppets-Geist auf. Adler Sam singt Kurt Cobain: So lieben wir die Muppets.

Der Weg zur Show ist allerdings mehr als beschwerlich – für die Muppetsund die Zuschauer. In Gang setzen den Film die ungleichen Brüder Walter und Gary: ein neuer Muppet der eine, Jason Segal als Drehbuchautor, Produzent und Darsteller der andere. Walter erfährt zufällig während einer Besichtigung der alten Muppets-Studios in Los Angeles, dass Ölmagnat Tex Richman, herrlich fies verkörpert von Chris Cooper, auf dem Gelände nach Öl bohren will. Daraufhin bringen Walter und Gary die alte Truppe um Kermit wieder zusammen; eine Spendengala soll zehn Millionen Dollar bringen, um das Theater zu retten.

Anspielungsreich gehen die Autoren und Regisseur James Bobin zu Werke. Sie zitieren Highschool-Komödien oder Charlie Chaplins Brötchen-Ballett, lassen, wie einst James Bond, Kermits Rolls-Royce in Cannes aus dem Meer auf den Strand rollen. Damit befindet sich Bobins Film ganz nah an der Idee der Muppets Show, deren Wesen ja genau darin bestand, das Showbusiness zu persiflieren und satirisch aufs Korn zu nehmen. Dank des Muppets-Erfinders Jim Henson machten die Puppen das sehr gekonnt, waren dabei zumeist herrlich respektlos. Andererseits konnten sie in aller Ernsthaftigkeit großartige Musiknummern interpretieren, und sogar Sentimentalität hatte ihren Platz. Nur eines waren die Muppets nie: rührselig. Das müssen sie aber auf der Leinwand sein.

Großer Bruder ist mit Liebe und Hilfe immer für den kleinen Bruder mit Handicap da, großer Bruder muss sich zwischen der Liebe zum kleinen Bruder und der zur Verlobten Mary (Amy Adams) entscheiden: Damit tappt der Film ins Schmalztöpfchen des Rührstücks und bleibt darin leider auch stecken. Zusätzlich spiegelt sich das Verhältnis von Gary und Mary in dem von Kermit und Miss Piggy wider, und auch da strandet der Film im seichten Gewässer der Beziehungsschmonzette. Denn im Muppets-Theater lebte das Verhältnis des Paares ja eben davon, dass sich Kermit nachhaltig Piggys Werben entzieht.

In einer Art höheren Mission sammelt Kermit mithilfe von Walter, Gary und Mary, den Rest der Truppe ein: Fozzy, der seine Witze in einem drittklassigen Diner erzählt, Gonzo, der im Sanitärgeschäft reich geworden ist, das Tier, das aus einem Anti-Gewalt-Training geholt werden muss, schließlich Piggy, die in Paris für die „Vogue“ schreibt. Und etliche CameoAuftritte verweisen auf die lange Liste berühmter Gäste der Muppets Show. Doch selbst die Nörgler Waldorf und Statler werden fast zu Statisten degradiert, und das ist symptomatisch für einen Film, der lieber plüschige Lebensweisheiten verbreiten will, als satirisch zuzubeißen. Immer wieder ist ja auch die Rede von den Kindheitserinnerungen, welche die Filmprotagonisten mit den Muppets verbinden – und da sitzt der Film einem großen Irrtum auf: Die Muppets waren keine Kinderstunde, sondern eine bissige, wenn auch jugendfreie Show für Erwachsene.

Die Muppets. USA 2011. R: James Bobin. D: Jason Segel, Amy Adams, Chris Cooper, Katy Perry, Jack Black. 109 Min., Ab 0. Cinema-Arthouse, Cinestar, Filmpassage.

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