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Eastwood inszeniert DiCaprio: „J. Edgar“
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Autor: Tobias Sunderdiek 18. Januar 2012 17:15 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

War der FBI-Chef schwul?

Eastwood inszeniert DiCaprio: „J. Edgar“

Osnabrück. Er war einer der mächtigsten Männerder USA: J. Edgar Hoover. Vor dem Chef des FBI hat-ten selbst US-Präsidenten Angst, von Roosevelt bis Nixon. Mit „J. Edgar“ verfilmte Clint Eastwood nun dessen Leben – und das als brillante Analyse und mitnehmendes Drama zugleich.

 
Persönlichkeit mit Brüchen: Leonardo DiCaprio legt als Direktor und Begründer des FBI, J. Edgar Hoover, eine umwerfende Leistung hin. Foto: Warner Bros.  Vergrößern

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Schießeisen waren sein Ding. Genau wie Fingerabdrücke. Mit Gewalt und forensischer Wissenschaft wollte er die Bösen dieser Welt ausrotten. Was für J. Edgar Hoover nicht nur Alkoholschmuggler oder der Entführer und Mörder des Babys von Flugpionier Charles Lindbergh waren, sondern auch Kommunisten, Liberale und Bürgerrechtler wie Martin Luther King. Sie alle verfolgte er mit pedantischer und auch paranoider Energie. Der Ruhm, den er dafür vom Land erhalte, so sagte er mal, sei ihm mehr wert als die Ehe. Und obwohl er bei der Damenwelt als Charmeur galt, seiner Privatsekretärin Helen Grandy (Naomi Watts) beim dritten Rendezvous bereits einen Antrag machte und den Hollywood-Star Dorothy Lamour umgarnte, gehörte sein Herz doch einem ganz anderen Menschen: dem studierten Juristen Clyde Tolson (Armie Hammer), seinem engsten Vertrauten und Stellvertreter.

Es war aber eine letztlich unerfüllte Liebe, die ebenso an den Vorurteilen der Zeit scheiterte wie an den eigenen Ansprüchen: War J. Edgar Hoover (großartig: Leonardo DiCaprio) schwul? Das konnte und vor allem das wollte er als hart zupackender Arm des Gesetzes, der das FBI aufbaute, nicht zulassen. Schließlich erpresste er ja sogar Präsident Roosevelt mit Informationen über die lesbische Affäre seiner Frau. Auch seine dominante Mutter (Judi Dench) ermutigte ihn zur Maskerade. Sie wolle lieber einen toten Sohn als einen verweichlichten, sagte sie einmal. Für J. Edgar war das Schock und Verpflichtung zugleich.

„Die Gesellschaft, die nicht bereit ist, aus der Vergangenheit zu lernen, ist dem Untergang geweiht. Wir dürfen niemals unsere Geschichte vergessen.“ Diese Worte setzt Clint Eastwood (81), der mit seiner inzwischen 33. Regiearbeit längst zum „Elder Statesman“ Hollywoods geworden ist, ans Ende des Films. Er zeigt dabei, wohin es führen kann, wenn Macht korrumpiert, Gesetze gebogen und gebrochen werden, wenn Idealismus sich zu Wut wandelt. Es ist ein Satz, der mahnt.

„Wenn die Legende zur Wahrheit wird, so drucke die Legende.“ So lautet der viel zitierte Satz aus einem Western von Meisterregisseur John Ford. Mit dem hat Clint Eastwood viel gemein. Nicht nur, was das Erzähltalent und den politischen Konservatismus angeht, sondern auch die Fähigkeit, Graustufen zu zeigen und dabei nicht in simple Gut-Böse-Schemata zu verfallen. Dabei blickt er aber auch hinter die Legende.

Geschickt nutzen Eastwood und sein Autor Dustin Lance Black („Milk“) die Lebensberichte, die Hoover PR-Männern für eine Autobiografie diktiert, dazu, diese als Rückblenden zu bebildern – nur um diese am Ende durch einen inszenatorischen Einfall und gegen etablierte Hollywood-Erzählregeln ad absurdum zu führen. Es ist nicht der einzige Bruch in diesem Film. Lebenslügen, ob privater oder offizieller Natur, werden so offengelegt, und dahinter tritt Hoover nicht nur als Person, sondern auch als Mensch hervor – ohne dass dabei seine Verfehlungen verharmlost oder Klischees bedient würden.

Genau damit ist Clint Eastwood ein Drama gelungen, das ebenso vielschichtig ist wie die Person, die er darstellt. Ein in jeder Hinsicht reifes, packendes Meisterwerk!

„J. Edgar“. USA 2011.R: Clint Eastwood. D: Leonardo DiCaprio, Naomi Watts, Armie Hammer,Josh Lucas, Judi Dench.136 Minuten. Ab 12 Jahren.

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