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„Beim Sterben hilft der Film mir nicht“
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Autor: Daniel Benedict 07. November 2011 16:30 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Aber beim Leben! Milan Peschel über seinen Kino-Tod in „Halt auf freier Strecke“

„Beim Sterben hilft der Film mir nicht“

Osnabrück. Andreas Dresens „Halt auf freier Strecke“ schildert nüchtern und ungeschönt das Sterben eines jungen Familienvaters: Der DHL-Arbeiter Frank Lange erfährt, dass ein inoperabler Tumor sein Hirn zerstört. In seinen letzten Monaten begleiten ihn seine Frau und seine Kinder durch Wut und Verzweiflung, durch Verwirrung und körperlichen Verfall. Die Hauptrolle spielt Milan Peschel, der den Film am Freitag im Cinema-Arthouse vorstellt.

 
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Nach dem Dreh ist er glücklich nach Hause gefahren: Milan Peschel, Darsteller eines jungen Familienvaters, der an einem Gehirntumor stirbt. Foto: Rommel Film

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Herr Peschel, Sie legen als Sterbender einen schauspielerischen Parforce-Ritt hin. Ist das eine besonders schöne oder besonders belastende Rolle?

Im Nachhinein ist sie besonders schön, aber währenddessen sehr belastend. Der Dreh war toll, ich habe es geliebt – aber es blieb schlimm.

Haben Sie in der Vorbereitung mit Sterbenden gesprochen?

Nur mit Hinterbliebenen und mit Ärzten. Ich kann mir nicht vorstellen, in diese Situation zu platzen. Nach dem Motto: Hey, wir machen einen Film; wie ist denn das so, wenn man bald stirbt und wegen des Hirntumors das Klo nicht mehr findet? Ich glaube, man braucht in dieser Phase nur noch eins: Geborgenheit und das Gefühl, die restliche Zeit gut zu leben.

Am Anfang des Films sieht man die Kernspin-Aufnahme eins realen krebskranken Gehirns. Kennen Sie den Menschen zum Bild?

Nein, wir durften auch nicht wissen, wer das ist. Wir haben ihm über den Arzt, von dem das Foto kam, gedankt. Aber wir wussten nicht mal, ob er da noch lebte.

Wie haben Ihre eigenen Kinder es weggesteckt, Sie sterben zu sehen?

Ich haben denen so oft gesagt, dass alles gespielt ist, dass es ihnen zu den Ohren rauskam. Die haben nur gesagt: Wir sind nicht doof. Trotzdem hat es sie berührt. Meine Frau nimmt es zum Beispiel viel mehr mit, das zu sehen. Oder meine Mutter. Die Kinder sehen das rational.

Hat Sie der Dreh verändert?

Der Film wird mir jedenfalls überhaupt nicht helfen, wenn ich sterbe. Helfen tut er mir höchstens beim Leben. Nach den Drehtagen bin ich immer glücklich nach Hause gefahren: Toll, ich bin am Leben, meine Familie ist toll, mein Beruf ist toll, ich habe alle Gründe, glücklich zu sein!

Finden Sie den Film hoffnungsvoll oder bedrückend?

Hoffnungsvoll! Natürlich! Total! Das ist ein Plädoyer nicht nur für das Sterben zu Hause, sondern für Zusammenhalt, für Liebe, für Familie, für tolle Ärzte.

Trotz seiner realistischen Erzählweise verwendet Dresen einen surrealen Kunstgriff: Er lässt einen Schauspieler als Verkörperung des Tumors auftreten.

Wir wollten eine Ebene der Reflexion einbringen – und auch des Absurden. Dieser Einfall kam aus den Recherchen zu Therapiemethoden. Es gibt einen Ansatz, bei dem der Patient seine Krankheit visualisieren soll, um besser mit ihr umzugehen. Das haben wir wörtlich genommen. Meine Figur Frank Lange stellt sich die Krankheit eben als Menschen vor.

Noch ein Kunstgriff: Lange spricht seine Gedanken in die iPhone-Kamera. Wie sind die Bilder entstanden? Und wie wurden sie auf Kinoformat gepumpt?

Das haben wir uns als Entsprechung zum Tagebuch gedacht. Ich habe das wirklich mit einem iPhone gedreht; die Qualität war eher zu gut, wir mussten es nachbereiten, um das Bild schlechter zu machen.

Hat Dresen die Monologe geschrieben?

Die iPhone-Passagen sind improvisiert. Da war Andreas nicht mal dabei. Ich habe sehr viel Material produziert, und die Kunst bestand darin, das Passende auszuwählen.

Andreas Dresens Vater ist auch an einem Hirntumor gestorben; wahrscheinlich hatte jeder im Filmteam Erfahrungen mit dem Tod von Verwandten.

Klar, das war immer Thema. All die Einzelgeschichten von uns. In der Zeit ist auch der Vater von Leander Haußmann gestorben, auch an einem Hirntumor; Steffi (Kühnert, die weibliche Hauptdarstellerin, Anm. d. Red.) ist eng mit der Familie befreundet und hat viel erzählt. Mir hat das Gespräch sehr geholfen.

Am Ende des Films sagt die Tochter am Sterbebett: „Ich muss zum Training.“ Ich finde, das ist einer der besten Schlusssätze aller Zeiten.

Der stand schon fest, bevor das Drehbuch geschrieben war. Talisa – das Mädchen, das die Tochter spielt – hat ihn wirklich gesagt, als ihre Mutter an Krebs gestorben ist.

So nah ist die Schauspielerin an der Geschichte?

Andreas wollte sie deswegen eigentlich nicht besetzen. Sie wollte das unbedingt spielen, aber er hatte Angst um sie und Angst um das Projekt. Talisa hat sich durchgesetzt, und es war ganz toll, das mit ihr zu machen.

Filmevent des Monats: Milan Peschel stellt seinen Film am Freitag, 11. November, um 19 Uhr im Cinema-Arthouse persönlich vor. Anmeldung zu der Veranstaltung unter Tel. 0541/600650.



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