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Penisverbot für das „Zeit“-Magazin bei Facebook?
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Aktuelles Cover verschwunden

Penisverbot für das „Zeit“-Magazin bei Facebook?

Osnabrück. Zu provokant? Bei Facebook ist das aktuelle Cover des „Zeit“-Magazins verschwunden. Es zeigte einen Penis. Möglicherweise wurde es direkt von Facebook gelöscht. „Es ist, als hätte es nie existiert“, beschreibt Chefredakteur Christoph Amend den Fall. Bislang hat sich das soziale Netzwerk nicht zu dem Fall geäußert.

 
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Hier ist das erste Bild des aktuellen Covers des „Zeit“-Magazin. Foto: Zeit Magazin ... und hier der das Bild, das es bei Facebook nicht mehr gibt. Foto: Zeit Magazin Auf der Facebook-Seite des „Zeit“-Magazin bedauern die Fans das Verschwinden des Posts. Foto: Screenshot

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Dass Facebook gerne Daten löscht , ist mittlerweile bekannt. So berichtete das Nachrichtenmagazin Spiegel Online bereits im Februar dieses Jahres über ein geheimes Handbuch für Facebook-Kontrolleure . „Kiffen, zerquetschte Köpfe, tiefe Fleischwunden – alles kein Problem. Nicht okay sind Sex, weibliche Brustwarzen, Tierquälerei: Solche Bilder werden gelöscht“, heißt es. Aktuell davon betroffen ist das „Zeit“-Magazin. Bei Facebook haben Mitarbeiter das aktuelle Cover gepostet, das, wie auch alle anderen Cover des Magazins, aus zwei Teilen besteht: Auf einem Bild ist ein Mann mit nacktem Oberkörper zu sehen, auf einem weiteren ist der Mann komplett nackt. Sprich: Der Betrachter sieht seinen Penis.

Wie Chefredakteur Christoph Amend im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet, wurde das erste Bild wie immer am Mittwochnachmittag auf die Facebook-Seite gestellt. Etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde später zeigten sie das Bild mit dem Penis. Daraufhin habe es eine Diskussion über das Titelthema gegeben, das sich mit der männlichen Nacktheit und der Frage beschäftigt, warum Nacktbilder von Männern keine Rolle spielen. Die These des Textes: Das männliche Geschlechtsteil muss gezeigt werden.

Ein Leser habe einige Zeit später darauf hingewiesen, dass der Beitrag gelöscht wurde: „Hmmm ... hat das „Zeit“-Magazin hier einen eigenen Post zensiert, weil ein nackter Männerkörper zu sehen war? Wo ist er hin?“, wollte Markus W. wissen. Die Mitarbeiter des „Zeit“-Magazins waren ratlos: „Wenn wir das nur wüssten, lieber Markus W., wir haben den Post jedenfalls nicht gelöscht.“

Christoph Amend erklärt, dass die Löschung nicht dokumentiert sei, es habe auch keine Benachrichtigung von Facebook gegeben. Auch die Anfrage an das soziale Netzwerk sei bislang nicht beantwortet worden.

Update: Auf Anfrage des „Zeit“-Magazins lässt Facebook auf seine Community-Standards verweisen.

Dass die Kontrolleure von Facebook eingegriffen haben, ist bislang also nur eine Vermutung. Allerdings gebe es keine Anzeichen, dass der Account gehackt wurde, so Amend.

Die Reaktionen der Facebook-Fans auf den gelöschten Eintrag waren zahlreich, aber es schien niemanden zu überraschen. Eine Userin schlägt vor, das Geschlechtsteil mit einem senkrechten schwarzen Balken zu zensieren. Andere finden es albern und schade, weil sie es schon geteilt hatten. Was Nacktheit und Pornographie betrifft, vertritt Facebook folgenden Standpunkt : „Facebook verfolgt strikte Richtlinien gegen das Teilen pornographischer Inhalte und hat Grenzen für die Darstellung von Nacktheit definiert. Gleichzeitig sind wir bestrebt, das Recht der Menschen persönlich bedeutsame Inhalte miteinander zu teilen zu respektieren, unabhängig davon, ob es um Fotos von Skulpturen, wie zum Beispiel Davide von Michelangelo, oder um Familienfotos einer stillenden Mutter geht.“

Eine weitere Merkwürdigkeit fiel den Mitarbeitern heute Morgen auf: Das Titelbild der Chronik ist ebenfalls verschwunden. Dort sei aber kein Penis zu sehen gewesen, sondern eine nackte Männerbrust, berichtet Amend. Ein ähnliches Bild also wie von der Männerbrust, die auf dem Profilbild nach wie vor zu sehen ist. Warum die eine Männerbrust gelöscht wurde und die andere nicht, bleibt ebenfalls ein Rätsel.

Interessant findet Christoph Amend die Tatsache, dass sich die ersten Sätze der Titelgeschichte von Elisabeth Raether schon jetzt zu bewahrheiten scheinen : „Welche Frau nicht das Glück hat, mit einem Mann zusammen zu sein, bekommt selten einen Penis zu Gesicht. Penisse lassen sich in der Öffentlichkeit kaum blicken.“ Auch dieser Penis hat sich, wohl ungewollt, wieder aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.


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  Leserkommentare

 
Marco M., Donnerstag, Juli 26, 2012 um 16:52 Uhr Amerikanische Moralvorstellungen Facebook handelt nach amerikanischen Moralvorstellungen. Ob aus Überzeugung oder aus Furcht vor millionenschweren Klagen, sei mal dahingestellt, jedenfalls missioniert Facebook (und andere) damit die Welt. Weil Facebook und Co. eine solch breite Aufmerksamkeit rund um den Erdball haben, erziehen sie damit die Konsumenten überall. Es ist zu erwarten, daß über kurz oder lang die Beeinflussung so stark wird, daß auch Europäer (zumindest die Jugend) diese Moralvorstellung für normal, für die einzig möglichen halten und sie erwarten. Europäische Vorstellungen gehen dagegen verloren. Wie verlogen die Vorstellungen in den USA sind, erkennt dann keiner mehr.
Die ZEIT sollte mal ein Experiment machen: per Bildbearbeitungsprogramm denselben Penis von einem noch blutigen Messer abgeschnitten zeigen. Das wäre dann Gewalt, und die kann man in den USA problemlos zeigen.
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