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Ein Mann für Mona Lisa
Osnabrück. Frauen moderieren Sportsendungen, und daran scheint sich niemand mehr zu stören. Aber ein Mann, der ein Frauenmagazin moderiert, muss immer noch mit Vorurteilen kämpfen. So wie Alexander Mazza, der nun als Zweitmoderator des ZDF-Magazins „ML Mona Lisa“ eine Barriere durchbrechen will.
„Weichei. Damit wurde er tatsächlich tituliert“, erzählt Sibylle Bassler im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Redaktionsleiterin des ZDF Magazins „ML Mona Lisa“ lacht. Der Mann, von dem sie spricht, ist Alexander Mazza. Er übernimmt ab heute neben Barbara Hahlweg die Zweitmoderation der Sendung – und da diese als Sendung für Frauen bekannt ist, muss Mazza mit dem Spott leben. Doch warum eigentlich?
Das fragt sich auch Mazza selbst im Gespräch mit unserer Zeitung: „Warum sollte ein Mann das nicht machen dürfen?“ Als „Weichei“ fühlt er sich auf unsere Nachfrage hin auch „ganz und gar nicht. Diese Schlussfolgerung finde ich total Banane“, sagt er und lacht. „Doch so etwas spiegelt auch wider, was generell falsch läuft.“
Jedoch war er „anfangs selbst überrascht, dass für das Magazin ein männlicher Moderator gesucht wurde“. Und er gibt auch zu, dass er „ML Mona Lisa“ in der „Vergangenheit nicht so verfolgt hat wie meine Mutter“. Doch jetzt werden Themen behandelt, die beide Geschlechter ansprechen: „Es gab eine Wandlung vom Frauen- zum Gesellschaftsmagazin. Und die trage ich als Moderator nun mit.“
Dass der Blick für moderne Probleme von Männern ebenfalls geschärft wird, findet er nur richtig: „Viele Väter werden noch schief angesehen, wenn sie Elternzeit beantragen. Das ist ein Riesenproblem.“
Mazza kennt sich aus mit Männerthemen, allerdings anders als von „ML“ fokussiert: So moderierte er auf dem sich selbst als „Männersender“ bezeichnenden D-Max die Sendung „GQ TV – Das Magazin“ und die schnell eingestellte Sat.1-Show „Mister Perfect – Der Männer Test“. Waren diese Vorerfahrungen der Grund für seinen Ruf zu „ML Mona Lisa“? „Nein. Er ist uns sehr positiv aufgefallen und entspricht unseren Vorstellungen“, sagt Bassler über Mazza. Zudem habe er „eine starke Mutter, Schwestern und werde bald Vater einer Tochter“. Privat ist er also schon von Frauen umgeben und weiß, dass ein erfolgreiches Zusammenleben nur im Miteinander der Geschlechter funktioniert. Damit sei er „die Klientel Mann, die wir ansprechen wollen“.
„Rund 40 Prozent unserer Zuschauer sind schon Männer“, sagt sie. Generell findet sie, dass „wir Frauen die Gesellschaft ohne die Männer nicht verändern können“. Deshalb muss der Mann mitgenommen werden. „Ein Magazin nur für Frauen ist nicht mehr zeitgemäß.“ Das war 1988 noch anders.
Im April wird es 24 Jahre her sein, dass die erste „ML Mona Lisa“-Sendung im ZDF gesendet wurde. Koch Paul Bocuse bereitete Roastbeef zu, dazu gab es Schminktipps. Kein Wunder, dass es damals wegen der Themenauswahl Kritik am „ersten bundesweit ausgestrahlten Frauenjournal“ hagelte. Doch die Sendung wurde politischer: Der Paragraf 218, Gewalt in der Ehe, die „PorNo“-Bewegung und die Massenvergewaltigungen während des Bürgerkrieges im ehemaligen Jugoslawien in den 1990er-Jahren wurden thematisiert.
Mit Angela Merkel als Bundeskanzlerin ist die Emanzipation heute im zweithöchsten Amt des Staates angekommen. Frauen moderieren Politsendungen, kandidieren für das Amt des amerikanischen Präsidenten, und einige wenige dürfen sogar mit in die Aufsichtsräte der deutschen DAX-Konzerne.
„Das Klima hat sich verändert. Das Bild des bösen Mannes, der am Elend der Frauen schuld ist, gibt es nicht mehr. Alles ist differenzierter geworden. Und ein Magazin, das dies nicht anerkennt, wäre nicht mehr zeitgemäß“, findet Bassler. Sie ist seit dem Beginn des Magazins mit dabei, war erst stellvertretende, seit 2008 dann Redaktionsleiterin. „Man kann keine Politik gegen die Männer machen, sondern nur eine, in der Frauen und Männer zusammenstehen.“
Erste Konsequenz aus diesem Paradigmenwechsel war deshalb die neue Ausrichtung des Magazins: Seit Mai 2011 heißt es im Untertitel „Frauen, Männer & mehr“. Mit dem Einsatz von Mazza als Moderator werde diese neue Richtung nun „konsequent weiterverfolgt“.
Wie Bassler sagt, habe die Redaktion damit gerechnet, dass das Medienecho auf die Verpflichtung eines Mannes als Moderator groß sein wird. „Dabei ist er gar nicht der erste Mann, der „ML Mona Lisa“ moderiert: 1999 gab es einen Gastauftritt von Steffen Seibert, der eine Sendung mitmoderierte.“ Thema damals: „Mann + Frau = Chaos²“. Seiberts Einsatz hat ihm wenig geschadet: Er war jahrelang Sprecher der „heute“-Nachrichten, ist aktuell Regierungssprecher – und sein Chef ist eine Frau.
ML – Mona Lisa:Samstag, ZDF, 18 Uhr.
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21.05.2011
