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Ohne jeden Schnickschnack: Nikolaus Brender interviewt jetzt bei n-tv
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Autor: Reinhard Lüke 06. Februar 2012 14:07 Uhr

Harte Fakten, harte Kost

Ohne jeden Schnickschnack: Nikolaus Brender interviewt jetzt bei n-tv

Köln. Vergangenen Mittwoch, einen Tag vor der Premiere seiner neuen Sendung bei n-tv, wirkte Nikolaus Brender am Telefon ganz entspannt. Von Nervosität keine Spur. Und das, obwohl er sich für sein Debüt mit Wolfgang Schäuble ein politisches Schwergewicht ins Studio geladen hatte.

 
Vertrautes Gesicht in neuem Umfeld: Der beim ZDF als Chefredakteur in Ungnade gefallene Nikolaus Brender hat jetzt eine Talksendung beim Nachrichtensender n-tv. Foto: dapd  Vergrößern

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Aber schließlich ist auch Brender kein Newcomer. Der 63-Jährige war Redakteur bei den „Tagesthemen“, Südamerika-Korrespondent der ARD, Auslandschef und Chefredakteur beim WDR, bevor er 2000 in der derselben Funktion zum ZDF wechselte. Vor zwei Jahren entschied der von den Unionsparteien dominierte Verwaltungsrat des Senders, den Vertrag mit dem parteilosen, streitbaren Journalisten nicht zu verlängern.

Nach seinem unfreiwilligen Abstieg vom Mainzer Lerchenberg hat sich der Mann mit dem markanten Schnauzbart fast völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. „Nach Jahrzehnten im Job und dem ganzen Theater um meine Nicht-Vertragsverlängerung“, so Brender, „habe ich mir ein Sabbat-Jahr verordnet und mich meiner Familie gewidmet. Das hat mir ausgesprochen gut getan.“

Auch mit seinem ehemaligen Sender hat er offenbar seinen Frieden gemacht. Nur über die „Einflussnahme der Politik auf öffentlich-rechtliche Sender“ kann er sich immer noch aufregen wie vor zwei Jahren. „Dass die Lage beim ZDF kein Einzelfall ist, hat man schließlich erst wieder bei der jüngsten MDR-Intendantenwahl mit ihren politischen Scharmützeln gesehen.“ Und so setzt er große Hoffnungen in das Bundesverfassungsgericht, das demnächst über die Klage des Landes Rheinland-Pfalz gegen die Zusammensetzung der ZDF-Gremien befinden muss. „Es wäre wünschenswert“, so der gebürtige Freiburger, „wenn das Gericht dabei seine Grundsätze für die Staatsferne der Sender unverrückbar präzisiert, die es selbst in früheren Urteilen angemahnt hat.“

Von irgendwelchen Gremienentscheidungen dürfte Nikolaus Brender bei seinem neuen Sender n-tv weitgehend verschont bleiben. Dass er nun mit der politischen Interviewsendung „Bei Brender!“ überhaupt wieder auf den Bildschirm zurückkehrt, hat mit der Überredungskunst von Friedrich Küppersbusch zu tun, der das Format produziert. Und die Auftaktsendung fiel denn auch merklich aus dem Rahmen der üblichen Polit-Talks.

In einer grauen Studiodekoration mit roter Auslegware befragten Brender und drei Print-Journalisten in merkwürdiger Sitzordnung 45 Minuten lang den Finanzminister. „Die Deutschen haben Angst, dass die Griechen ihnen das Geld aus der Hose klauen“, gab Brender salopp vor. Doch sein Gast ließ sich dadurch erwartungsgemäß nicht aus der Reserve locken. Schäuble holte erst einmal weit aus und legte die Vertracktheit der Materie dar. Im weiteren Verlauf bewegte sich die Diskussion zwischen einem Länder-Hopping, in dem die wirtschaftliche Lage fast sämtlicher EU-Staaten verhandelt wurde, und einem Fachgespräch um Fiskal- und Stabilitätspakte und Hilfspakete, um unter dem Stichwort „Innenpolitik“ schließlich auch noch bei Spitzensteuersätzen und Tarifautonomie zu landen. Harte Kost für Menschen, die gerade erst von der Arbeit nach Haus gekommen waren und es sich vor dem Fernseher gemütlich machen wollten.

So wünschenswert so eine konzentrierte Politiker-Befragung ohne jeden Schnickschnack (und erstaunlicherweise ohne Werbeunterbrechung) sein mag, so wenig Sinn macht dieser Sendeplatz um 17.15 Uhr. Den hat Nikolaus Brender sich nicht ausgesucht, aber warum der private Nachrichtensender für seinen prominenten Neuzugang keinen Abendtermin frei machen wollte, bleibt rätselhaft. Auch der Umstand, dass „Bei Brender!“ nur jeweils am ersten Donnerstag des Monats zu sehen ist, dürfte dem Format keine sonderlich große Popularität bescheren. Doch damit kann Nikolaus Brender nach eigenem Bekunden bestens leben: „Der Ausstrahlungsmodus kommt mir sehr entgegen. Ich muss nicht jede Woche auf den Bildschirm.“

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