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Tippspiel
Das Geheimnis des Erfolgs
Osnabrück. Der Januar war kein guter Monat für Sat.1. Durchschnittlich nur 9,9 Prozent in der „werberelevanten“ Gruppe der 14- bis 49-Jährigen ließen sich vom Münchener Sender ködern. Wie es besser funktioniert, beweist der Montagabend mit guten hausgemachten Serien. Heute starten „Der letzte Bulle“ und „Danni Lowinski“ in die dritte Saison.
Am Ende der zweiten Staffel von „Der letzte Bulle“ wurde doch tatsächlich Tanja Haffner (Proschat Madani) von einer Kugel getroffen. Erleidet die Essener Polizeipsychologin nun das gleiche Schicksal wie ihr einstiges Mündel Obermacho Mick (Henning Baum), der sich nach 20 Jahren Koma in einer Welt voller Suchmaschinen und Mobiltelefone zurechtfinden muss? Und was soll nur aus der beziehungsunfähigen Kölner Anwältin Danni Lowinski (Annette Frier) aus der gleichnamigen Serie werden, nachdem ihr Freund Sven Fersengeld gegeben hat? Zurück zum blöden Oliver Schmidt? Es sieht zumindest so aus, wenn man sich die erste Folge der neuen Staffel anschaut. Und auch das Verhältnis des Essener Bullen zu „seiner“ Tanja schlägt neue Pfade ein.
Unterschiedlicher können zwei Serien innerhalb einer Programmschiene kaum sein, wie es regelmäßig „Der letzte Bulle“ und „Danni Lowinski“ montags bei Sat.1 vormachen. Und dabei extrem erfolgreich im Vergleich zum Gesamtprogramm des Münchener Senders sind. Einen Grund für den Erfolg am Montagabend hat Sat.1-Geschäftsführer Joachim Kosack unlängst der „Süddeutschen Zeitung“ verraten. Gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz insbesondere von RTL könne Sat.1 nur dann bestehen, wenn man dort etwas völlig anderes sende. Montags mit „Der letzte Bulle“ und „Danni Lowinski“ gegen Jauch und Rach funktioniert das Rezept längst. Da sind in der Zielgruppe schon mal knapp 20 Prozent Marktanteil drin.
Entscheidend für den Erfolg beider Serien sind aber freilich ganz besonders auch gute Ideen und Drehbücher. Die Rechte an „Danni Lowinski“ wurden für eine Adaption sogar in die USA verkauft.
Hinter der Kölner Schnodderschnauze mit Herz, Hirn und Anwaltsklapptisch steckt vor allem Headautor Marc Terjung. Als Produzent Markus Brunnemann mit der ursprünglichen Idee zu dieser „Anwältin aus der Unterschicht“ auf ihn zukam, hatte Terjung dann selber noch eine entscheidende Eingebung. Man solle diese „Figur nicht in eine normale Anwaltskanzlei packen, sondern in ein Einkaufszentrum“, schildert Terjung im Gespräch mit unserer Zeitung die Geburt der außergewöhnlichen Serie.
Die Drehbücher dazu entstehen nicht mehr ausschließlich nach altbekannter Methode im stillen Kämmerlein der jeweiligen Autoren, sondern auch im sogenannten „Writers Room“, wo alle Autoren gemeinsam zusammentreffen. „Das hat verschiedene Vorteile. Die Autoren freuen sich, weil der Autor ja sonst einsam und traurig ist“, sagt Terjung halb im Scherz, halb ernst.
Noch wichtiger aber sei der gegenseitige kreative Austausch auf Augenhöhe. „So entsteht – altmodisch gesprochen – eine Situation, die herrschaftsfrei ist, wo man sich gegenseitig die Ergebnisse auf den Tisch legen kann. Da kann jeder dem anderen helfen, eine schöne Serie zu machen. Das ist etwas anderes, als wenn der Produzent oder jemand vom Sender dabei ist“, fasst Terjung die Stärken dieser aus den USA stammenden Arbeitsweise zusammen.
Da erscheint es beinahe wie eine Ironie des Schicksals, dass die Serienadaption in den USA nicht gelingen will. Ausgerechnet mit der mangelhaften Arbeit dortiger Drehbuchautoren wird das letztjährige Scheitern eines von CBS in Auftrag gegebenen Pilotfilms zu einer US-Version von „Danni Lowinski“ begründet. Jetzt werde die Serie in einem zweiten Versuch „neu entwickelt“, wie Lauri Metrose von CBS auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt.
Ob man somit auf einen zweiten US-Pilotfilm hoffen dürfe? „Not necessarily – nicht notwendigerweise“, so die lapidare Antwort aus den CBS Television Studios. Dem hiesigen Erfolg dürfte dies keinen Abbruch tun.
Der letzte Bulle, Sat.1, Montag, 6. Februar, 20.15 Uhr; Danni Lowinski, 21.15 Uhr
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