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Tippspiel
Jenseits von Ruhm und Erfolg
Osnabrück/Hagen. Sie sind ganz unten, im Tabellenkeller der Bundesliga. Ihre Halle ist eine Baustelle. Sie spielen schlecht, und manchmal sind sie wütend aufeinander. In der Saison 2009/10 kämpfen die Basketballer von Phoenix Hagen gegen den Abstieg. Regisseur Jens Pfeifer begleitet sie in dieser Zeit.
„Als der Anruf kam“, berichtet Ingo Freyer: „Da habe ich erst einmal Nein gesagt.“ Freyer ist Trainer der Hagener. Vor jener Saison ist er mit dem Traditionsclub erst wieder in die Bundesliga aufgestiegen, und ihm war klar: „Auch ohne Kameras haben wir einiges um die Ohren.“ Nicht absteigen etwa. Und den „Bau“ einer Halle. Wieso er sich umentschied? Es hat mit Vertrauen zu tun. Er traf sich mit Regisseur Jens Pfeifer und stellte feste: „Wir haben eine Wellenlänge.“
Alles wurde gefilmt. „Genauso war es. Dieser Blick hinter die Kulissen, der macht es so interessant“, sagt Bernd Kruel, Center-Urgestein des Teams. „Phoenix in der Asche“ ist kein Sportfilm. Es ist ein Sportler-Film. Spielszenen gibt es kaum. Es geht nicht um Ruhm oder Erfolge, sondern darum, Niederlagen zu verhindern oder sie wenigstens zu verkraften.
Im Mittelpunkt steht Michael Hakim Jordan, der nicht nur wegen der Namensähnlichkeit zu einem NBA-Star bekannt ist. „Wer ihn holt“, sagt Freyer, „der weiß, was er bekommt: ein Arschloch.“ Er meint es nicht negativ. Genau so einen hat er gesucht, „einen der aneckt, der Emotionen reinbringt. Ohne Arschloch“, sagt er, „kannst du nicht gewinnen.“
Während der Saison wird Jordan, mit dem Freyer einst bei den Artland Dragons zusammenspielte, geholt. Die ersten drei Spiele mit ihm gewinnt Hagen sofort. Jordan wird zum „Retter“ und kurz vor Saisonende gefeuert.
Er selbst hat den Film noch nicht gesehen, irgendwann will er es tun. „Ich habe eine Kopie auf DVD“, sagt er: „Ich bin ja schließlich da zu sehen.“ Jordan schimpft in der kalten Halle („Dafür bezahlen sie mir nicht genug“) oder gerät mit Kollege Chase Griffin aneinander („Er gibt mir keinen Ball“). Über die Zeit, sagt er, habe er die Kameras ganz vergessen. „Wenn ich mir ihrer bewusst gewesen wäre, hätte ich vielleicht nicht so viel geflucht“, meint er scherzhaft. Manchmal aber sieht es so aus, als würde er mit ihnen spielen.
Dennoch lebt der Film von der Ehrlichkeit seiner Figuren, der schlichten Machart und den vielen kleinen Randaspekten. Wenn Freyer mit seinem Kotrainer ein anderes Spiel ansieht und fragt: „Warum können wir das eigentlich nicht?“, ist die pure Verzweiflung spürbar. Wenn Jordan Probleme beim Eierbestellen hat, sieht man, in welcher Parallelwelt die amerikanischen Profis hierzulande oft leben. „Ob der Film auch für Nicht-Basketball-Fans interessant ist“, sagt Kruel und überlegt, „das weiß ich gar nicht.“ Er ist es.
„Phoenix in der Asche“, WDR, 23.15 Uhr
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