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Tippspiel
Stoffe, Designer, Ikonen
Osnabrück. Berlin, New York und an diesem Wochenende Paris: Anfang jeden Jahres folgt eine Fashion Week auf die nächste. Richtig also, dass 3sat sich 24 Stunden lang der Mode und all ihren Begleiterscheinungen widmet. Denn Kleider machen nicht nur Leute, sondern auch Programm.
Wahre Modefreunde sollten dabei leger gekleidet und aufgeweckt sein, denn schon um 6 Uhr in der Frühe geht es los mit „’s Gwand vom Land – Die Tracht zwischen Uniform und Vielfalt“. 3sat zeigt nämlich nicht nur Dokumentationen über die für die meisten Menschen untragbare und unbezahlbare Haute Couture, sondern auch Filme über die Nebenerscheinungen der schönen Stoffe und Körper.
Dazu gehören dann auch Dokumentationen über das Existenzielle aller Kleidung: die verschiedenen Stoffe von „Samt und Seide“ (6.25 Uhr) über „Kamelhaar“ (7.10 Uhr), Perlon (11.35 Uhr), Tweed (12.50 Uhr) bis hin zum Jeansstoff (14.15 Uhr). Gerade letztere Dokumentation mit dem schönen Titel „Das blaue Wunder“ erzählt die spannende Geschichte eines Materials, das zuerst den Arbeitern vorbehalten war und heute aus keinem Kleiderschrank der Welt mehr wegzudenken ist.
Doch auch die Modemacher kommen nicht zu kurz. Besonders interessant ist dabei die schon um 8.20 Uhr laufende Dokumentation „Harald Glööckler. Ein Mann. Eine Marke“. „Welche Frau wäre nicht gerne eine Prinzessin“, erklärt Filmemacherin Martina Treuter im Gespräch mit unserer Zeitung den Erfolg des Modeschöpfers, der mit seinem zumeist auf Verkaufssendern wie QVC zu erwerbenden Produkten des Labels „Pompöös“ die Damenwelt glücklich macht. Und indem er gezielt eine Gruppe anspreche, die andere Modemacher oft vergessen – Frauen über 40, oftmals etwas kräftiger gebaut und mit Hang zu Glitzer und Kitsch – habe er großen Erfolg, sagt Treuter. „Er inszeniert sich und auch die Welt um sich. Sogar bei dem Dreh wollte er die Regie übernehmen“, erzählt sie und lacht.
Seriöser und anerkannter sind da natürlich Modeschöpfer wie Nino Cerruti oder Sonia Rykiel, die um 13.35 Uhr und 14.55 Uhr porträtiert werden. Aber wie schon beim Paradiesvogel Glööckler ist es besonders die Dokumentation über Aenne Burda um 16.30 Uhr, die fesselt: Eine Selfmade-Frau baut in den Wirtschaftswunderjahren ein Familienunternehmen auf, das auch heute noch den deutschen Medienmarkt maßgeblich mitbestimmt.
Schön ist es auch, wenn sich der Thementag dem Fußvolk der Modebranche widmet: den Schuhmachern. In „Von Schuhen und Machern“ wird dafür nicht nur der durch die Serie „Sex and the City“ in den Schuh-Olymp gehobene Designer Manolo Blahnik besucht, sondern auch Traditionalisten wie John Hunter Lobb und der Öko-Schuh-Hersteller Heinrich Staudinger. „Seit dem Dreh achte ich aktiv auf die Schuhe von Menschen, die mir begegnen“, erzählt Eva Gressel.
Die Redakteurin des österreichischen Senders ORF hat für den Film die Interviews mit den Schuhmachern geführt. „Generell hat der Schuh in der Kulturgeschichte der Mode einen wesentlich höheren Status als andere Accessoires wie beispielsweise Taschen“, findet sie. Tausende schuhverrückter Konsumenten geben ihr garantiert recht.
Und natürlich werden auch die Personen porträtiert, die den Menschen die Mode präsentieren und spätestens seit den 80er-Jahren von einem eigentümlichen Nimbus umgeben sind: Models. In „Zu schön, um wahr zu sein“ (7.20 Uhr) werden sie bei ihrer Arbeit zwischen Kundentermin, Agentur und Shooting begleitet. Ab 20.15 Uhr geht es dann Schlag auf Schlag weiter: Zuerst wird in „Kate! Vom Model zur Ikone“ über Kate Moss das ewige It-Girl der Modewelt porträtiert. Nicht minder uninteressant ist die darauf folgende Kurz-Doku „Schätzchenjagd in Brasilien“ über das Suchen und Finden einer neuen Giselle Bündchen.
Im Spielfilm „Valerie“ (21.35 Uhr) hingegen kippt das Bild des Traumjobs: Hier versucht ein Model verzweifelt, den Schein ihrer nicht mehr heilen Welt aufrechtzuerhalten. Später wird in „Der schöne Mann: Aus dem Leben eines Fotomodells“ auch die Welt männlicher Models beleuchtet. Und leider viel zu spät (1.20 Uhr) geht es in „Tod auf dem Laufsteg“ um die traurigste Seite des Geschäfts: Magermodels.
Zwischen den Dokumentationen sorgen Filme mit dem Thema Mode für Unterhaltung. Ein besonderes Kleinod ist dabei der in den Londoner Ealing-Studios gedrehte Schwarz-Weiß-Streifen „Der Mann im weißen Anzug“ (10.15 Uhr) aus dem Jahr 1951 mit Alec Guinnes als leicht verrücktem Stoff-Forscher.
Aber auch mit der unverbesserlichen Inge Meisel gibt es um 17.15 Uhr ein Wiedersehen. Als Putzfrau wünscht sie sich „Ein Kleid von Dior“. Ob der Titel des Spielfilmes von 1982 noch aktuell ist? Heute würde er wohl eher „Ein Bustier von Pompöös“ heißen.
Mode, Models, Marken – Ein Thementag in 3sat, Sonntag, 29. Januar, ab 6.00 Uhr
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07.04.2012
