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„Hochglanz-Schwalbe“ - Dokumentarfilmer begrüßen „ZDFzeit“
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Dennoch skeptisch

„Hochglanz-Schwalbe“ - Dokumentarfilmer begrüßen „ZDFzeit“

Osnabrück. Das Zweite will sein Profil als Dokumentationssender weiter schärfen: An diesem Dienstag startet mit „ZDFzeit“ ein neues Format, das zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr (siehe „Schon gesehen“) gleichermaßen informieren wie unterhalten soll.

 
Prinz Rüdiger von Sachsen und das TV-Team entdecken den verschollenen Familienschatz der Wettiner in St. Petersburg. Ein Höhepunkt der ersten „ZDFzeit“. Foto: ZDF  Vergrößern

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ZDF-Chefredakteur Peter Frey ist kein Kind falscher Bescheidenheit: „Dokumentationen sind das Premium-Produkt des Fernsehjournalismus“, verkündet er vollmundig und grenzt seinen Sender gleich von der ARD ab, ohne diese namentlich zu erwähnen: „In Zeiten inflationärer Talkshows und zu vieler Köpfe, die oft nur Altbekanntes sagen, zeigen sie Bilder, die im Gedächtnis bleiben, bieten sie Erklärung, Emotion und Erkenntnis.“ Redaktionsleiter Roman Beuler weiß also, was sein Chef von ihm erwartet, und verspricht im Gespräch mit unserer Zeitung „optisch opulente Dokus“. Doch was halten Dokumentarfilmer vom neuen Sendeplatz? Wir haben nachgefragt bei Thomas Frickel, dem Vorsitzenden und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK):

 

Herr Frickel, wie beurteilen Sie das Konzept und den bis auf Weiteres festgeschriebenen 20.15-Uhr-Sendeplatz für „ZDFzeit“?

Dass das ZDF dienstags zur besten Sendezeit auf Dokumentarisches setzen will, ist absolut zu begrüßen. Obwohl „ZDFzeit“ den Ankündigungen zufolge streng quotenorientiertes und in der Themenwahl offenbar auch sehr mainstreamiges Format-Fernsehen sein wird, weist die Entscheidung in die richtige Richtung.

 

ZDF-Chefredakteur Peter Frey bezeichnet Dokumentationen als „das Premium-Produkt des Fernsehjournalismus“ - finden Sie, dass sich das auch in den Programmen widerspiegelt?

Leider nicht so richtig – und es spiegelt sich erst recht nicht in der hausinternen Verteilung der Gebührenmittel. Wir haben erst kürzlich eine Umfrage unter unseren Produzenten gemacht: Nur 15 Prozent der dokumentarischen Produktionen für das ZDF werden vom Sender voll finanziert, viele kriegen nur 60, 50 und manchmal auch nur 40 Prozent dessen, was der Film eigentlich kostet. Das zeigt eigentlich eher eine Geringschätzung. Für sogenannte Hochglanzformate wie „ZDFzeit“ ist das sicher anders, aber ob das jetzt schon eine generelle Trendwende einläutet? Warten wir lieber erst mal ab. Ein paar Hochglanz-Schwalben auf exponierten Sendeplätzen machen auch im ZDF noch keinen Dokumentarfilm-Sommer.

 

Mit Ausnahme von Naturfilmen hat die ARD keine Dokumentation mehr zur besten und auch nicht zu guter Sendezeit im Programm – sieht man in dieser Hinsicht „auf dem Zweiten besser“?

Na ja, auch die ARD versucht jetzt ja unter dem Eindruck der massiven Kritik an ihrem Talkshow-Overkill die Kurve zu kriegen und Dokumentationen besser zu präsentieren. Nach dem Primetime-Erfolg der Lidl-Geschichte ist das Abschieben dieser Programme in die Nachtstunden ja auch keinem mehr zu erklären. Selbst die eingefleischtesten Quoten-Fetischisten in den Sendern werden irgendwann kapieren, dass dokumentarische Sendungen, selbst wenn man sie endlich einmal anständig bezahlen würde, viel kostengünstiger, nachhaltiger, damit auch wirtschaftlicher – und zudem keineswegs erfolgloser als die meisten anderen Programme sind.

 

Was wünschen, erwarten und fordern Sie von den öffentlich-rechtlichen Sendern?

Dass sie endlich ihren Funktionsauftrag „Information, Bildung, Kultur“ ernst nehmen und nicht immer versuchen, der privaten Konkurrenz hinterherzuhecheln. Die Gebührenfinanzierung ist ja ein großes Privileg und befreit das öffentlich-rechtliche Fernsehen eigentlich vom Diktat des Marktes und der Quoten.

 

Warum?

Damit Programme entstehen können, die auf dem privaten Markt nie eine Chance hätten. Damit Themen, die für die Informationsvielfalt, die Meinungsfreiheit und den öffentlichen Diskurs in unserem Land wichtig sind, für alle Bürger frei zugänglich bleiben. Das sollten sich die Fernsehmacher mal endlich klarmachen, anstatt sich und andere jeden Tag mit selbst gemachtem Quotenstress unter Druck zu setzen. Und dann sollten sie ihre Dokumentarfilm-Projekte, die sie selbst als „Premium-Produkt“ bezeichnen, nicht durch ständige Einsparungen und Kürzungen an der ausgestreckten Hand verhungern lassen.

 

Haben Sie die Privatsender in Hinsicht auf Dokumentationen, die nicht „scripted“ sind, abgeschrieben?

Keineswegs. Die Privaten sind ja in vieler Hinsicht die Trendsetter. Der ganze Geschichts- und Wissenschaftsboom ist ja aus privaten (Sparten-) Kanälen herübergeschwappt, und auch die „Geheimnisse“, mit denen die „ZDFzeit“ startet, zielen natürlich auf ein Publikum, das sich solche Dinge sonst auf n-tv, Discovery oder ähnlichen Kanälen anschauen würde. Offenbar gibt es so etwas wie einen internationalen Doku-Standard, der die Trennlinien zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Programmen auch in diesem Segment allmählich verwischt. Von daher sind wir sehr gespannt, ob „ZDFzeit“ es schafft, eine wirklich unverwechselbare öffentlich-rechtliche Marke zu setzen. Wünschen würden wir es den Verantwortlichen auf jeden Fall.

 

Wie erklären Sie sich, dass es immer mehr Dokumentarfilme ins Kino schaffen, sie im Fernsehen aber einen derart schweren Stand haben?

Weil viele Programm-Verantwortliche feige sind, weil ihren das Quotendenken das Gehirn zerfressen hat und weil sie das Publikum so lange mit telegenen Fast-Food-Produkten vollgestopft haben, dass es Geschmacksverstärker inzwischen schon für etwas völlig Normales hält.


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