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Aufwühlende Dreharbeiten zu Spielfilm über die Tsunami-Katastrophe in Thailand
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Aufwühlende Dreharbeiten zu Spielfilm über die Tsunami-Katastrophe in Thailand
Aufwühlende Dreharbeiten zu Spielfilm über die Tsunami-Katastrophe in Thailand
Phuket. Sieben Jahre nach der Tsunami-Katastrophe hat das ZDF in Thailand die Schicksalsgeschichte von Billi Kramer und Michael Schäffer verfilmt. Die Dreharbeiten an Originalschauplätzen lösten bei der deutschen Filmcrew und den einheimischen Statisten aufwühlende Emotionen aus. Auch Hauptdarstellerin Veronica Ferres ließ ihre Tochter Lilly beim Spielen am Strand nicht aus den Augen.
Laurence Walker hat schlecht geschlafen. Die Bilder von damals sind wieder hochgekommen und mit ihnen die Angst. Jetzt ist die Nacht vorbei, aber der Albtraum geht weiter. Der 58-Jährige sitzt auf einem Klappstuhl vor dem Wat Kosit Wihan und starrt auf die Plastiksäcke, die auf dem Tempelvorplatz liegen. Den Trubel um ihn herum nimmt er kaum wahr.
Die Regisseurin ruft Anweisungen, Requisiteure verteilen Trockeneis, damit weißer Dampf über dem Set aufsteigt. Dass Schauspielstar Veronica Ferres direkt vor Walker steht, interessiert ihn nicht. Stattdessen fixiert er einen schwarzen Stumpf, der aus einem der Säcke schaut – ein verwester Fuß.
Laurence Walker ist Komparse beim Dreh zu „Tsumani – das Leben danach“. Die Produktionsfirma „teamWorx“ verfilmt das Schicksal von Billi Kramer und Michael Schäffer. Die beiden Deutschen waren am 26. Dezember 2004 mit ihren jeweiligen Familien in Phuket und Khao Lak, um Urlaub zu machen, als die Monsterwelle über die thailändische Küste brach. Beide verloren in der Naturkatastrophe ihre Kinder und die Ehepartner. Durch Zufall lernten sie sich kennen, halfen sich in ihrer Trauer und verliebten sich. Eine wahre Geschichte, die jetzt, teilweise an Originalschauplätzen, nachgespielt wird.
Ein Dreh voller Emotionen. Schließlich hat die Tsunamiwelle damals rund 230000 Menschen getötet, das Leben von Millionen auf der ganzen Welt verändert. Auch das von Laiendarsteller Laurence Walker. Der Deutsch-Kanadier ist 1974 nach Thailand gekommen, hat hier seine Existenz aufgebaut. Die Welle zerstörte sein Haus und seine Tauchschule. „Als ich den Komparsen-Job zugesagt habe, wusste ich nicht, welches Thema der Film haben würde“, sagt Walker. „2000 Bath, umgerechnet 50 Euro, bekommt ein Statist. Ich dachte, das ist leicht verdientes Geld. Aber die Szene ist so realistisch dargestellt, dass es mich bis ins Herz friert. Das Einzige, was fehlt, ist der Verwesungsgeruch, der damals über der Insel lag.“
Gedreht wird Tag zwei nach der Katastrophe. Billi, gespielt von Veronica Ferres, ist vor dem Tempel auf der Suche nach ihren Lieben. An langen Tafelwänden hängen Fotos von Vermissten und Suchaufrufe: „Nicole Schmidt – Missed on Pipi-Island“, „Wer hat Uwe Herrmann gesehen?“ Im Hintergrund steht Sum Mai mit kahl rasiertem Schädel und orangefarbener Mönchskutte. Im echten Leben ist er Handyverkäufer, seine Frau kocht in einer Garküche Nudelsuppen. Ein gutes Frühstück für die Thai – aber heute Morgen hatte Sum Mai keinen Appetit. „Wenn es hier zu viel arbeitet, streikt mein Bauch“, sagt er und tippt sich an die Stirn. „Ich habe geholfen, die Toten zu tragen. Beim Anheben hatte man plötzlich einen Arm in der Hand. Es gab nicht genügend Kühlhäuser.“ Während er von seinen Erinnerungen erzählt, bleibt ein Lächeln auf seinem Gesicht. Typisch für viele Thai will er seine Gefühle nicht zeigen.Alex Steinbrink legt Sum Mai die Hand auf den Unterarm. Der Setaufnahmeleiter lebt seit 22 Jahren auf der Insel. Als das Wasser stieg, habe er die Bedrohung zunächst nicht ernst genommen. Ein Nachbar habe ihn ins Auto gezerrt und sei in letzter Sekunde mit Vollgas der Welle davongefahren, erzählt Steinbrink.Ob Einheimische, Einwanderer, Schauspieler oder deutsche Crewmitglieder – fast jeder am Set hat einen privaten Bezug zu der Tragödie. Doch im Alltag wird in Thailand selten über den 26. Dezember gesprochen. Am Strand sind Schilder aufgestellt, die Fluchtwege für den Tsunami-Ernstfall zeigen. Eine blaue Riesenwelle auf weißem Grund, das soll beruhigen.
Der Fischer-Friedhof Mai Kao, auf dem zahlreiche, bis heute unidentifizierte Leichen begraben sind, liegt abgelegen in einem Wald, die Nummern-Gräber sind von Gestrüpp überwuchert. „Der Tsunami war eine Strafe. Die Menschen, die gestorben sind, hatten in ihrem vergangenen Leben Schuld auf sich geladen“, ist Sum Mai überzeugt. „Ihr schlechtes Karma ist auf sie zurückgefallen, da kann man nichts machen“. Viele Buddhisten denken wie er. Man kann das Unbegreifliche nicht verstehen – aber muss es annehmen, das hilft.In vielen Hotels haben die Angestellten Redeverbot. Fragt man die Rezeptionisten, ob es auf ihrem Areal Tote gegeben hat, schütteln sie nur erschrocken den Kopf. „Nein, hier nicht. Aber nebenan, da war es schlimmer.“
Was war wo? Als sich Ferres zur Vorbereitung auf die Rolle auf die Spuren von Billi Cramer begab, wurden auch ihr widersprüchliche Angaben gemacht. Billis Mann und die Söhne waren im Wellness-Bereich von den Wassermassen überrascht und in die Betriebsräume gespült worden, wo sie ertranken. Erst ein paar Tage später wurden ihre Körper gefunden.
Leichen im Urlaubsparadies, davon will heute im schicken Luxus-Resort niemand etwas wissen. Aber Ferres ließ sich nicht beirren, hat hartnäckig nach den Originalschauplätzen recherchiert, um sich ein eigenes Bild zu machen. In zerrissener Bluse steht sie jetzt vor dem Garderobenbus. Die Maskenbildnerin hat ihr roten Kajalstift unter das Lid gemalt. „Viel Schminke ist gar nicht nötig“, erklärt die 46-Jährige. Der Horror, den ich im Kopf habe, wenn ich nur an die Geschichte denke, spiegelt sich in meinem Gesicht wider.“
„Wenn ich auf dieses wunderschöne Meer schaue, schnürt es mir die Kehle zu. Ich bin vor dem Tsunami einmal zum Tauchen hier gewesen. Heute könnte ich in dieser Gegend nicht mehr so unbeschwert Urlaub machen“, sagt Ferres, die ihre Tochter mit zu den Dreharbeiten genommen hat. „Wenn die Kleine im Wasser ist, habe ich ein Auge auf sie, mit dem anderen schaue ich auf den Horizont. Ich will sicherstellen, dass das Meer ruhig ist.“
Auch wenn der Tourismus in Thailand schnell wieder im Normalbetrieb lief, unter der Oberfläche hat die Welle tiefe Wunden hinterlassen. Immer wieder kommt es zu Paniken. „Zwar gibt es ein Tsunami-Frühwarnsystem, aber die Leute sind misstrauisch. Die Katastrophe in Japan hat das noch verstärkt“, sagt Sum Mai. „Plötzlich kommt ein Gerücht auf, dass eine neue Welle kommt. Dann lassen die Menschen alles stehen und liegen und rennen davon.“
Tsunami – das Leben danach, Ausstrahlung am 5. Februar 2012, ZDF, 20.15 Uhr
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