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Tippspiel
Hochkonjunktur für Superhelden
Osnabrück. Je härter die Zeiten, desto größer die Chancen für Superhelden in der Populärkultur. Das beweist nicht nur die derzeitige Flut kostümierter Kämpfer für das Gute auf den Leinwänden. Das war schon 1936 während der großen Depression in den USA so, als „Das Phantom“ das Licht der Welt erblickte.
Passend zur aktuellen Weltwirtschaftskrise schickt RTL eine modernisierte Fassung jenes scheinbar unsterblichen Schurken- und Piratenjägers mit dem schlichten Namen „Das Phantom“ über die Mattscheibe. Reale Krisenszenarien spart die Produktion dabei genauso aus wie die meisten anderen Werke dieser Unterhaltungsgattung. Bedient das Genre doch den Wunsch nach starken Helden, die unverwundbar, ungefragt und uneigennützig immer dann zu Hilfe eilen, wenn alle anderen versagen. Eskapismus für die Massen.
Das „Phantom“ aus der Feder von Lee Falk ist so ein Superheld. Erstmals als Zeitungscomic 1936 während der großen Depression erschienen, bot er seinen vor allem jungen Lesern der „verlorenen Generation“ von einst so etwas wie Halt und Hoffnung in Form von Realitätsflucht.
Die zweiteilige Miniserie von heute hat die Handlung nun in unsere krisengeschüttelte Zeit verlegt. Aber abgesehen von allerlei technischem Schnickschnack für das neue „Phantom“ alias Chris Moore alias Kit Walker (Ryan Carnes) bleibt vieles beim Alten.
Eingeführt wird die Titelfigur hier als Chris Moore, der als kleiner Junge nur knapp einen Anschlag auf seine Mutter überlebt. Aufgewachsen bei Adoptiveltern, wird der talentierte Parkour-Läufer – Achtung, Action! – eines Tages von geheimnisvollen Mächten entführt und über seine wahre Herkunft aufgeklärt. Sein wahrer Name sei Kit Walker. Und wenn er sich nicht umgehend zu einem lebenslangen Ausflug auf eine geheime Insel namens Bengella begebe, sei auch noch das Leben seiner Freundin Renny (Cameron Goodman) in akuter Gefahr.
Auf Bengella erfährt der kommende Held dann, dass er als „Phantom“ Nummer 22 der Einzige sei, der das Erbe eines seit dem Jahr 1536 währenden Kampfes gegen das Böse fortführen könne. Anders als in den Comics soll ihm dabei nun sogar ein kugelsicherer Hightech-Anzug helfen, der seine Kräfte vervielfacht. Die Gegner sind hingegen böse Menschen der Singh-Bruderschaft, die hier mittels manipulierter TV-Set-Top-Boxen normale Bürger zu hypnotisierten Attentätern machen.
Attraktiv und unter anderem mit Isabella Rossellini prominent besetzt, hat es das abenteuerliche Spektakel trotzdem nicht zur Serienreife gebracht. Was vielleicht auch an einer neuen Inflation von Superhelden im Fernsehen wie in den Kinos liegt. Für Erin Clancy, Kuratorin des Skirball Cultural Centers in Los Angeles, ist der Fall klar. Anlässlich einer Ausstellung über Comics im ersten Jahr nach der Lehman-Pleite gab sie CNN.com gegenüber zu bedenken, dass Superhelden einst aus einem „Kontext heraus entstanden, in dem politische, soziale und wirtschaftliche Gegebenheiten [...] härter waren“ als gewöhnlich. Clancy ist der festen Überzeugung, „dass das Wiederaufleben der Beliebtheit von Superhelden“ auf die heutigen unsicheren Zeiten zurückzuführen sei.
Während in den USA derzeit gerade allerlei neue Superhelden die Mattscheiben bevölkern, erobert hier nun in der nächsten Woche mit „Captain America – The First Avenger“ der nächste Superheld von anno dazumal unsere Lichtspielhäuser. Die Krise, so scheint es, ist noch lange nicht überstanden.
RTL, Samstag, 20.15 Uhr
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07.04.2012
