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Die Panda-Falle
Bremen. Der Panda flößt Vertrauen ein. Er weckt Mitgefühl für die bedrohte Kreatur. Nicht umsonst ist er seit fast genau 50 Jahren das Wappentier des World Wildlife Fund (WWF). Doch das Vertrauen von Unterstützern und Spendern der weltgrößten Naturschutzorganisation könnte heute Abend nachhaltig erschüttert werden, wenn die ARD die brisante Dokumentation „Der Pakt mit dem Panda“ ausstrahlt.
Nachhaltigkeit – das ist das Stichwort. Ein Zauberwort für all jene, die auf einen sorgsamen Umgang mit der Umwelt achten. „Wie kann so etwas nachhaltig sein? Hier wächst nichts mehr nach“, schimpft Nordin, ein Umweltschützer der „Friends of the Earth“ in Indonesien und Mitbegründer der Organisation „Save our Borneo“. Sein Zorn richtet sich gegen den WWF.
In Asien hat der WWF gemeinsam mit den großen Palmölproduzenten einen runden Tisch für nachhaltiges Palmöl gegründet und arbeitet auf Nordins Insel – Borneo – mit dem größten Produzenten zusammen. Allein in Zentralkalimantan darf dieser Konzern 300000 Hektar Wald vernichten. Der WWF kooperiert mit dem Konzern und berät ihn in Fragen der „Nachhaltigkeit“ . Das Filmteam drehte auf einer der neuen Plantagen, für die 14500 Hektar Regenwald vernichtet wurden. 80 Hektar, 0,5 Prozent des Gebiets, wurden als Lebensraum für die Orang-Utans bewahrt. Ein Mensch kann dieses Gebiet in 20 Minuten durchwandern, dem Affen reicht es nicht zum Überleben. Wenn er auf der Nahrungssuche in die Palmölplantagen eindringt, wird er erschossen.
Umweltschützer Nordin erhält Morddrohungen per SMS – und hat sich doch vor die Kamera von Wilfried Huismann gestellt, um seiner Wut über das „Grünwaschen“ einer zerstörerischen Produktion durch den WWF Ausdruck zu verleihen. Der Regenwald seiner Heimat scheint ihm mehr wert als das eigene Leben.
Wilfried Huismann ist dreifacher Grimmepreis-Träger, bekannt für investigative Reportagen. Seinen neuen Film aber mag der WDR nicht an Journalisten versenden – der WWF hat einen renommierten Medienanwalt eingeschaltet, der Sender befürchtet eine einstweilige Verfügung kurz vor der Ausstrahlung. Selbst die Ankündigungen im Internet wurden auf ein paar wortkarge Zeilen reduziert. Also sehen wir uns Huismanns Film auf einem Laptop in seiner Bremer Wohnung an.
Die Bilder erschrecken. In Südamerika ist eine Waldfläche von der Größe Deutschlands verschwunden. Der WWF Argentiniens rechtfertigt Rodungen von Wäldern, die von ihm als „degradiert“ eingestuft werden. Nun wachsen dort genmanipulierte Sojapflanzen, aus denen unser Bedarf nach „Bio“-Sprit gestillt wird. Die Flächen werden mit „Roundup“ besprüht, einer Weiterentwicklung des berühmt-berüchtigten „Agent Orange“, mit dem die Amerikaner im Vietnamkrieg den Dschungel entlaubten. Keine Pflanze überlebt – außer dem Gen-Soja, das im Gegensatz zum Menschen immun ist gegen dieses Gift.
In Indien zahlen wohlhabende Touristen 10000 Dollar für eine Tigersafari. Sie haben ihren Urlaub beim Reisebüro des WWF gebucht, der ihnen versprach: „Bei uns bekommen Sie einen der letzten lebenden Tiger zu sehen.“ Die indische Tierfotografin Vasudha Chakravarthi ist empört: „Der Tigertourismus bringt eine Menge Lärm und Abgase in die Schutzgebiete.“ Und: „Was meinen Sie, wie sich ein Tiger fühlt, der von Jeeps umstellt wird?“
Wilfried Huismann hat dem WWF wiederholt angeboten, in seinem Film Stellung zu nehmen. Anfänglich schien alles zu klappen – bis „man irgendwann gemerkt hat, dass dies nicht einer der üblichen PR-Filme werden wird“. Plötzlich, so Huismann, seien seine E-Mails nicht mehr beantwortet worden. Und der Vize-Präsident des WWF in den USA, Jason Clay, zog seine Interviewzusage zurück, nachdem der WWF Deutschland interveniert hatte.
Der ARD gebührt Dank dafür, dass sie diesen Film zeigt – und Zorn dafür, dass sie ihn zu mitternächtlicher Stunde ausstrahlt. Doch das ist ja längst Konzept: Wer gutes Fernsehen will, muss lange wach bleiben. Nächsten Montag sehen wir dann wieder zur besten Sendezeit, wie schön die Welt in Skandinavien ist.
Der Pakt mit dem Panda, ARD, Mittwoch, 22.6.2011, 23.30 Uhr
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