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Autor: Joachim Schmitz 22. Juni 2011 06:01 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

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Michael K. Mittwoch, 22. Juni 2011 11:00 Uhr

WWF im Zwielicht: Dokumentation entlarvt die Verstrickung mit der Agroindustrie

Die Panda-Falle

Bremen. Der Panda flößt Vertrauen ein. Er weckt Mitgefühl für die bedrohte Kreatur. Nicht umsonst ist er seit fast genau 50 Jahren das Wappentier des World Wildlife Fund (WWF). Doch das Vertrauen von Unterstützern und Spendern der weltgrößten Naturschutzorganisation könnte heute Abend nachhaltig erschüttert werden, wenn die ARD die brisante Dokumentation „Der Pakt mit dem Panda“ ausstrahlt.

 
Ausgebüxt ist ein kleiner Panda aus dem Dresdner Zoo. Die Feuerwehr musste ihn mit einem Wasserstrahl von einem Baum herunterspritzen. Foto: dpa  Vergrößern

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Nachhaltigkeit – das ist das Stichwort. Ein Zauberwort für all jene, die auf einen sorgsamen Umgang mit der Umwelt achten. „Wie kann so etwas nachhaltig sein? Hier wächst nichts mehr nach“, schimpft Nordin, ein Umweltschützer der „Friends of the Earth“ in Indonesien und Mitbegründer der Organisation „Save our Borneo“. Sein Zorn richtet sich gegen den WWF.

In Asien hat der WWF gemeinsam mit den großen Palmölproduzenten einen runden Tisch für nachhaltiges Palmöl gegründet und arbeitet auf Nordins Insel – Borneo – mit dem größten Produzenten zusammen. Allein in Zentralkalimantan darf dieser Konzern 300000 Hektar Wald vernichten. Der WWF kooperiert mit dem Konzern und berät ihn in Fragen der „Nachhaltigkeit“ . Das Filmteam drehte auf einer der neuen Plantagen, für die 14500 Hektar Regenwald vernichtet wurden. 80 Hektar, 0,5 Prozent des Gebiets, wurden als Lebensraum für die Orang-Utans bewahrt. Ein Mensch kann dieses Gebiet in 20 Minuten durchwandern, dem Affen reicht es nicht zum Überleben. Wenn er auf der Nahrungssuche in die Palmölplantagen eindringt, wird er erschossen.

Umweltschützer Nordin erhält Morddrohungen per SMS – und hat sich doch vor die Kamera von Wilfried Huismann gestellt, um seiner Wut über das „Grünwaschen“ einer zerstörerischen Produktion durch den WWF Ausdruck zu verleihen. Der Regenwald seiner Heimat scheint ihm mehr wert als das eigene Leben.

Wilfried Huismann ist dreifacher Grimmepreis-Träger, bekannt für investigative Reportagen. Seinen neuen Film aber mag der WDR nicht an Journalisten versenden – der WWF hat einen renommierten Medienanwalt eingeschaltet, der Sender befürchtet eine einstweilige Verfügung kurz vor der Ausstrahlung. Selbst die Ankündigungen im Internet wurden auf ein paar wortkarge Zeilen reduziert. Also sehen wir uns Huismanns Film auf einem Laptop in seiner Bremer Wohnung an.

Die Bilder erschrecken. In Südamerika ist eine Waldfläche von der Größe Deutschlands verschwunden. Der WWF Argentiniens rechtfertigt Rodungen von Wäldern, die von ihm als „degradiert“ eingestuft werden. Nun wachsen dort genmanipulierte Sojapflanzen, aus denen unser Bedarf nach „Bio“-Sprit gestillt wird. Die Flächen werden mit „Roundup“ besprüht, einer Weiterentwicklung des berühmt-berüchtigten „Agent Orange“, mit dem die Amerikaner im Vietnamkrieg den Dschungel entlaubten. Keine Pflanze überlebt – außer dem Gen-Soja, das im Gegensatz zum Menschen immun ist gegen dieses Gift.

In Indien zahlen wohlhabende Touristen 10000 Dollar für eine Tigersafari. Sie haben ihren Urlaub beim Reisebüro des WWF gebucht, der ihnen versprach: „Bei uns bekommen Sie einen der letzten lebenden Tiger zu sehen.“ Die indische Tierfotografin Vasudha Chakravarthi ist empört: „Der Tigertourismus bringt eine Menge Lärm und Abgase in die Schutzgebiete.“ Und: „Was meinen Sie, wie sich ein Tiger fühlt, der von Jeeps umstellt wird?“

Wilfried Huismann hat dem WWF wiederholt angeboten, in seinem Film Stellung zu nehmen. Anfänglich schien alles zu klappen – bis „man irgendwann gemerkt hat, dass dies nicht einer der üblichen PR-Filme werden wird“. Plötzlich, so Huismann, seien seine E-Mails nicht mehr beantwortet worden. Und der Vize-Präsident des WWF in den USA, Jason Clay, zog seine Interviewzusage zurück, nachdem der WWF Deutschland interveniert hatte.

Der ARD gebührt Dank dafür, dass sie diesen Film zeigt – und Zorn dafür, dass sie ihn zu mitternächtlicher Stunde ausstrahlt. Doch das ist ja längst Konzept: Wer gutes Fernsehen will, muss lange wach bleiben. Nächsten Montag sehen wir dann wieder zur besten Sendezeit, wie schön die Welt in Skandinavien ist.

Der Pakt mit dem Panda, ARD, Mittwoch, 22.6.2011, 23.30 Uhr

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  Leserkommentare

 
Michael K., Mittwoch, Juni 22, 2011 um 11:00 Uhr WWF und ARD Liebe Mitmenschen,habe mich doch heute sehr erschrocken als ich den obigen Artikel gelesen habe.Dies hat mich dazu bewegt einmal im Internet so gut wie möglich an Informationen zu kommen.Dabei ist mir aber auch klar geworden das ich mindestens ebenso erschrocken über die ARD bin das so eine Reportage erst zu so später Stunde gezeigt wird,muss die ARD denn um ihre Reputationen fürchten weil ja auch sie Werbung für den WWF macht oder ist es etwa Absicht damit so wenig Menschen wie möglich diese Doku sehen?Es verwundert mich doch sehr das gerade die ARD wohl leichte bis mittelschwere Panik bei dem Thema WWF und Wahrheitsfindung bekommt.Da möchte ich mich dann doch fragen wie weit der Einfluss einer solchen Organisation reicht das gestandene Jounalisten mit Klagen rechnen müssen wenn der Film ausgestrahlt wird.Ausserdem wundert es mich das eine Einstweilige Verfügung gegen die Austrahlung befürchtet wird,gerade weil ich da an unser GG und das Medienrecht denken muss.Schade das die ARD in dem Fall nur einen "Halben Hintern" in der Hose hat.Alles in allem leider mehr Fragen als Antworten die ich hier aufwerfe,aber vielleicht ist einer der geneigten Mitleser in der Lage mir diese zu beantworten.

 
S. F., Mittwoch, Juni 22, 2011 um 10:27 Uhr Ja Herr Heiko P. Auch ich habe Ihre Äußerungen im März äußerst Kritisch gesehen. Sehe ich heute auch noch, da ich die Idee und die gesamte Organisation nicht über einen (negativen) Kamm scheren mag. Dennoch haben Sie mich damals mit Ihren Äußerungen dazu bewogen kritisch den WWF zu betrachten - in diesem Zusammenhang bin ich auch genau über oben genannte Problematik gestolpert. Summasummarum: Vielen Dank Herr P. - Man lernt nie aus, ich werde dem WWF nun auch in Zukunft äußerst kritisch gegenübertreten. Auch wenn ich die Idee gutheiße und in dieser Organisation unter Garantie viele Menschen arbeiten die tatsächlich den Umweltschutzgedanken vorne weg tragen. Aber so scheint der Lauf der Dinge zu sein: Einige wenige (gierige) Schwachköpfe zerstören den Ruf einer guten Idee/Organisation - siehe Unicef vor ca. 15 Jahren.
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