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Kluger Prinz liebt willensstarke Prinzessin
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 24. Dezember 2009 06:00 Uhr


Kluger Prinz liebt willensstarke Prinzessin

Nach dem Erfolg 2008 mit „Sechs auf einen Streich“ setzt die ARD ihre Reihe nun mit acht Märchen-Neuverfilmungen fort. Auch das ZDF steuert – wie im vergangenen Jahr – eine neue Produktion zu Weihnachten dazu.

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Acht plus eins, das ergibt im weihnachtlichen Fernsehprogramm neun neue märchenhafte Abenteuer: Dicht an der traditionell überlieferten Vorlage gehalten, in historischer Kulisse inszeniert und wieder leicht um moderne Interpretationen erweitert, sind alle Filme. Auf diese Weise gewinnen die Prinzen an Persönlichkeit: Sie kommen nicht auf einem Schimmel aus dem Nichts als Retter angeritten. Nein, sie haben nun auch eine individuelle Vorgeschichte. Die Heldinnen sind – sei ihre Situation noch so misslich – selbstbewusst und willensstark. Der besondere Charme der „Streiche“-Reihe ist aber, dass die meisten Produktionen Märchen erzählen, die gar nicht oder selten verfilmt worden sind – beispielsweise „Die kluge Bauerntochter“. Ein Aspekt, der sich aber leider nicht durch die ganze Reihe zieht: Schneewittchen und Dornröschen sind da eher ein müder „Streich“ und wären durchaus entbehrlich gewesen. Warum diese bereits mehrfach neu verfilmten bekannten Märchen schon wieder inszeniert wurden, darauf geben die Produktionen des Bayrischen Rundfunks und des SWR leider keine befriedigende Antwort. Hier alle neun Filme:

Schneewittchen. ARD, 25. Dezember, 14.45 Uhr. Das ist mal eine Neuigkeit: Schneewittchen und ihr Prinz kannten sich vor der bekannten Rettungsaktion am gläsernen Sarg! Sie waren auch bereits ineinander verliebt, denn der Prinz weilte zuvor – als Jäger verkleidet – im Schloss der Prinzessin! Auf diesen Einfall beschränkt sich leider auch der Reiz dieser Neuverfilmung mit Sonja Kirchberger als Stiefmutter mit tödlicher Eitelkeit.

Rapunzel. ARD, 25. Dezember, 15.45 Uhr. Die Aufforderung: „Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter!“ ist bekannt, verfilmt wurde das Märchen um die im Turm gefangen Heranwachsende selten. Nun hat es die ARD gewagt – mit einem durch und durch spielfreudigen Ensemble: Susanne von Borsody glänzt als wahrlich hinterhältige Zauberin. Sie lebt eine krankhafte Mutterliebe auf schauerliche Weise aus: Erst macht sie eine mittellose Schwangere süchtig nach den Rapunzeln in ihrem Garten, dann verlangt sie deren verzweifelten Ehemann ein teuflisches Tauschgeschäft ab: Rapunzeln gegen das Neugeborene. Die düstere Stimmung wird hier durch das fröhliche, harmonische Zusammenspiel zwischen Luisa Wietzorek (Rapunzel) und Jaime Ferkic (Prinz) immer wieder hoffnungsvoll durchbrochen.

Der gestiefelte Kater. ARD, 25. Dezember, 16.45 Uhr. Von dem bösen Zauberer (Jürgen Tarrach), der das Land beherrscht, ist in dieser Verfilmung des Märchens nicht nur die Rede: Der jüngste Sohn eines Müllers wird ihn – dank seiner skurrilen Erbschaft – bezwingen. Sein geerbter Kater weiß nämlich genau, wie die Menschen tickten. Er verhilft dem jungen Mann mit einer klugen List zu Selbstbewusstsein, Liebe und Reichtum. Idealbesetzung Roman Knizka gibt den gestiefelten Kater in einer lockeren charmanten Mischung zwischen gewitzt und leicht tollpatschig. Manchmal erinnert das an Johnny Depps Captain Jack Sparrow. Sehr amüsant!

Dornröschen. ARD, 26. Dezember, 14.45 Uhr. Mal wieder fällt die junge Königstochter in einen 100-jährigen Schlaf. Und das nur, weil ihr Vater bei ihrer Geburt zu geizig war, alle 13 Feen einzuladen. Hannelore Elsner spielt die rachsüchtige – da übergangene – Fee, die Unheil über Dornröschen und das ganze Königreich bringt. Der Figur des Prinzen wird zwar hier mehr Raum geben, das gelang dem ZDF jedoch vor einem Jahr wesentlich spannender und amüsanter: Wie ein intelligenter Prinz mit Forschergeist seine Prinzessin wachküsst, zeigt das ZDF am Freitag, 25. Dezember, um 9.20 Uhr noch einmal.

Die Gänsemagd. ARD, 26. Dezember, 15.45 Uhr. Karoline Herfurth spielt die allzu gutgläubige Prinzessin Elisabeth – mal tapfer, mal melancholisch. Susanne Bormann ist ihre skrupellose Zofe Magdalena, die sie zum fatalen Rollentausch zwingt. Die Figuren werden auch in dieser Produktion als vielschichtige Persönlichkeiten gezeigt: So erfährt man auch, warum die Zofe so bösartig wurde.

Rumpelstilzchen. ARD, 26. Dezember, 16.45 Uhr. Eine entzückende Julie Engelbrecht kämpft mit dem Stroh, das zu Gold werden soll, mit der Gier ihres königlichen Schwiegervaters und einem Versprechen, das sie Rumpelstilzchen (wunderbar kauzig: Robert Stadlober) gab und nicht halten kann.

Der Teufel mit den drei goldenen Haaren. ZDF, 27. Dezember, 13.10 Uhr. Karl Fritz glänzt als gruseliger Teufel, der sich in der Hölle dank seiner Großmutter lächerlich macht. Sehr sehenswerte, humorvolle Verfilmung.

Die Bremer Stadtmusikanten. ARD, 2. Januar, 15.30 Uhr. Harald Schmidt ist in der Rolle zu hören, die ihm bestens liegt: Er spricht den arroganten alten Gockel. Bremen hat – abweichend von der Vorlage – endlich einen Auftritt, und die herzerfrischende Anna Fischer ist als dazugedichte Bauerntochter Lissi zu sehen.

Die kluge Bauerntochter. ARD, 2. Januar, 16. 30 Uhr. Der beste „Streich“ zum Schluss: Anna Maria Mühe überzeugt als aufgeweckte, lebenskluge Bauerntochter, die jedes noch so merkwürdige Prinzen-Rätsel locker zu lösen weiß. Eine Märchen-Wiederentdeckung.  Mehr Medien & Fernsehen

 

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